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Endlich verbeamtet: 220 Lehrkräfte haben am Donnerstag in Berlin ihre Urkunden erhalten. Foto: dpa/Fabian Sommer
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Festakt in Kreuzberg Erstmals seit 2004 wieder Lehrkräfte in Berlin verbeamtet

Daniel Böldt

Fast zwei Jahrzehnte lang sind Lehrer in Berlin nicht verbeamtet worden. Das ändert sich jetzt. Doch zufrieden sind damit nicht alle.

So richtig glauben kann Laura Krüger es noch nicht. Aber dort steht es, schwarz auf weiß: „Im Namen des Senats von Berlin ernenne ich unter Berufung in das Beamtenverhältnis auf Probe – Laura Kröger (…), Astrid-Sabine Busse“.

Die Urkunde, unterschrieben von der sozialdemokratischen Bildungssenatorin, liegt in einer Mappe mit rot-weißer Kordel vor ihr auf einem Stehtisch. „Ich bin einfach froh“, sagt sie.

Tatsächlich ist die Urkunde ein historisches Dokument. Krüger, 25 Jahre alt, ist eine der ersten Lehrerinnen und Lehrer, die seit dem Jahr 2004 wieder in Berlin verbeamtet werden. Mit ihr erhielten am Donnerstag rund 220 weitere Lehrkräfte in der Veranstaltungshalle „Station 5“ in Kreuzberg ihre Verbeamtungsurkunde und schworen ihren Amtseid.

Welche Zäsur dieser Moment für das Land Berlin ist, wurde auch am Ausmaß der Veranstaltung deutlich. Die Bildungsverwaltung hatte zu einem „Festakt“ mit Musik, Tanz und Artistik geladen, den sich auch die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) nicht entgehen lassen wollte. Die meisten Neu-Beamten kamen festlich gekleidet. Sekt wurde gereicht. An 13 Tischen (einen für jeden Bezirk plus einen für Berufsschulen) nahmen die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer ihre Urkunden entgegen und wurden damit offiziell zu Beamten ernannt.

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„Das hat mir die Entscheidung leichter gemacht, hierzubleiben“, sagt Vincent Eichstädt kurz nach seiner Ernennung. Er wird im neuen Schuljahr an einer Förderschule eine dritte Klasse übernehmen. „Ich wohne in Reinickendorf, da habe ich schon mit dem Gedanken gespielt, mich in Brandenburg verbeamten zu lassen und in Berlin wohnen zu bleiben.“ Für Eichstädt ist es die späte Korrektur eines Fehlers, der Berlin viele Lehrerkräfte gekostet habe.

Rot-rote Koalition schaffte Verbeamtung in Berlin ab

Für lange Zeit war Berlin das einzige Bundesland in Deutschland, das keine Lehrkräfte mehr verbeamtete. Die Verbeamtungen wurden auf Drängen des damaligen Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit von der rot-roten Koalition abgeschafft. Wie viele Lehrkräfte Berlin dadurch abhandenkamen, lässt sich nur erahnen. Klar ist, dass seit Jahren Tausende ausgebildete Lehrkräfte fehlen. Um die Schulen vor dem Kollaps zu bewahren, wurden zahlreiche Quereinsteiger ohne pädagogische Ausbildung angeworben. Dennoch werden im kommenden Schuljahr rund 1000 Lehrstellen unbesetzt bleiben, schätzt Bildungssenatorin Busse.

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„Das ist ein ganz besonderer Tag für Sie“, sagte Franziska Giffey bei einer Ansprache an die Lehrerinnen und Lehrer, „aber auch für die Landesregierung.“ Sie erinnere sich noch gut, wie sie als Bezirksbürgermeisterin viele Referendare nach Brandenburg verabschiedet habe. Mit der Verbeamtung trage das Land „ein Stück dazu bei, dass der Lehrkräftemangel geringer wird.“ Bildungssenatorin Busse, 1984 selbst als Lehrerin verbeamtet, betonte, dass nun endlich wieder Augenhöhe zwischen den Bundesländern auf dem Arbeitsmarkt herrsche. Den Berliner Sonderweg habe das Land „schmerzhaft zu spüren“ bekommen.

Die rot-rot-grüne Koalition hatte beschlossen, nach vielen Jahren Pause wieder in die Verbeamtung einzusteigen. Foto: dpa/Fabian Sommer Vergrößern
Die rot-rot-grüne Koalition hatte beschlossen, nach vielen Jahren Pause wieder in die Verbeamtung einzusteigen. © dpa/Fabian Sommer

Zufrieden mit dieser Entscheidung sind längst nicht alle. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die vor dem Veranstaltungsort in Kreuzberg eifrig für ihre Organisation warb (in die die neuen Beamten zwar eintreten, allerdings nicht streiken dürfen), hält noch viele Fragen für offen. „Nach wie vor gibt es keine Klarheit darüber, nach welchen Kriterien die Verbeamtung der circa 20.000 angestellten Lehrkräfte erfolgen soll“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Udo Mertens.

Vincent Eichstädt wollte sich von all dem die Laune nicht verderben lassen. Um 15.26 Uhr erhob er sich von seinem Sitz, hob die rechte Hand und sprach gemeinsam mit den Lehrkräften: „Ich schwöre, dass ich mein Amt getreu dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung von Berlin in Übereinstimmung mit den Gesetzen zum Wohle der Allgemeinheit ausüben und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen werde.“ Damit hat Berlin seit Donnerstag rund 220 Lehrkräfte mehr, die dem Land wohl nicht so schnell den Rücken kehren werden.

Transparenzhinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass verbeamtete Lehrinnen und Lehrer nicht in die GEW eintreten können. Das ist falsch. Beamte haben wie alle anderen Bürger das Recht, in Gewerkschaften einzutreten.

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