Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Die Britzer Mühle nach der Sanierung, mit neuer Kappe, Flügeln und neuen Kacheln.  Foto: Manuel Frauendorf/Grün Berlin
© Manuel Frauendorf/Grün Berlin

150 Jahre altes Baudenkmal in Süd-Berlin Britzer Mühle öffnet nach der Sanierung wieder

Drei Monate lang wurde die historische Mühle saniert. Dass sie noch in Betrieb ist, ist einem Verein zu verdanken. 

Seit Anfang Juli wurde die Britzer Mühle, die älteste funktionsfähige Mühle Berlins, saniert und bekam unter anderem neue Flügel. Diesen Sonnabend wird sie wieder eröffnet – und mahlt dann, sofern der Wind stimmt, auch bald wieder Mehl. Die rund 150 Jahre alte Mühle befindet sich auf einer Streuobstwiese am Rande des Britzer Gartens im Neuköllner Ortsteil Britz.

Betrieben wird sie von Ehrenamtlichen wie Simone Langenheder, die eines von vier Vorstandsmitgliedern im Mühlenverein Britzer Müllerei ist. Langenheder hatte 2016 die zweijährige Ausbildung zur Hobbymüllerin an der Mühle begonnen. Aufmerksam geworden war sie über einen Freund, der sie zum Tag der offenen Tür eingeladen hatte.

„Es gibt bei den Müllern und Müllerinnen den Spruch, dass man gegen den Flügel gelaufen ist, wenn man in Leidenschaft entbrennt zu den Mühlen“, erzählt Langenheder am Telefon und lacht. 

„Das war bei mir eindeutig der Fall.“ Sie sei auch sonst fasziniert von Mechanik, schraube an Motorrädern oder ihrem Fahrrad herum. Zudem liebe sie es, mit Holz zu arbeiten. „Dementsprechend war ich da sehr in meinem Element.“

Die Ausbildung zum oder zur Hobbymüller:in startet alle zwei Jahre mit einem neuen Jahrgang, in der Regel bleiben vier bis sechs Leute bis zum Ende dabei. Der Aufwand sei durchaus nicht zu unterschätzen, erzählt Langenheder: Es gebe zweiwöchentliche Theorie- und Praxiseinheiten.

Viel Holz und Mechanik: Die ehrenamtlichen Müller:innen kümmern sich um die Wartung.  Foto: Manuel Frauendorf/Grün Berlin Vergrößern
Viel Holz und Mechanik: Die ehrenamtlichen Müller:innen kümmern sich um die Wartung.  © Manuel Frauendorf/Grün Berlin

Hauptsächlich fokussiert sich die Ausbildung auf die Wartung der historischen Mühle. „Die Mühle ist ja ein Denkmal und wir haben das große Glück im Vergleich zu anderen, dass sie durch den Ausbildungsbetrieb regelmäßig gewartet wird“, sagt Langenheder. 

Die übrigen rund 50 Vereinsmitglieder engagieren sich, je nach verfügbarer Zeit, etwa beim Brotverkauf jeden Freitag und Sonnabend oder mahlen bei guten Windbedingungen Mehl.

Der Müllereiverein veranstaltet Führungen und, wenn nicht gerade Pandemie ist, Hochzeiten („Vermehlungen“) und Feste in der Mühle. „Oder wir denken uns etwas Anderes aus, um der Bevölkerung die Mühle näher zu bringen“, sagt Simone Langenheder. Für sie ist die Mühle „wirklich etwas ganz Außergewöhnliches, ein wirkliches Kleinod in Berlin“. 

Besucher:innen seien stets begeistert, denn Vergleichbares gibt es in Berlin eigentlich nicht. „Die Mühle ist ja auch einfach ein offener Anlaufpunkt, wo man mit Jung und Alt vorbeikommen kann.“

[Dieser Text stammt aus dem Neukölln-Newsletter vom Tagesspiegel. Den kompletten Newsletter gibt es kostenlos unter leute.tagesspiegel.de]

Jetzt kostenlos bestellen

Die Mühle wurde 1865 im damals modernen Baustil als sogenannte Holländermühle errichtet. Das bedeutet, dass ihre obere Kappe sich mit Hilfe einer Windrose selbstständig im Wind drehen kann. In den vergangenen Monaten wurden neben den Flügeln auch die Holzschindeln an der Außenseite erneuert. 

Am Sonnabend, 16. Oktober, wird die die Mühle feierlich wiedereröffnet: Von elf bis 16 Uhr gibt es Führungen, Kuchen, Schmalzstullen und Kaffee. Es gilt die 3-G-Regelung. Anschließend finden wieder reguläre Führungen an Sonn- und Feiertagen statt. Infos rund um die Mühle und den Verein finden Sie unter britzer-muellerei.de.

Zur Startseite