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Aufgrund von Corona mehr Bargeld abheben und horten? Ist nicht nötig, sagen Experten. Foto: FOTOLIA
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Keine Angst ums Bargeld "Unsere Tresore sind voll"

Verbraucher heben derzeit mehr Geld an Bankautomaten ab als sonst. Dabei ist das laut Bundesbank nicht nötig. Die Versorgung mit Scheinen steht.

Johannes Beermann sagt es ganz deutlich: „Das Bargeld wird in Deutschland nicht ausgehen. Unsere Tresore sind bis oben hin gefüllt.“ Beermann muss es wissen. Er sitzt im Vorstand der Bundesbank. Die bringt in Deutschland das Bargeld in Umlauf: Sie zahlt es also an die Geschäftsbanken aus, die damit dann ihre Automaten befüllen. Seit dem Corona-Ausbruch muss Beermann vor allem eins: beschwichtigen. Denn manche Bankkunden scheinen sich Sorgen zu machen, ob sie auch weiterhin Scheine am Automaten bekommen werden. Oder ob sie das Bargeld nicht horten sollten – so wie das Klopapier. Dafür aber gibt es keinen Anlass, heißt es bei den Geldhäusern wie bei der Bundesbank.

Tatsächlich haben zuletzt mehr Menschen Bargeld abgehoben, als das in normalen Zeiten der Fall ist. Mitte vergangener Woche sei die Summe der ausgezahlten Beträge „in etwa doppelt so hoch“ gewesen wie üblich, schreibt die Bundesbank. Probleme habe es dabei aber keine gegeben. Zum Ende der Woche hin habe sich die Lage wieder normalisiert. Die Bundesbank erklärt diesen Anstieg vor allem mit der Ankündigung mehrerer Banken, einen Teil ihrer Filialen zu schließen. Verbraucher hätten daraufhin verstärkt Geld abgehoben. Dabei halten alle Banken die Vorräume mit den Geldautomaten offen. Auch werden alle Geräte weiterhin regelmäßig befüllt.

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„Die Versorgung der Berlinerinnen und Berliner mit Bargeld ist flächendeckend sichergestellt“, sagt ein Sprecher der Berliner Sparkasse. Das bestätigt auch die Berliner Volksbank. „Die Geldautomaten in unserem Einzugsgebiet sind wie gewohnt ausreichend mit Bargeld bestückt“, sagt Vorstandschef Carsten Jung. „Und das wird auch so bleiben.“ Bei der Commerzbank heißt es ebenfalls: „Etwaige Befürchtungen sind unbegründet.“ Derzeit gebe es keine „wirklich auffälligen Veränderungen bei der Bargeldversorgung“. Man beobachte die Situation aber natürlich weiterhin genau. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagt sogar, es würden an den Automaten derzeit weniger Scheine abgehoben – vermutlich weil so viele Geschäfte geschlossen sind.

Auch die Banken haben ihre Tresore aufgefüllt

So geht die Bundesbank dann auch davon aus, dass ein Teil der erhöhten Nachfrage nach Bargeld auf die Banken selbst zurückgeht: Auch sie haben offenbar ihre Tresore vorsorglich aufgefüllt, um weiterhin ihre Kunden mit Scheinen versorgen zu können. Die Bundesbank ist ebenfalls vorbereitet: Sie hat „Notfall- und Krisenpläne, um die Bargeldversorgung der Bevölkerung sowie des Handels über die Banken und Sparkassen mithilfe der Wertdienstleister sicherzustellen“. Die Geldtransportfirmen, die die Automaten befüllen, hätten bei der Belieferung mit Bargeld Vorrang. Auch habe man mit ihnen Konzept entwickelt, wie sie die Versorgung bei einer besonders hohen Nachfrage sicherstellen können.

So bezahlen die Deutschen noch immer am liebsten: mit Bargeld. Foto: imago images/Ralph Peters Vergrößern
So bezahlen die Deutschen noch immer am liebsten: mit Bargeld. © imago images/Ralph Peters

Beim Bankenverband macht man sich deshalb keine Sorgen, dass die Deutschen nicht mehr an ihre Bargeld kommen könnten. Die Nachfrage sei zwar erhöht, aber nicht dramatisch, sagt ein Sprecher. Selbst wenn ein Automat unerwartet leer sein sollte, gibt es in der Regel Alternativen in der Umgebung. 60000 Geldautomaten betreiben die Banken bundesweit. Außerdem kann man inzwischen auch an 20000 Supermarktkassen Bargeld abheben.

Auf Twitter beschweren sich derweil manche, weil sie am Automaten keine hohen Beträge von mehreren tausend Euro abheben könnten. Das allerdings konnten sie im Zweifel auch vor der Coronakrise nicht. Denn die Banken setzen ihren Kunden auch in normalen Zeiten ein Limit, wie viel Bargeld sie am Automaten pro Tag abheben dürfen. An dieser Grenze hat sich durch Corona nichts geändert. Bei der Berliner Sparkasse kann man zum Beispiel maximal 1000 Euro am Tag am Automaten ziehen, bei der Berliner Volksbank sind es 2000 Euro. Die Deutsche Bank wiederum legt die Summe bei ihren Kunden individuell fest.

Vorsicht vor dem Corona-Enkeltrick

Dabei raten Experten ohnehin gerade in der derzeitigen Situation davon ab, hohe Summen zu Hause aufzubewahren. Denn Kriminelle nutzen gerade den Corona-Ausbruch für neue Varianten des Enkeltricks: Am Telefon geben sie sich als Angehörige aus, die mit dem Virus infiziert worden sind und nun Geld für die Behandlung bräuchten. Sie bieten an, einen Freund vorbeizuschicken, um die Summe abzuholen und so die Ansteckungsgefahr zu verringern.

Beim kontaktlosen Bezahlen braucht man nur das Smartphone (oder die Girokarte) ans Lesegerät halten. Foto: promo Vergrößern
Beim kontaktlosen Bezahlen braucht man nur das Smartphone (oder die Girokarte) ans Lesegerät halten. © promo

Gleichzeitig werben Banken und Händler aufgrund von Corona dafür, nach Möglichkeit an der Supermarktkasse kontaktlos statt bar zu bezahlen. Zwar sagt Volksbank-Chef Jung: „Befürchtungen, Geldscheine und Münzen könnten das Virus übertragen, sind unbegründet.“ Dennoch fühlen sich offenbar viele sicherer, wenn sie kontaktlos zahlen. Dafür müssen Kunden an der Kasse nur ihre Karte ans Lesegerät halten – für Beträge unter 25 Euro entfällt auf diese Weise die Pin-Eingabe. Haben im Dezember lediglich gut ein Drittel das kontaktlose Zahlen per Girokarte eingesetzt, war es in den vergangenen Tagen bereits die Hälfte aller Nutzer.

Alternativ können Kunden auch per Apple oder Google Pay bezahlen. Dabei geben sie den Betrag über ihr Smartphone frei und müssen das Kartengerät ebenfalls nicht berühren.

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