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Russlands Präsident Putin pflegt seit Langem gute Beziehungen mit Israel. Foto: Heidi Levine/Reuters
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Wieso entschuldigt sich Putin plötzlich? Russland braucht Israel – und andersherum auch

Wladimir Putin leistet Abbitte bei Israel für den Hitlervergleich seines Ministers. Warum er Wert auf gute Beziehungen zu Jerusalem legt. Ein Kommentar.

Wladimir Putin entschuldigt sich. Wie bitte? Man mag seinen Ohren und Augen nicht trauen. Und doch ist es offenbar passiert. Nur gilt das „Sorry“ nicht etwa den Kriegsverbrechen, die Russlands Armee in der Ukraine verübt. Oder dem völkerrechtswidrigen Einmarsch ins Nachbarland.

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Nein, der Kremlchef leistet Abbitte beim kleinen Israel – für die antisemitischen Entgleisungen seines Außenministers Sergej Lawrow. Zumindest ließ das der israelische Premier Naftali Bennett mitteilen.

Aus Moskau hieß es lediglich, der russische Präsident habe in einem Telefonat mit Israels Regierungschef die freundschaftlichen Beziehungen zum jüdischen Staat hervorgehoben. Dementiert wurde die Entschuldigung des Kremlchefs damit keineswegs.

An Russland kommt im Nahen Osten keiner vorbei

Das spricht Bände. Für Putin scheint Israel ein Land von politischem, vor allem militärischem Gewicht zu sein. Eines, das tunlichst nicht erzürnt werden sollte. Eines, bei dem es vielmehr angeraten ist, sich mit ihm gutzustellen. Denn beide brauchen einander.

Israels Premier Naftali Bennett versucht, zwischen Kiew und Moskau zu vermitteln. Foto: Menahem Kahana/Reuter Vergrößern
Israels Premier Naftali Bennett versucht, zwischen Kiew und Moskau zu vermitteln. © Menahem Kahana/Reuter

Putin hat in den vergangenen Jahren seinen Einfluss im Nahen Osten geschickt ausgebaut – mit Soldaten, Söldnern und Waffenverkäufen. In der Region kommt heute keiner mehr an Russland vorbei. Das wissen auch die Verantwortlichen in Israel. Ihre oberste Priorität ist die Sicherheit des Landes. Die ist gerade mit Blick auf den Erzfeind Iran kaum ohne Moskaus Wohlwollen zu gewährleisten.

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Das gilt vor allem für Militärschläge gegen Teherans Stellungen in Syrien. Russland besitzt dort die Lufthoheit – und lässt bislang Israel gewähren, um den Mullahs ihre Grenzen aufzuzeigen. So stärkt Moskau seine Position als Ordnungsmacht. Das zwingt Jerusalem wiederum zu einer strategischen Partnerschaft mit dem Kreml.

Russlands Außenminister Lawrow sorgte mit seinem Hitler-Vergleich für große Empörung. Foto: Imago/Itar Tass Vergrößern
Russlands Außenminister Lawrow sorgte mit seinem Hitler-Vergleich für große Empörung. © Imago/Itar Tass

Allerdings weiß Putin sehr wohl, dass Israel im Nahen Osten eine Größe für sich darstellt. Das Land ist jederzeit in der Lage und bereit, gestützt auf eine der modernsten Armeen der Welt, seine Interessen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln wahrzunehmen.

Ein nüchtern analysierender russischer Präsident wird dies in sein strategisches Kalkül miteinbeziehen. Ebenso, dass der jüdische Staat bislang in Sachen Sanktionen gegen Russland eine auffällige Zurückhaltung an den Tag legt.

Genau das macht auch Israels Dilemma deutlich. Denn das Land fühlt sich dem Westen verbunden, vor allem den USA. Die erwarten klare Worte und Taten gegen Russlands Aggression, vor denen sich die Regierung in Jerusalem noch drückt – aus Rücksichtnahme auf Moskau und gegen den Willen einer Mehrheit im Land. Doch in absehbarer Zeit werden sich die Verantwortlichen klar positionieren müssen: für oder gegen Russland. Daran ändert auch Putins persönliche Entschuldigung wenig.

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