Aus der Serie der "Immigrants". Gerhard Faulhaber zeichnete die Aufnahmen von Wärmekameras nach, die Geflüchtete in Lkws und Containern nachspüren. Foto: Galerie
© Galerie

Zum Tod von Gerhard Faulhaber Zarte Linien, klare Überzeugungen

Aus der fränkischen Provinz nach Berlin: Hier studierte er Kunst, hier gründete er mit Werner Müller die Zwinger Galerie.

„Traurige Nachrichten sind aus der Zwinger Galerie zu vermelden“, schreibt Werner Müller, der Galerist. Dennoch strahlen die Bilder der aktuellen Ausstellung von Susi Pop in Magenta durch die Scheiben der Galerie in der Kreuzberger Mansteinstraße weiter, als hätte es die Mitteilung vom Tod Gerhard Faulhabers nicht gegeben, dem Partner des Galeristen und wichtigsten finanziellen Unterstützer des gemeinsamen Unternehmens.

Zugleich könnte es keinen größeren Unterschied zwischen Susi Pops heiteren Großdrucken und den zarten, ernsten Zeichnungen Faulhabers geben, der ebenfalls zu den Stammkünstlern der Galerie gehört.

Geboren 1945 im fränkischen Lauda als Sohn eines Schlachters sucht er sich seinen eigenen Weg aus der Enge: jobbt als Krankenpfleger in einer Psychiatrie in der Schweiz, beginnt in Basel ein Studium an der Kunstgewerbeschule und geht 1967 nach Berlin, um an der Universität der Künste zu studieren, mitten hinein in die Studentenrevolte.

Gerhard Faulhaber (1945 - 2021). Foto: Galerie Vergrößern
Gerhard Faulhaber (1945 - 2021). © Galerie

Faulhaber gehört zu den Pionieren der West-Berliner Schwulenbewegung, beteiligt sich 1973 am 1. Realismusstudio der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst und wird doch für sein eigenes Schaffen als bourgeois angefeindet. Es wird ihm verleidet.

Erst in den 1980ern nimmt er die Kunst wieder auf und beginnt abstrakt zu zeichnen. Mit dem Silberstift ertastet er die Griffigkeit des Papiers, mit Bleistift zieht er feinste Gespinste über die Fläche. Ein wichtiges Kapitel werden die Auseinandersetzungen mit William Henry Fox Talbot, dem Erfinder des Negativ-Positiv-Verfahrens in der Fotografie. Faulhaber zeichnet dessen Motive nach, modifiziert sie leicht.

Damit stellt er die Frage nach den Grenzen technischer Reproduzierbarkeit. Was kann Zeichnung, was Fotografie? Seine zeichnerische Auseinandersetzung mit Aufnahmen von Geflüchteten, die durch Wärmekameras in Lkws und Containern aufgespürt wurden, bezeugen Empathie. Nach einem häuslichen Unfall ist Faulhaber am 7. Juli in Berlin verstorben; am 28. Juli wird er auf dem Matthäus-Kirchhof, nahe seiner Galerie, beerdigt.

Zur Startseite