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Russische Kämpfer in Mariupol Foto: Reuters/Alexander Ermochenko
© Reuters/Alexander Ermochenko

Bericht des BND Zahlreiche Neonazis kämpfen für Russland in der Ukraine

Putin nennt als Ziel seines Angriffs die „Entnazifizierung“ der Ukraine. Doch dafür kämpfen dem „Spiegel“ zufolge auch mehrere rechtsextreme Gruppen.

Dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben sich offenbar zahlreiche russische Rechtsextreme und Neonazis angeschlossen. Das meldet der „Spiegel“ unter Berufung auf einen vertraulichen Bericht des Bundesnachrichtendienstes (BND). Das siebenseitige Dokument wurde demnach vorvergangene Woche an mehrere Bundesministerien geschickt.

Dem BND zufolge kämpfen mit der „Russian Imperial League“ und der Gruppe „Rusich“ mindestens „zwei Gruppen mit rechtsextremistischer Gesinnung“ gegen die ukrainische Armee. Zudem setze die russische Regierung zumindest eine rechtsextreme „Einzelperson“ für ihre Zwecke ein, zitiert der „Spiegel“ weiter aus dem Bericht. Die Zusammenarbeit mit diesen Gruppierungen führe „den vorgeblichen Kriegsgrund der sogenannten 'Entnazifizierung' der Ukraine ad absurdum“, schreiben die Analysten des deutschen Auslandsgeheimdienstes.

In dem Dokument werden keine Angaben über die Anzahl rechtsextremistischer Kämpfer gemacht. Allerdings nennt der BND-Bericht Gruppierungen und Einheiten.

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Die „Russian Imperial Legion“ (RIL), der paramilitärische Arm der rechtsextremen Vereinigung „Russian Imperial Movements“, hat demnach schon in die Kämpfe eingegriffen. Die Gruppe habe bereits in den Jahren 2014 und 2015 auf russischer Seite im ukrainischen Donbass gekämpft.

Nur einen Tag nach dem russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar habe RIL-Chef Denis Gariejew auf Telegram geschrieben: „Ganz ohne Zweifel sprechen wir uns für die Liquidierung des separatistischen Gebildes Ukraine aus.“ Bald darauf habe die RIL beschlossen, in der Ukraine zu kämpfen. Dem BND-Dokument zufolge wurden dafür als Kämpfer mit Militärerfahrung und Absolventen des organisationseigenen Ausbildungszentrums „Partizan“ in St. Petersburg geworben. Es sei unklar, „ob diese Entscheidung auf Aufforderung oder in Absprache mit der russischen Führung fiel“, heißt es in dem BND-Bericht. Den Angaben zufolge starb Garijews Stellvertreter bei Kämpfen in der Ukraine. Garijew selbst sei verletzt ausgeflogen worden, mindestens zwei weitere Rechtsextreme seien schwer verwundet worden.

Hakenkreuz-Fahne und Hitlergruß am Lagerfeuer

Die Gruppe „Rusich“ soll ebenfalls spätestens seit Anfang April in die Kämpfe auf ukrainischem Gebiet verwickelt sein. Sie wird vielerorts der berüchtigten russischen Söldnertruppe Wagner zugerechnet und war ebenfalls bereits 2014 und 2015 im Donbass im Einsatz. Dem BND zufolge war „Rusich“ damals „für besondere Brutalität bekannt“. Die Gruppe habe den Ruf gehabt, „niemals Gefangene zu machen“. Einer der beiden „Rusich“-Gründer gelte als Sadist.

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Zum Beleg des rechtsextremen Hintergrunds der Organisation fügten die BND-Analysten dem „Spiegel“ zufolge ihrem Bericht Bilder der „Rusich“-Gründer Alexej M. und Jan P. bei: Eine Aufnahme zeigt M. mit einer Hakenkreuz-Fahne, eine weitere zeigt P. vor einem Lagerfeuer mit Hitlergruß.

Darüber hinaus habe der aus Donezk stammende Rechtsextremist Alexander M. im April über Telegram versucht, Freiwillige für den Krieg zu werben, um ein Bataillon zur Unterstützung prorussischer und russischer Kräfte zu gründen. M. selbst hat nach BND-Angaben bereits im Donbass auf der Seite Russlands gekämpft. Er ist als Militärkorrespondent des staatlichen russischen Fernsehsenders „Pervyy Kanal“ bekannt. (Tsp)

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