Das RKI hat in einem Strategiepapier erklärt, wie es nach der Verfügbarkeit eines Corona-Impfstoffes weitergehen soll (Symbolbild). Foto: imago images/Panthermedia
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RKI veröffentlicht Strategiepapier Masken und Abstandhalten auch mit Corona-Impfstoff nötig

Das Robert-Koch-Institut dämpft die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität - und entwirft drei Szenarien für die weitere Pandemieentwicklung.

Wenn es einen Corona-Impfstoff gibt, sind die Hygieneregeln hinfällig, es kann wieder ausgelassen gefeiert werden und Schülerinnen und Schüler können ohne Bedenken den Unterricht besuchen? Ganz so einfach wird es nicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in einem am Dienstag veröffentlichten Strategiepapier die Hoffnungen gedämpft, dass es eine rasche Rückkehr zur Normalität nach der Verfügbarkeit eines Impfstoffes geben werde.

In der Veröffentlichung heißt es, dass das RKI trotz der Einführung eines oder mehrerer Impfstoffe damit rechne, dass dieser „nur in begrenzten Mengen verfügbar“ sein werde. Zu Beginn müssten deshalb Risikogruppen zuerst geimpft werden. Die restliche Bevölkerung soll im weiteren Verlauf folgen, heißt es weiter.

Die Impfung müsse aufgrund der „sicher limitierten Verfügbarkeit“ mit verantwortlichem Verhalten einhergehen. Das bedeutet dem RKI zufolge: die AHA+A+L-Regeln (Abstandhalten – Hygieneregeln beachten – Alltagsmasken tragen, Corona-Warn-App nutzen und Lüften) weiter beachten und Freizeitaktivitäten nach wie vor möglichst nach draußen verlegen.

Geschlossene Räume mit schlechter Belüftung und Gedränge mit vielen Menschen an einem Ort sollten vermieden werden. „Das Verhalten jedes Einzelnen zählt“, mahnt das RKI.

Darüber hinaus nennt das RKI in dem Strategiepapier drei Szenarien für die Pandemieentwicklung in den nächsten Monaten:

1. Einzelfälle, lokal und zeitlich begrenzte Ausbrüche mit vielen Neuinfektionen: Derartige Entwicklungen könnten jederzeit Kapazitäten binden und würden dem Risiko entsprechend ein lokales Vorgehen erfordern.

2. Ausbrüche in einzelnen Settings: Diese Ausbruchsentwicklungen, etwa durch Familienfeiern oder aber auch in Schulen oder Kitas, könnten im Herbst und Winter verstärkt auftreten. Dies sei auch durch verändertes Verhalten wie etwa längere Aufenthalte in geschlossenen Räumen bedingt.

3. Ausbrüche in mehreren Settings, regionale Ausbreitung, die nicht mehr auf einzelne Infektionsketten zurückgeführt werden können: In diesen Fällen sollten in den betroffenen Regionen Maßnahmen wiedereingeführt werden.

Das übergeordnete Ziel sei es, die „Ausbreitung sowie die gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie zu minimieren“ – „menschliches Leid und Todesfälle“ sollen vermieden werden. Zugleich soll das „gesamtgesellschaftliche und wirtschaftliche Leben (inklusive Bildungseinrichtungen) in Deutschland möglichst wenig beeinträchtigt“ werden. Die dafür ergriffenen Maßnahmen müssten „verhältnismäßig, zeitlich und örtlich begrenzt sowie praktisch umsetzbar sein“.

RKI will Schulen und Kitas weiter offen halten

Das bedeutet, dass das RKI sich dafür ausspricht, Schulen und Kitas offen zu halten, auch wenn Bildungseinrichtungen Orte seien, die „eine Rolle im Infektionsgeschehen“ haben. Denn Schulen und Kitas seien „entscheidend für die Entwicklung, Bildung und Sozialisierung von Kindern und Jugendlichen“ – und auch dafür, dass Eltern ihren beruflichen Tätigkeiten weiter nachgehen könnten.

Bei der Anwendung von Corona-Tests sei weiterhin eine zielgerichtete Strategie sinnvoll. Die Testung von Menschen mit Symptomen und der Schutz besonders gefährdeter Gruppen wie etwa ältere Menschen in Pflegeeinrichtungen habe „Priorität“.

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Weiter gibt die Behörde zu Bedenken, dass erhöhte Reisetätigkeit – ob beruflich oder privat – „erweitertes Risiko“ bedeute. Wobei das Risiko wesentlich von dem Verhalten des Einzelnen in einem Gebiet mit Virusübertragungen abhänge. Risikobehaftetes Verhalten müsse deshalb bekannt sein, so dass es vermieden werden könne.

Das RKI bezeichnet die Pandemiebekämpfung als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ – entscheidend sei, dass sich alle daran beteiligen würden. Die vergangenen Monate hätten eindeutig gezeigt, dass zum Beispiel die Isolation einzelner Menschen zu Hause oder im Pflegeheim nicht ausreiche, um besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen effektiv zu schützen.

Institut arbeitet an Impfstrategie

Derzeit werde dem RKI zufolge an einer Impfstrategie gearbeitet. Dabei sollen etwa Gruppen festgelegt werden, die zuerst gegen SARS-CoV-2 geimpft werden sollen – darunter fallen vorrangig alte und kranke Menschen sowie Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten. Darüber hinaus werde eine bundesweite Impfkampagne vorbereitet, um möglichst frühzeitig „Desinformation und Mythenbildung zu verhindern und eine informierte Impfentscheidung der Menschen zu ermöglichen“.

Trotz des einschränkenden Ausblicks gibt sich das RKI optimistisch: Ein oder mehrere Impfstoffe könnten 2021 zur Verfügung stehen – und die „Bekämpfung und den Verlauf der Pandemie entscheidend verbessern“. (mit AFP)

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