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Mit Masken und halbierten Klassen soll es am Montag wieder losgehen - aber nicht für alle. Foto: imago images/Mattias Christ
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Berliner Senat entscheidet am Donnerstag Gymnasien protestieren gegen Schulöffnung

Das Ferienende ist in Sicht, aber was kommt dann? Aus den Schulleiterverbänden kommen unterschiedliche Signale, aber die Sorge überwiegt.

Bevor der Senat an diesem Donnerstag über den Schulbetrieb nach den Osterferien entscheidet, gibt es ein diffuses Meinungsbild an den Schulen. Während die Gymnasialleiter gegen eine Teilöffnung im Wechselbetrieb votierten, forderte die Vereinigung der Sekundarschulleiter, die Schüler:innen zumindest teilweise zurückzuholen. In der Koalition gab es dem Vernehmen nach bis Redaktionsschluss ebenfalls noch keine gemeinsame Linie.

Bislang gilt der drei Wochen alte Senatsbeschluss, nach den Osterferien mit dem Wechselunterricht zu starten. Der damalige Beschluss beruhte allerdings auf sinkenden Inzidenzen. Angesichts längst wieder steigender Infektionszahlen und des Astrazeneca-Impfstopps für unter 60-Jährige sowie das Lehrpersonal hat sich die Lage allerdings geändert.

Der Regierende Bürgermeister deutete bereits in der Vorwoche an, dass die Öffnung kein Selbstläufer werde. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) will die Schulleiterverbände dem Vernehmen nach nicht mehr vor der Senatssentscheidung konsultieren. Vielmehr sollen sie am Donnerstag erst im Nachhinein über die Entscheidung informiert werden.

Darauf wollten die sechs öffentlichen Neuköllner Gymnasien nicht warten: Sie protestierten am Dienstag vorsorglich gegen einen Beginn des Wechselunterrichts und möchten mit dem „schulisch angeleiteten Lernen zu Hause“ (saLzH) weitermachen. Es solle Präsenzangebote nur zur Abiturvorbereitung und für Schüler in prekären Lagen geben, heißt es sinngemäß in einem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt.

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Ähnlich äußerte sich Ralf Treptow, der Vorsitzende des Verband der Oberstudiendirektoren (VOB). Er wies darauf hin, dass die Selbsttests für die Schüler:innen vielerorts erst während der Ferien geliefert wurden und daher noch nicht bei den Schüler:innen angekommen seien.

Diese Argumente nennen die Neuköllner Schulleiter

  • Die Inzidenz der Covid-19-Infizierten steigt in Berlin, aber besonders im Bezirk Neukölln weiter an. Hierbei ist insbesondere auch die Altersgruppe betroffen, die unsere Gymnasien besucht.
  • Der Senatsverwaltung für Bildung ist es bisher nicht gelungen, die beiden zentralen Säulen der Pandemiebekämpfung - Impfen und Testen - an den Gymnasien zu etablieren.
  • Die Ungleichbehandlung von Grund- und Oberschullehrer:innen bei gleichem Risiko ist den KollegInnen nicht vermittelbar.
  • Die Testungen der Kolleg:innen sind ab Montag nicht mehr möglich, da die schulinternen Testteams diese Aufgabe nicht mehr übernehmen werden, da sie nicht geimpft sind und der Schnelltest der Firma Nal von Minden nicht als Selbsttest zugelassen ist.
  • Die Honorarverträge für die Medizinstudierenden, die die Tests an einem Gymnasium durchführen, sind bisher nicht verlängert worden.
  • Die Gymnasien im Bezirk Neukölln haben alle Testkonzepte für Schüler:innen entwickelt, Schüler:innen geschult und Tests ausgeteilt. Da die Senatsverwaltung die Tests jedoch weiterhin als freiwillig deklariert, ist die Quote schulbezogen sehr unterschiedlich und liegt teilweise lediglich bei ca. 50%.
  • Bei einer Wiederaufnahme des Präsenzbetriebes für alle Klassenstufen ist die Durchführung des Abiturs akut gefährdet.
  • Neue Fälle von Quarantäne würden dazu führen, dass zahlreiche Schüler:innen ihre Prüfungen nicht schreiben können und möglicherweise ganze Lehrer:innenzimmer in Quarantäne müssten und daher Prüfungen nicht durchführen könnten.
  • Die Rücknahme der zeitnahen Impfeinladung macht es den Kolleg:innen, die in den hybriden Szenarien alle in Präsenz auch in den engen Lehrerzimmern anwesend sind und Lerngruppen mit bis zu 16 Personen unterrichten, quasi unmöglich, ohne erhöhte Ansteckungsgefahren ihren Dienst zu versehen.

"Es muss verlässliche Präsenzzeiten geben“

Hingegen mahnte Sven Zimmerschied von der Sekundarschulleitervereinigung, dass man – insbesondere den Siebt- bis Neuntklässlern – Präsenzangebote machen müsse. „Das mit dem saLzH geht schon zu lange“, sagte Zimmerschied. Es müsse verlässliche Präsenzzeiten in den Schulen geben, wenn auch vielleicht weniger als im Wechselunterricht.

Astrid-Sabine Busse, Vorsitzende der Interessenvertretung Berliner Schulleitungen, empfahl am Dienstag, nach den Ferien „noch eine Woche zu warten“, bevor die Schulen wieder aufmachen. Die Lage sei noch zu unklar.

Ganz klar gegen eine rasche Schulöffnung stellt sich auch Florian Bublys von der Lehrer:inneninitiative "Bildet Berlin": "Wir halten das für unverantwortlich", sagte der Gymnasiallehrer. Die Lehrkräfte müssten "in ständiger Angst" sein.

Bublys ist nach wie vor fassungslos über das Impf-Aus für das Personal der Oberschulen: Er selbst stand bereits vor dem Impfzentrum, als der Stopp für Astrazeneca verkündet wurde.

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