So sieht einer aus, der es noch nicht zum SPD-Vorsitzenden geschafft hat: Jan Böhmermann. Screenshot: Tsp
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Update Satire wird Ernst Jan Böhmermann bald SPD-Mitglied

Ausnahme vom Wohnortprinzip: Jan Böhmermann kann SPD-Mitglied im Ortsverein Köthen werden

TV-Satiriker Jan Böhmermann hat nach SPD-Angaben gute Chancen, bald in die Partei aufgenommen zu werden. Böhmermann will nach eigenen Angaben in den SPD-Ortsverein Köthen in Sachsen-Anhalt eintreten, und dieser will ihn auch haben. Der 38-Jährige wohnt aber in Köln-Ehrenfeld, und normalerweise gilt die Regel, dass man dort eintritt, wo man wohnt. Von diesem Wohnortprinzip könne aber eine Ausnahme gemacht werden, teilte der Geschäftsführer der Kölner SPD, Frank Mederlet, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

„Die gewählten Mitglieder des Vorstands der KölnSPD werden über den Antrag auf Ausnahme vom Wohnortprinzip in der Sitzung am 26. September befinden“, kündigte Mederlet an. „In aller Regel wird dem Begehren gefolgt.“ Man werde „vermutlich beschließen“, Böhmermann in Köthen eintreten zu lassen.

Böhmermann habe am Sonntag in einer E-Mail eine Ausnahme vom Wohnortprinzip beantragt, erläuterte Mederlet. Diese Mail sei am Montag „ordnungsgemäß den Statuten entsprechend beantwortet“ worden. Mederlet teilte dem Fernsehmoderator unter anderem mit: „Wir bedanken uns für Ihre freundliche Zuschrift und Ihr Interesse, Mitglied der Sozialdemokratischen Partei werden zu wollen.“

Noch am Montag trug Böhmermann Trauer

Jan Böhmerman veröffentliche am Montagnachmittag ein Youtube-Video, bei dem er seine Niederlage um den SPD-Vorsitz unumwunden einräumte. "Da gibt es nicht zu beschönigen, der gestrige Tag war ein schwarzer Tag für die deutsche Sozialdemokratie und mich persönlich."

Er habe herausfinden wollen, ob es ein Nicht-SPD-Mitglied ohne Programm, ohne Netzwerk, ohne Mit-Kandidatin schafft, die Voraussetzungen für eine Kandidatur zu erfüllen. Es habe knapp nicht gereicht, sagte Böhmermann, ohne wie üblich die Augenbrauen in ironische Höhen zu ziehen. Böhmermann saß im weißen Hemd vor einer blassroten Wand. Er sah aus und wirkte wie ein niedergeschlagener Ex-SPD-Parteivorsitzender.

Der 38-jährige Fernsehmoderator verglich die Sozialdemokratie mit einem deutschen Amazonas-Gebiet. "Mein neo-koloniales Vorpreschen zur Rettung der SPD mag die stolzen SPD-Ureinwohner verschreckt haben, aber die deutsche Sozialdemokratie darf nicht länger die Hilfe von außen verweigern", sagte der Satiriker. "Wir müssen die rote Lunge Deutschlands retten – ob sie will oder nicht." Kann auch so vor sich gehen: "Wo ein Wille, da ein Rechtsanwalt."

Ganz Politiker, pries er sein Team von #neustart19 und die vielen, vielen Menschen, die ihn auf seinem Weg zum SPD-Vorsitz unterstützen. "Vor dem Aufbruch kommt das Aufbrechen", gab er der SPD auf welchen Weg auch immer.

Böhmermann will weiter SPD-Chef werden

Böhmermann kündigte an, seinen offiziellen Antrag auf eine Mitgliedschaft in der SPD nicht zurückzuziehen. Er wolle vor dem 16. September offizielles SPD-Mitglied in Köthen, beim Ortsverband Anhalt-Bitterfeld, werden. Zudem rechne er damit, dass spätestens im Frühjahr 2020 eine neue SPD-Doppelspitze gesucht und gebraucht werde. Dann seien sein Team und er "noch besser vorbereitet – dann wird es klappen." In der nächsten Folge "Neo Magazin Royale" werde er seine gescheiterte Bewerbung noch einmal fürs Publikum analysieren.

Der Fernsehmoderator hatte am vergangenen Donnerstag in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" (ZDFneo) kurzfristig verkündet, dass er Bundesvorsitzender der SPD werden wolle. Danach begann er seine Kampagne #neustart19. Während viele seine Bewerbung mit Humor nahmen, zweifelten manche an der Ernsthaftigkeit der Aktion. 

SPD-Generalsekretär Klingbeil freut sich auf Mitglied Böhmermann

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Dienstag): „Ich freue mich, dass Jan Böhmermann weiterhin Mitglied der SPD werden will.“ Er schätze ihn und seine Arbeit. „Und ich lade ihn dann auch herzlich ein, sich konkret einzubringen, zum Beispiel beim gemeinsamen Wahlkampf in Thüringen.“

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