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Eine Gruppenaufnahme von Berliner Wissenschaftspolitikern mit den Chefs der Berliner Unis. Foto: TU Berlin/PR/Felix Noak
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Position zur Berlin University Alliance Warum der Uni-Verbund nur mit der Einstein-Stiftung funktioniert

Jürgen Zöllner

Welche Rolle soll die Einstein-Stiftung im Exzellenzverbund der drei Berliner Universitäten spielen? Ein Vorschlag des früheren Berliner Wissenschaftssenators.

Drei Berliner Exzellenzuniversitäten – dieser Erfolg in der Exzellenzstrategie muss als Beginn eines langen Weges gemeinsamer großer Anstrengungen verstanden werden. Jetzt hat Berlin die Chance, an die großen Zeiten der Wissenschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts anzuschließen. Damals war Berlin in praktisch allen Wissenschaftsbereichen international führend. Dies langfristig erneut zu erreichen, wird nur im Wettbewerb der einzelnen Einrichtungen und einer gemeinsamen nach außen identifizierbaren Spitze möglich sein.

Das Ergebnis und noch mehr die Ausgangslage vor der letzten Entscheidung zeigen, wie richtig es für Berlin war, sich gemeinsam als Verbund auf den Weg zu machen. Bei drei Berliner Einzelbewerbungen hätte sich bereits die zweite Kandidatin gegen eine Uni aus Baden-Württemberg behaupten müssen, denn die Gesamtzahl der zu fördernden Universitäten war gesetzt.

Und das, obwohl sich renommierte Standorte wie Stuttgart und Freiburg nicht durchsetzen konnten. Ich bin skeptisch, ob die zweite oder dritte Berliner Bewerberin auf Kosten von Heidelberg, Tübingen, Konstanz – bei starkem Interesse der Wissenschaft auch eine kleine junge Universität zu fördern – oder Karlsruhe – bei großem Interesse des Bundes – durchsetzbar gewesen wäre.

Müller und Krach setzten Verbundanträge durch

Der Erfolg war in dieser Neuauflage des Exzellenzwettbewerbs zudem besonders wichtig: Die Förderung ist nun eine grundsätzlich dauerhafte, sofern die Voraussetzungen stehen. Der Berliner Verbund muss auch in Zukunft stets mindestens drei erfolgreiche Exzellenzcluster haben, jetzt sind es sieben. Dies sollte also leicht möglich sein.

Die Politik hat nicht nur einen wichtigen Beitrag geleistet, sondern die entscheidende Voraussetzung für den erfolgreichen Verbundantrag erkämpft. Es waren der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller und sein Staatssekretär Steffen Krach, die in der die Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern letztlich gegen fast alle Länder durchsetzten, dass es Verbundanträge überhaupt geben durfte.

Jetzt ist entscheidend, dass der Berliner Verbund effizient steuerbar wird. Gerade unter Einbeziehung der Einstein Stiftung Berlin (ESB) kann das gelingen. Günter M. Ziegler, derzeit Sprecher des Universitätsverbundes, betonte, dass die ESB „über zehn Jahre ein Erfolgsmodell gewesen ist“. Der Anteil der ESB am Berliner Exzellenzerfolg spricht auch für sich: Von den sechs erfolgreichen Exzellenzclustern wurden drei vorher durch die Stiftung gefördert; von den im Antrag angeführten 40 Outstanding Researchers des Verbundes waren es 28, und die Principal Investigators erfolgreicher Cluster erhielten bislang 56 Millionen Euro zusätzliche Förderung über die ESB. Anträge an die Einstein-Stiftung von zwölf ausländischen Top-Wissenschaftlern, darunter drei Nobelpreisträgern, wurden bewilligt, um als Visiting-Fellows Arbeitsgruppen in Berlin einzurichten. Somit kam von der Einstein-Stiftung ein zentraler Beitrag zum Erfolg.

E. Jürgen Zöllner, von 2006 bis 2011 Wissenschaftssenator in Berlin, heute Vorstand der Stiftung Charité. Foto: Doris Spiekermann-Klaas Vergrößern
E. Jürgen Zöllner war von 2006 bis 2011 Wissenschaftssenator in Berlin und ist heute Vorstand der Stiftung Charité. © Doris Spiekermann-Klaas

Wie die Evaluation der Einstein-Stiftung bestätigte, fördert sie konsequent und vorbildlich allein nach wissenschaftlicher Exzellenz. So etwas müsste der Verbund erst neu aufbauen. Insofern ist es folgerichtig, wenn die Universitäten ein Gesamtpaket mit der Einstein-Stiftung schnüren. Die Arbeit des Verbundes würde einfacher, schneller und mit Sicherheit besser werden, wenn die Stiftung für die Universitäten das tut, was sie offensichtlich so erfolgreich kann. Neben dem im Antrag Vorgesehenen sollten unbedingt weitere Bereiche, zum Beispiel der gesamte Bereich der „Großen Herausforderungen“ (Focusing on great challenges) und zumindest Teile der Nachwuchsförderung (Promoting Talent) über die ESB umgesetzt werden.

Man würde keine Doppelstrukturen aufbauen, weniger Verwaltungspersonal benötigen und damit erheblich mehr Mittel der eigentlichen Wissenschaftsförderung zuführen. Dann wäre auch gerechtfertigt und geboten, über einen angemessen stärkeren Einfluss der Universitäten in der Einstein-Stiftung zu sprechen. Eine solche Konstruktion würde dem sehr nahe kommen, was ich vor mehr als zehn Jahren nach langen Gesprächen, festgehalten in einem Memorandum of Understanding mit den Unipräsidenten, plante, die Unis dann aber leider kippten.

Berliner Spitzenforschung über eine Marke sichtbar machen

Geplant hatte ich eine gemeinsame Stiftung der Universitäten mit einem Geschäftsführer zur Förderung der Spitzenforschung, konkret von Forschungsclustern und gemeinsamen Graduiertenschulen. Entscheidungen sollte ein Gremium aus Universitätspräsidenten und Vertretern der großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen treffen. Die institutionelle Einbindung der Außeruniversitären empfehle ich noch heute.

Dies wäre keine „Superuni“ geworden, an so etwas war nie gedacht, aber zugegeben eine clevere Begriffsbildung derer, die negative Emotionen wecken und im Vorfeld die Stiftung verhindern wollten. Es wäre vielmehr eine Institution entstanden, um gemeinsam das zu tun, was nur gemeinsam gelingen kann. Und die Chance, Berliner Spitzenforschung über eine Marke sichtbar zu machen.

Zu dieser Marke kann jetzt auch die Berlin University Alliance werden. Möglicherweise ist eine abgestimmte Kooperation der Unis mit der Einstein-Stiftung gerade wegen ihrer Unabhängigkeit, die Entscheidungen allein nach wissenschaftlicher Exzellenz ermöglicht, die noch bessere Lösung.

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