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New Yorker spazieren mit Mund-Nasen-Schutz am Ufer des East River in Brooklyn (Symbolbild). Foto: AFP/Getty Images/Spencer Platt
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Update „Wer infiziert werden könnte, wird auch infiziert" Forscher sehen Omikron-Höhepunkt in den USA und Großbritannien erreicht

US-Experten prognostizieren den Höhepunkt der Corona-Fallzahlen für Mitte Januar. In Großbritannien werden bereits weniger Fälle gemeldet.

Wissenschaftler in den USA sehen im Kampf gegen die hochansteckende Corona-Mutante Omikron eine Wendung. "Sie [die Mutante] wird so schnell zurückgehen wie sie hochgeschossen ist", prognostiziert Ali Mokdad, Experte für öffentliche Gesundheit und Professor an der University of Washington in Seattle, gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Die Modelle der Universität sagen demnach einen Höhepunkt der Infektionszahlen in den USA bis zum 19. Januar voraus – mit durchschnittlich 1,2 Millionen Fällen am Tag. Danach würden die Zahlen spürbar sinken, "einfach deshalb, weil jeder, der infiziert werden könnte, auch infiziert wird", sagt Mokdad.

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Zusammen mit den Nachmeldungen vom Wochenende zählten die US-Gesundheitsbehörden bereits vergangenen Montag mehr 1,4 Millionen neue Corona-Fälle, berichtet die New York Times. Die täglichen Neuinfektionen, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle steigen weiter. Ein Wendepunkt in der Corona-Pandemie, wie ihn Ali Mokdad ankündigt, scheint derzeit noch unvorstellbar.

US-Modelliererin: Es werden sich noch viele Menschen anstecken

Anders als in den USA scheint Großbritannien bereits eine Wende in der Corona-Pandemie zu vollziehen. Bis zum Jahreswechsel meldete die Regierung steigende Zahlen – mit teilweise mehr als 200.000 Corona-Fällen täglich. Seit dem ersten Januar sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz wieder. Vergangenen Freitag wurden nur noch 104.000 Corona-Fälle gezählt. Die Hospitalisierungsrate geht leicht zurück.

Trotz der positiven Prognosen geben die Experten zu bedenken, dass die Pandemie unberechenbar sei und keine langfristigen Aussagen getroffen werden könnten. Lauren Ancel Meyers, Covid-19-Modelliererin an der University of Texas in Austin, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass sich weiterhin sehr viele Menschen mit dem Coronavirus anstecken würden. Trotzdem rechne auch sie mit einem Höhepunkt der Corona-Infektionszahlen in den USA – und das bereits in dieser Woche.

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Ähnlich äußert sich Jake Lemieux, Spezialist für Infektionskrankheiten am Massachusetts General Hospital und Dozent für Medizin an der Harvard Medical School "Ich denke, es wird ein schwieriger Winter, aber der Höhepunkt [der Omikron-Welle] scheint in den kommenden Wochen zu liegen", sagte er der "Harvard Gazette".

"In Südafrika dauerte die Omikron-Welle einige Wochen an", so Lemieux weiter. "Ich könnte mir vorstellen, dass diese Welle in den USA ähnlich lange, vielleicht sogar noch etwas länger, andauern wird."

Der Rückzug der Omikron-Variante könnte eine neue Phase in der Corona-Pandemie bedeuten. Er zeigt sich teilweise auch auf lokaler Ebene. So sieht Joseph Allen, Professor an der Harvard School of Public Health, den Höhepunkt der Corona-Fälle in Boston erreicht.

US-Städte melden Rückgang von Corona-Fällen

Am Samstag prognostizierte Allen einen "starken Rückgang" der Virenbelastung im Abwasser – eine übliche Weise, die Verbreitung von Corona in Städten zu untersuchen. Drei Tage später teilte er erneut eine Grafik der Virenbelastung im Abwasser der US-Ostküstenstadt: "Es läuft wie erwartet."

"Das Abwasser deutet auf einen steilen Rückgang hin" sagt auch Dr. Shira Doron, Epidemiologin am Bostoner Tufts Medical Center, im Interview mit GBH News. "Wir hoffen, dass das bedeutet, dass auch die Krankenhauseinweisungen und Todesfälle zurückgehen werden."

Ein weiterer Indikator der Theorie der beiden Experten sind die offiziellen Corona-Zahlen der Stadt Boston. Seit Anfang Januar sinken diese täglich. "Hoffentlich bringt dies Erleichterung für das Gesundheitssystem und die Beschäftigten im Gesundheitswesen in der Region Boston", so Havard-Professor Joseph Allen weiter. Doch noch steigen die Krankenhauseinweisungen in der Stadt.

New York City scheint den angekündigten Höhepunkt der Pandemie schon überwunden zu haben. Die Stadtverwaltung meldet seit Beginn des Jahres sinkende Corona-Fallzahlen. 32.000 Fälle gab es vergangene Woche im Schnitt täglich. Eine Woche zuvor waren es noch fast 10.000 Fälle mehr. Auch die Krankenhauseinweisungen nehmen ab. Die Stadt warnt aber, Fälle könnten noch nachgemeldet werden.

Ein ähnliches Bild zeichnet Chicago: In der Windy City sinken die Corona-Zahlen seit dem Jahreswechsel. Im Vergleich zur Vorwoche sind die durchschnittlichen täglichen Corona-Neuinfektionen um elf Prozent gesunken. Die Krankenhauseinweisungen steigen noch, aber nicht mehr so stark wie in den letzten Tagen des Jahres 2021.

US-Forscher: Omikron-Welle noch nicht in allen Staaten angekommen

Einen deutlichen Rückgang an hospitalisierten Corona-Patienten hingegen meldet die US-Hauptstadt. Nur 3,9 Prozent der Infizierten liegen in Washington DC in einem Krankenhaus. Das sind aufgrund der hohen Zahlen an Corona-Fällen immer noch eine große Menge an Krankenhauseinweisungen. Doch auch die Zahl der Corona-Fälle in der US-Hauptstadt sind seit Jahresbeginn stark zurückgegangen.

Noch im Sommer 2021 lagen knapp 20 Prozent der Corona-Infizierten in Washington DC im Krankenhaus – mitten in der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 mehr als 30 Prozent.

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Die Höhepunkte der Omikron-Wellen "hängen vom jeweiligen Staat ab", erläuterte Christopher Murray, Direktor des Instituts für Gesundheitsmetrik und -bewertung an der University of Washington, dem US-Magazin "Fast Company". "Einige Staaten haben noch nicht begonnen – in Montana steht der Beginn der Omikron-Welle noch bevor. Aber wir erwarten die Spitzenwerte irgendwann zwischen Mitte Januar und Mitte Februar."

Britischer Minister sieht "bessere Zeiten" kommen

Wendet man die US-Prognosen auf Großbritannien an, könnte das bedeuten, dass auch im Inselstaat der Höhepunkt der Omikron-Fälle dauerhaft überschritten wurde. Zum Jahreswechsel stieg die Gesamtzahl der bestätigten Infektionen mit der Mutante auf 246.780. Kliniken meldeten massive Personalausfälle durch Quarantäne.

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"Wir sehen einen deutlichen Rückgang der Fälle in Großbritannien, aber ich würde gerne sehen, dass sie noch viel weiter zurückgehen, bevor wir wissen, ob das, was in Südafrika passiert ist, auch hier passieren wird", sagte Dr. Paul Hunter, Professor für Medizin an der britischen University of East Anglia, gegenüber der Nachrichtenagentur AP.

Großbritanniens Wohnungsbauminister Michael Gove sagte dem TV-Sender "Sky News": "Wir bewegen uns auf eine Situation zu, in der wir sagen können, dass wir mit Covid leben können." Der Tory-Politiker sieht "bessere Zeiten" kommen.

Corona-Inzidenz in London seit Dezember auf dem Rückzug

Dr. David Heymann, der frühere Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten der Weltgesundheitsorganisation, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AP, dass Großbritannien "so nah wie kein anderes Land am Ende der Pandemie" sei. Auch er sehe, dass sich Covid-19 langsam, aber sicher zu einer endemischen Krankheit entwickele.

London scheint der Entwicklung im Land schon einige Zeit voraus zu sein. Die Daten der Regierung zeigen in der britischen Hauptstadt einen Rückgang der neugemeldeten Corona-Fälle – bereits seit dem 22. Dezember. Die Sieben-Tage-Inzidenz fiel in der Folge von 24.000 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner auf unter 20.000 am vierten Januar.

"Wir erwarten, dass die Fallzahlen [in Großbritannien] in der nächsten Woche zurückgehen, in London vielleicht schon jetzt", sagte britische Epidemiologe Neil Ferguson in einem BBC-Interview Anfang Januar. Weitere Regionen könnten in bis zu drei Wochen folgen. "Eine Epidemie, die so hohe Zahlen erreicht, kann diese Zahlen nicht ewig aufrechterhalten."

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Omikron-Fälle in Deutschland mit verspäteter Meldung

Wann der Höhepunkt der Ansteckungen mit Omikron in Deutschland erreicht sein wird, lässt sich unterdessen noch nicht sagen. Die Corona-Neuinfektionen in der Bundesrepublik erzielen neue Höchststände. Das Robert Koch-Institut gibt die Gesamtzahl der Fälle mit der Mutante für die erste Woche des Jahres mit 62.893 an – ein Anstieg von über 20.000 Fällen zur Vorwoche.

Zwischen der Erstmeldung eines Corona-Falls und seiner Spezifizierung als Omikron-Variante können laut RKI mehrere Tage oder Wochen liegen. US-Virologe Anthony Fauci warnte am Dienstag noch: "Mit der außergewöhnlichen und beispiellosen Effektivität der Übertragung wird Omikron letztlich fast jeden finden." (mit AP)

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