Ein Blick in die Berliner St. Hedwigs-Kathrdrale. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Weitere Theologie an der Humboldt-Universität Katholisches Kernfach

Benjamin Lassiwe
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Die Pläne für den Einzug der katholischen Theologie an der Humboldt-Universität stehen. Für eine Priesterausbildung reicht die Zahl der Professuren aber nicht.

Von den Stufen der Hedwigs-Kathedrale blickt man in der Mitte Berlins auf einen katholischen Sehnsuchtsort: die Humboldt-Universität. Wer bei den Katholiken Priester werden will, muss bislang nach Frankfurt am Main oder Erfurt reisen. Dort bilden die Ost-Bistümer Görlitz, Dresden-Meißen, Erfurt und Magdeburg und eben auch Berlin schon seit langer Zeit ihre angehenden Priester aus. In der Hauptstadt gibt es heute nur das Seminar der besonders frommen Glaubensgemeinschaft des neokatechumenalen Wegs in Biesdorf – ein Nischenangebot.

Der 2015 aus Dresden nach Berlin gekommene Erzbischof Heiner Koch setzte sich von Anfang an dafür ein, an der Humboldt-Universität ein katholisches Theologiestudium anzubieten. Ein Institut wird nun gegründet, eine Priesterausbildung aber wird es nicht geben.

Abnickstimmung im Akademischen Senat der HU

In den im Herbst 2017 unterzeichneten Hochschulverträgen mit dem Land Berlin wurde die Ansiedlung von vier Professuren für katholische Theologie an der HU festgelegt. Zwei sollten mit dem derzeit noch an der Freien Universität befindlichen Institut nach Mitte verlagert werden, zwei weitere neu geschaffen werden. Dass das Projekt an der Universität mittlerweile unumstritten ist, gilt als Werk des Philosophen Dominik Perler, Leiter der Arbeitsgruppe für das Konzept des theologischen Instituts. So herrschte denn auch am Dienstag im Akademischen Senat (AS) eine Art Abnickstimmung, als Perler sein mit einer interdisziplinären Arbeitsgruppe ausgearbeitetes Konzept zur Einrichtung des Instituts zur Diskussion stellte.

Präsentiert hatte er es bereits in der AS-Sitzung am 24. April. Perlers Präsentation tauchte damals nicht in der Tagesordnung auf – ein Zeichen dafür, dass das Präsidium diese Institutsgründung möglichst geräuschlos über die Bühne bringen will.

Sechs Professuren - für die Priesterausbildung braucht es fast doppelt so viele

Im Vorfeld war durchaus gestritten worden, etwa über die Zahl der Professuren für katholische Theologie. Bis zu acht statt vier hatte die ehemalige Bundesforschungsministerin und frühere Honorarprofessorin der katholischen Theologie an der FU, Annette Schavan, vor einem Jahr gefordert. Wie aus Perlers Konzeptpapier hervorgeht, werden es nun immerhin sechs – zwei W3-Stellen in der höchsten Besoldungsstufe und drei W1-, also Juniorprofessuren, davon zwei mit Tenure Track, der Weiterbeschäftigung nach Ablauf der Befristung und einer positiven Evaluation. Hinzu kommt die an der HU seit 2005 bestehende Guardini-Stiftungsprofessur für Religionsphilosophie und Theologische Ideengeschichte.

Die fünf neuen Professuren seien auf das „Profil einer theologischen Anthropologie mit globalgeschichtlicher Perspektive“ ausgerichtet, heißt es. Im Einzelnen handelt es sich um Professuren für Biblische Theologie, Historische Theologie, Systematische Theologie, Praktische Theologie und Theologische Ethik.

Doch für eine vollwertige katholische Theologie auf Augenhöhe mit traditionellen Standorten wie in Mainz, Münster oder Regensburg reichen auch die sechs HU-Professuren nicht. Mit dieser Zahl darf das Institut keine katholischen Geistlichen ausbilden. Denn damit ein Studiengang der katholischen Theologie von der Kirche als vollwertig anerkannt wird, sind laut den vom Vatikan weltweit vorgegebenen Regeln mindestens zehn Professuren nötig.

Ein Bachelor auch in "Religion und Gesellschaft"

In Berlin angeboten werden folglich wie bisher an der FU Lehramtsstudiengänge – im Kombinationsbachelor mit Kernfach beziehungsweise Zweitfach katholische Theologie. Daran schließen sich entsprechende Masterstudiengänge an. Außerdem wird der Monobachelorstudiengang „Religion und Gesellschaft“ eingerichtet. „Es ist uns wichtig, dass es diesen modernen und weltoffenen Studiengang gibt“, sagte Perler am Rande der AS-Sitzung. Absolventen würden in den Medien, in Bildungsinstitutionen und in der Politikberatung gefragt sein.

Ein ähnliches Angebot besteht an der evangelisch-theologischen Fakultät der HU, der Master „Religion and Culture“. Mit diesem Studiengang soll die katholische Theologie eine Beteiligung vereinbaren. Kooperation wird ohnehin großgeschrieben bei der Institutsgründung, als Partnerinnen genannt werden auch die Klassische Philologie, Geschichtswissenschaft, Philosophie, Kulturwissenschaft und Rechtswissenschaft.

Eine Fakultät für das Zentralinstitut wird noch gesucht

Die von einzelnen evangelischen Theologen aufgebrachte, aber von anderen vehement bekämpfte Idee einer multireligiösen Fakultät mit Protestanten, Katholiken, Juden und Muslimen ist offenbar endgültig vom Tisch. Ebenso wie die islamische Theologie (siehe Artikel unten) wird die katholische als Zentralinstitut (ZI) gegründet. An welcher Fakultät sie dann jeweils angesiedelt werden, sei noch nicht entschieden, sagte Perler. Das hänge von der Ausrichtung der berufenen Professorinnen und Professoren ab.

Bevor die Professuren ausgeschrieben werden können, müssen der Akademische Senat und das Kuratorium der HU dem Einrichtungs-Konzept noch formell zustimmen. Die entscheidenden Sitzungen finden Mitte und Ende Juni statt. Dass beide Gremien grünes Licht geben, gilt als ebenso ausgemacht wie das Einverständnis des Erzbischofs, mit dem am 1. Juni ein abschließendes Gespräch ansteht.

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