Schüler und Schülerinnen sitzen an einer Wand auf dem Fußboden und arbeiten mit Tablet-Computern. Foto: Julian Stratenschulte/picture alliance/dpa
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Pisa-Studie 2019 Die Risikoschüler müssen Deutschland besonders Sorgen machen

Geht es nach Ergebnissen nationaler Bildungsstudien, sieht es für die aktuelle Pisa-Studie nicht gut aus. Deutschland könnte weiterhin im Mittelfeld festhängen.

Wo stehen 15-Jährige aus Deutschland mit ihren Schulleistungen im internationalen Vergleich? Die Antwort gibt es am Dienstag: Dann erscheint die neue Pisa-Studie, die weltweit den Kenntnisstand von Jugendlichen vergleicht. Es ist die siebte Ausgabe der größten Studie dieser Art.

Getestet wurden in Deutschland 5500 Schülerinnen und Schüler aus 220 Schulen – die Schulen sowie die teilnehmenden Jugendlichen werden dabei per Zufallsprinzip ausgewählt. Insgesamt nehmen 600.000 Schülerinnen und Schüler aus 79 Staaten teil, darunter alle 37 Mitgliedsstaaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), die die Pisa-Studie organisiert.

Aktueller Schwerpunkt ist das Lesen – außerdem geht es um Mathematik und Naturwissenschaften. Der Fokus liegt auf der Lesekompetenz in der digitalen Welt. Heute „ist Lesekompetenz nicht Extraktion, sondern Konstruktion von Wissen“, sagte Pisa-Chef Andreas Schleicher kürzlich in einem Webinar zur aktuellen Studie. Die Schüler müssten zeigen, wie sie sich in den verschiedenen Informationen aus dem Netz orientieren und dabei etwa Fakten von Meinungen unterscheiden, indem sie die Quellen kritisch bewerten.

Mit einem "Quantensprung" ist nicht zu rechnen

Das schwache Abschneiden in der ersten, 2001 veröffentlichten Pisa-Studie hatte in Deutschland einen Schock ausgelöst. Danach verbesserten sich die Schülerinnen und Schüler aus Deutschland zunächst stetig. Dieser Aufstieg wurde allerdings bei Pisa 2015 gestoppt: Deutschland landete zwar erneut in den drei getesteten Bereichen im oberen Mittelfeld, konnte sich aber nicht weiter verbessern. Besorgniserregend ist, dass sich der Anteil der leistungsschwachen „Risikoschüler“ sogar wieder erhöht hatte – im Lesen auf 16 Prozent und in den Naturwissenschaften auf 17 Prozent. In Mathematik lag der Anteil ebenfalls bei 17 Prozent.

[Lesen Sie hier einen Gastbeitrag von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek zur Pisa-Studie und zum Nationalen Bildungsrat.]

Andreas Schleicher sagte damals, Deutschland habe sich „auf einem guten, überdurchschnittlichen Niveau stabilisiert“. Es sei aber ein „neuer Quantensprung“ nötig, um zu den leistungsstärksten Ländern aufzuschließen. Ähnliche Schulstudien legen nahe, dass dies inzwischen kaum gelungen ist. So zeigt der aktuelle Bundesländer-Vergleich durch das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) gegenüber 2012 keine Verbesserungen. In vielen der 16 Länder gibt es sogar Rückschritte für Mathematik und Naturwissenschaften. Ein ähnlicher IQB-Test in Deutsch vor drei Jahren ergab ebenfalls Stagnation.

Ist für Deutschland gleichwohl mit Überraschungen zu rechnen? Die Pisa-Ergebnisse seien immer das Spiegelbild dessen, „was in den Ländern passiert ist“ – und damit für Kundige vorherzusagen, sagt Andreas Schleicher. Dass sich der jüngsten ICILS-Studie zufolge in Deutschland weiterhin zehn Schüler einen Schulcomputer teilen, dürfte sich aber nicht negativ auswirken. Schüler könnten die computerbasierten Tests auch ohne Vorkenntnisse bearbeiten. Schließlich sei die IT-Ausstattung etwa in Afrika oder Südasien noch sehr viel schlechter.

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