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Ein Mann sitzt an seinem Computer vor einer laufenden Videokonferenz. Foto: Catherine Waibel/dpa-tmn/dpa
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Zurück zur Präsenz an der Uni Aus für quälende Onlinekonferenzen?

Freude über Präsenz-Sitzungen versus technischer Fortschritt: Die Humboldt-Uni diskutiert über die Zukunft von Gremiensitzungen - während und nach der Pandemie.

Kaum hat die Humboldt-Universität ihr Sommersemester nach zwei digitalen Jahren erstmals wieder fast komplett in Präsenz eröffnet, wird mit der Anwesenheit gehadert. Das gilt zumindest für den Akademischen Senat, das zentrale Mitbestimmungsgremium der Universität.

Endlich wieder in Präsenz zu tagen habe doch „eine ganz andere Qualität“, begrüßt und wirbt Ludwig Kronthaler, Vizepräsident für Haushalt, die AS-Mitglieder am Dienstag. Woraufhin eine Diskussion beginnt, die ähnlich an anderen Unis bundesweit geführt werden dürfte.

Bei weitem nicht bei allen im HU-Gremium verfängt die Aussicht, einmal im Monat persönlich im Senatssaal zu erscheinen. Letztlich mache es keinen Unterschied, ob man sich in einer Videokonferenz oder in Präsenz treffe, sagt Florian Steinborn aus der Gruppe der Mitarbeiter für Technik, Service und Verwaltung.

Er ist dafür, die virtuellen Treffen beizubehalten – „nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch wegen der digitalen Weiterentwicklung“. Unterstützt wird er von seinem Gruppenkollegen Thomas Morgenstern, der außerdem zu bedenken gibt, dass digitale Sitzungen für Menschen mit gesundheitlichen Problemen – coronabedingt oder nicht – barrierefrei sind.

Keine Lust auf einen "technischen Arbeitskreis"

„Post-Pandemie weiter digital – nein!“, sagt dagegen Juraprofessor Martin Heger. „Für mich wäre das ein technischer Arbeitskreis.“ Präsenz bedeute Austausch und da sei schon jetzt nach kurzer Sitzungszeit klar: „Das ist sehr angenehm.“ Tatsächlich ist der Senatssaal gut gefüllt, offenbar hatte kaum jemand Bedenken, sich zu treffen.

Passanten vor dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität. Foto: imago images/Joko Vergrößern
Wieder was los auf dem Campus, nicht nur an der Humboldt-Universität. Die Diskussionen über digitale Formate bleiben nicht aus. © imago images/Joko

„Mit Maske ist das Risiko überschaubar“, konstatiert Heger. Ihm stimmt Wirtschaftswissenschafler Daniel Klapper zu, informelle Gespräche in der Pause seien einfach unerlässlich, um sich abzustimmen.

Vehementer wird Georg Essen, Professor am Zentralinstitut für Katholische Theologie. Nach der Pandemie müsse insgesamt Schluss sein mit den „unendlich quälenden Videokonferenzen“. Die sozialen und psychischen Folgen der beschränkten Kommunikation seien viel zu spät bemerkt worden und die HU müsse verhindern, dass ihre Kommunikation „unter die Räder kommt“.

Anglistik-Professorin Helga Schwalm irritiert etwas ganz anderes: Dass einige Kollegen im Akademischen Senat ihre FFP2-Masken auch für kleinste Redebeiträge herunterrissen, obwohl 1,5 Meter Mindestabstand zwischen den Mitgliedern nicht eingehalten werden können. Wenn schon Präsenz, sollte das Maskentragen eine Bedingung dafür sein.

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Viele, darunter auch Studierendenvertreter, plädierten für hybride Sitzungen, bei denen in Präsenz getagt wird, Teilnehmende sich aber von außen zuschalten können. Nicht nur in Gremien, sondern auch bei auswärtigen Bewerbungen und in Berufungsverhandlungen sei das „der Weg der Zukunft“. Zumal, so Geograph Elmar Kulke, auf diese Weise „viele unnötige Reisen vermieden werden könnten“.

Hybride Veranstaltungen hatten sich im Wintersemester viele Studierende gewünscht. Das bereitet aber vielerorts immer noch Schwierigkeiten – auch an der HU. Im Senatssaal müsse die Installation der nötigen Technik mit dem Denkmalschutz abgestimmt werden und außerdem gebe es Lieferengpässe, erklärte Haushalts-Vize Kronthaler.

Über die Grundsatzfrage, ob Präsenz überhaupt noch wünschenswert und zeitgemäß ist, soll in der kommenden AS-Sitzung abgestimmt werden.

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