Zelle in der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt der Stasi in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) Foto: dpa/Jens Büttner
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Berlin Steglitz-Zehlendorf Bezirk würdigt berüchtigte SED-Ministerin als "starke Frau"

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In einer Broschüre des Bezirks Steglitz-Zehlendorf wird die DDR-Richterin und -Ministerin Hilde Benjamin als "starke Frau" geehrt. Der Bezirk spricht von einem "eklatanten Fehler".

Hilde Benjamin war Richterin unter dem SED-Regime und DDR-Justizministerin. Sie verantwortete Schauprozesse, verhängte Zuchthausstrafen von insgesamt 550 Jahren, verurteilte 15 Menschen zu lebenslanger Haft und zwei zum Tode. Trotzdem taucht die berüchtigte Juristin, die als „blutige Hilde“ in die Geschichte einging, jetzt in der Broschüre „Starke Frauen in Steglitz-Zehlendorf 1945- 1990“ auf.

Im Vorwort des Heftes, in dem Biographien von 23 Frauen aus dem Südwesten vorgestellt werden, schreibt Vize-Bürgermeister Michael Karnetzki (SPD): „Die hier vorgestellten Frauen aus unserem Bezirk haben gelernt, sich durchzusetzen.“ Und weiter: „Ein sehr gelungenes Werk.“ Herausgeber des Hefts ist der Verein „Young People for International Cooperation“, auf dem Titel prangt allerdings das Bezirkswappen. Finanziert wurde es über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme vom Jobcenter Steglitz-Zehlendorf, Unterstützung kam von der bezirklichen Frauenbeauftragten. Für eine Stellungnahme war der Verein bis Redaktionsschluss nicht erreichbar. Der Vize-Bürgermeister ist auf Dienstreise.

„Ignoranz und Ahnungslosigkeit im Amt“

In Vertretung von Karnetzki räumte Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD) in der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung am Mittwochabend ein, dass das Bezirksamt einen „eklatanten Fehler“ gemacht habe, den Inhalt der Broschüre nicht genauer überprüft zu haben. Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) hat derweil den Herausgeber aufgefordert, alle einhundert gedruckten Exemplare des Heftes an das Bezirksamt zu übersenden. Eine werbende Pressemitteilung und die PDF-Datei des Heftes sind seit Freitagmorgen nicht mehr auf der Internetseite des Bezirks einsehbar. Der Bezirksverordnete Clemens Escher (CDU) sprach von „Ignoranz und Ahnungslosigkeit im Amt“. Die CDU kündigte "nach jetzigen Stand" einen Missbilligungsantrag gegen den SPD-Stadtrat an.

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