Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn CDU im Rahmen seines Besuchs bei dem Biotech-Konzern Roche Diagnostics in Penzberg. Foto: imago images/photothek
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Politik hofft auf Durchbruch im Corona-Kampf Antikörpertest von Roche – wer bekommt ihn, was bringt er?

Antikörpertests sollen helfen, die Epidemie einzudämmen. Einen hat Gesundheitsminister Spahn heute zusammen mit der Pharmafirma Roche vorgestellt.

Der Schweizer Pharmakonzern Roche will seinen Test zum Nachweis von Coronavirus-Antikörpern noch in diesem Monat an Gesundheitseinrichtungen in Deutschland ausliefern. Antikörpertests würden dabei helfen, den Prozentsatz der Bevölkerung zu bestimmen, der mit dem Virus infiziert worden sei, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Montag am Roche-Standort Penzberg, wo der Test unter anderem hergestellt wird.

1. Wie funktioniert der Covid-19-Antikörpertest?

Für den Test muss Blut aus einer Vene abgenommen und dieses in einem Labor analysiert werden. Damit ist er aufwendiger als bisher angebotene Antikörpertests, für die meist ein Fingerpiks ähnlich wie bei einem Blutzuckertest, ausreicht. Doch diese Tests waren, soweit bekannt, oft sehr unspezifisch und unsicher.

Sie zeigten etwa oft auch Antikörper gegen andere Coronaviren, die es bereits lange gibt und die nur normale Erkältungen auslösen, an. Nach Angaben des Unternehmens Roche schafft es der neue Test mit praktisch 100-prozentiger Sicherheit, Antikörper auf Sars-Cov-2 nachzuweisen. Es existieren aber auch nach derzeitigen Wissensstand andere relativ sichere Tests, etwa von der Firma Euroimmun.

2. Was sagt der Covid-19-Antikörpertest aus?

Rein biologisch sagt der Test, sofern die Angaben von Roche stimmen, folgendes aus: Eine Person hat im Blut Antikörper gegen genau das Coronavirus, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslöst. Weil es noch keine Impfung gibt, ist der einzige infrage kommende Grund dafür, dass diese Person mit Sars-Cov-2 infiziert war.

Auf einer Pressekonferenz am Unternehmensstandort Penzberg sagte Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz, ein positiver Test sage „mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit“ auch aus, dass die Person Immunität gegen das Virus entwickelt habe. Ob dies wirklich in allen Fällen so ist, eine solche Person also nicht erneut erkranken und keine anderen Personen mehr infizieren kann, ist allerdings nicht abschließend geklärt. Darauf wies auf der Pressekonferenz auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hin.

3. Was bringt der Covid-19-Antikörpertest?

Was der Test in der Praxis bringt, hängt von verschiedenen, sowohl logistischen als auch politischen Faktoren ab. Dazu gehört, neben der noch nicht abgeschlossenen Frage, ob Antikörper auch Immunität bedeutet, wie viele Tests die Firma bereitstellen kann und ob das Gesundheitssystem oder Einzelpersonen bereit sind, den Test zu bezahlen.

Ein Mitarbeiter von Boditech Med hält ein Teströhrchen für einen Covid-19-Antikörpertest in der Hand (Symbolbild). Foto: Lee Jin-Man/AP/dpa Vergrößern
Ein Mitarbeiter von Boditech Med hält ein Teströhrchen für einen Covid-19-Antikörpertest in der Hand (Symbolbild). © Lee Jin-Man/AP/dpa

Die zentrale politische Frage ist, inwiefern Immunität gegen das Virus relevant sein wird, ob also positiv getestete Personen sich in Zukunft anders werden verhalten dürfen als Personen ohne nachgewiesene Immunität. Hier wird eine Art „Immunitätspass“ diskutiert, dies allerdings kontrovers. Denn Vorteile für Immunisierte könnten etwa dazu führen, dass Infektionsvermeidungen, wie sie nötig sind, um speziell hochgefährdete Personengruppen zu schützen, vernachlässigt und so Leben gefährdet würden. Ob es hierzu seitens des Gesetzgebers Initiativen geben wird, macht Spahn von einer noch ausstehenden Stellungnahme des Ethikrates abhängig.

4. Sind genügend Covid-19-Antikörpertests verfügbar?

Laut Spahn ist mit Roche vereinbart, dass im Mai drei Millionen Tests in Deutschland zur Verfügung stehen werden, jeweils fünf Millionen in den Folgemonaten. Dies sei, so Spahn „ausreichend“. Ob dies so sein wird, wird aber auch von der weiteren Dynamik der Pandemie abhängen. Laut Franz sollen pro Monat insgesamt 100 Millionen und bald auch mehr Tests hergestellt werden. Es stünden also auch weltweit „wo es den entsprechenden Bedarf gibt“, Testkapazitäten zur Verfügung.

5. Wem stehen die Covid-19-Antikörpertests zur Verfügung?

Laut Jens Spahn sind ab dem Zeitpunkt, da die Test an Labors lieferbar sind, diese auch auf dem freien Markt verfügbar. Privatpersonen können demnach als Selbstzahler über ihren Arzt einen solchen Test durchführen lassen. Im Bundestag ist ein Gesetz in Vorbereitung, das dem Bundesgesundheitsministerium die Möglichkeit zu einer Rechtsverordnung gibt, festzulegen, in welchen Fällen die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten übernimmt. Die konkrete Ausgestaltung sei aber noch nicht abgeschlossen. Zum Gesamtpreis des Tests wollte sich Franz nicht äußern, er werde aber erschwinglich sein. (mit Reuters)

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