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dpatopbilder - 04.05.2022, Bayern, München: Markus Söder, CSU-Parteivorsitzender, nimmt an einer Pressekonferenz in der Parteizentrale teil, um ein Statement zum Rücktritt von CSU-Generalsekretär Mayer zu geben. Foto: Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa
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Nach Rücktritt von CSU-Generalsekretär Stephan Mayer Kann die Causa Mayer für Söder gefährlich werden?

Stephan Mayer soll einen Journalisten verbal bedroht haben soll. Markus Söder spricht in einer Stellungnahme von einer „menschlichen Tragödie“

Kürzer war keiner im Amt: Am Dienstagabend hatte der CSU-Generalsekretär nach nur gut zwei Monaten sein Amt niedergelegt. Aus gesundheitlichen Gründen, hieß es in seiner offiziellen Rücktrittserklärung.

Inoffiziell dürfte ihm jedoch ein Telefonat mit einem Journalisten der Zeitschrift “„Bunte“ das Genick gebrochen haben. Die „Bunte“ will aufgedeckt haben, dass der bis dato als ledig bekannte Mayer ein uneheliches Kind habe, um das er sich nicht kümmere.

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Im Gespräch mit dem Reporter scheint sich Stephan Mayer gelinde gesagt im Ton vergriffen zu haben: „Ich werde sie vernichten“, soll der Jurist dem Journalisten gedroht haben. „Ich werde Sie ausfindig machen, ich verfolge Sie bis ans Ende Ihres Lebens. Ich verlange 200.000 Euro Schmerzensgeld, die müssen Sie mir noch heute überweisen“, gibt die „Bild“ die Wortwahl des CSU-Politikers wieder.

Mayer selbst räumt ein, „möglicherweise eine Wortwahl verwendet zu haben, die er rückblickend nicht als angemessen betrachten würde. Die Personalie Mayer wird jetzt vor allem für Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder zum Problem - er hatte den als hemdsärmelig bekannten Oberbayern ins Hemd geholt, nachdem sein Vorgänger Markus Blume Wissenschaftsminister geworden war. Wohl auch, um bei den bodenständigeren Wählern zu punkten.

„Söder befindet sich in einer schwierigen Lage“

So ein Ausraster komme nicht völlig überraschend, sagt der Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Auch in der Vergangenheit sei Mayer bereits durch seinen „Rambo-Stil“ aufgefallen.

„Mayer ist ein Politiker bajuwarischer Art, der eher mit dem Säbel fechtet als mit dem Florett und gerne mal über das Ziel hinausschießt.“ So mutet es an. Vewunderlich erscheint vor allem, dass Mayer zehn Jahre nach der Wulff-Affäre zunächst davon auszugehen schien, dass ein solcher Ausfall nicht an die Öffentlichkeit dringt. Könnte dieser Eklat Söder jetzt auf die Füße fallen?

Söder befinde sich in einer schwierigen Lage, sagt Schroeder. „Er hat ja bei den letzten Wahlen gezeigt, dass auch er mit seinem Rambo-Rezept nicht punkten konnte. Er trägt einen wesentlichen Teil dazu bei, dass die Union die Bundestagswahlen nicht für sich entscheiden konnte. Jetzt hat er sich einen weiteren Makel eingehandelt.“

Dass ihm das Mayer-Debakel wirklich gefährlich werden könnte, glaubt Schroeder jedoch nicht. „Die Zeit ist schnelllebig. Die Wahlen in Bayern sind erst 2023, durch den schrecklichen Krieg und Corona könnte die Causa leicht in Vergessenheit geraten - wenn er jetzt schnell eine gute Nachfolge findet.“

Söder hatte Mayer erst im Februar als Nachfolger für Markus Blume ins Amt geholt. Foto: dpa/Peter Kneffel Vergrößern
Söder hatte Mayer erst im Februar als Nachfolger für Markus Blume ins Amt geholt. © dpa/Peter Kneffel

Söder selbst sprach am Mittwoch von einer „menschlichen Tragödie“ und bezeichnete das Verhalten Mayers als indiskutabel. Worin genau die menschliche Tragödie liegt, lässt er offen.

Das mögliche uneheliche Kind dürfte es nicht sein, Markus Söder hat schließlich selbst eins. Und weder ihm noch seinem einstigen Widersacher Horst Seehofer scheint der außereheliche Nachwuchs politisch geschadet zu haben.

Dafür, dass das uneheliche Kind Horst Seehofer publik geworden ist, wird in Insiderkreisen Markus Söder verantwortlich gemacht. Was das angeht, ist die CSU ihrer Linie treu geblieben:

Der Tipp, dass etwas mit Mayers Familienverhältnissen nicht stimme, sei vor einigen Wochen aus CSU-Kreisen gekommen, erzählte besagter Journalist im Interview mit der „Bunten“.

In deutschen Metropolen mag diese brisante Information allenfalls ein müdes Lächeln hervorrufen, in Mayers Heimat, dem Marienwallfahrtsort Altötting, könnte sie noch zum Skandal taugen. Oder etwa nicht mal mehr dort?

„Die bayerische Bevölkerung befindet sich im Umbruch“, analysiert der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter. „Alte Milieus lösen sich auf, vor allem die religiösen und konservativen befinden sich immer mehr auf dem Rückzug.“

„Die bayerische Bevölkerung befindet sich im Umbruch“

Auch das ist ein Problem für Markus Söder. Er will gefallen und lässt dadurch eine klare Linie vermissen. Schon während der Pandemie fiel er durch seinen Zickzack-Kurs auf, um niemanden zu verprellen, hält er daran auch auf anderen Gebieten fest.

Söder kämpft für Kreuze, umarmt Bäume oder entdeckt seine soziale Ader, wenn es opportun ist. Das ist zu viel, meint Oberreuter.

„Im Vergleich zu früher fehlt der CSU eine Richtung. Für den christlich-bürgerlichen Kurs gibt es heute nicht mehr genug Resonanz.“

56 Prozent der Menschen in Bayern halten Markus Söder derzeit für einen guten Ministerpräsidenten. Es waren einmal 70.

Der CSU mangele es an Ausstrahlungswirkung, erklärt Oberreuter. „In Bayern läuft vieles besser als woanders, aber das sind die Menschen gewöhnt. Das entfaltet keine Dynamik mehr.“

Der Wahlkampf naht, die Ansprüche an einen Nachfolge für Mayer seien hoch, sagt Oberreuter. „Sie sollte organisatorische Überzeugungskraft mitbringen, kommunikative Talente und die Partei einigen können.“

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