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Studierende sitzen vor einem Gebäude der TU Chemnitz Foto: imago/Rainer Weisflog
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Nach AfD-Erfolg in Sachsen TU Chemnitz wirbt für einen bunten Campus

Nach der Europa- und Kommunalwahl wendet sich die TU Chemnitz erneut an die Öffentlichkeit: Die Uni will bunt bleiben - trotz der Wahlerfolge der AfD.

Bereits nach den rassistischen Ausschreitungen im August vergangenen Jahres fürchtete die Chemnitzer Universität negative Folgen für das Klima auf dem Campus. Rektor Gerd Strohmeier verurteilte damals die "durch nichts zu rechtfertigenden fremdenfeindlichen und rassistischen Übergriffe, Ausschreitungen und Randale". Internationale Studierende seien in Chemnitz aber weiterhin gut aufgehoben. Ihm sei „kein einziger Fall bekannt, in dem es zu fremdenfeindlich oder rassistisch motivierten Gewalttaten gegen unsere Studierenden und Beschäftigten gekommen ist“, sagte Strohmeier damals im Interview mit dem Tagesspiegel. Die Hochschule gilt als internationalste Universität Sachsens.

Jetzt hat der TU-Senat mit einem Toleranzaufruf auf das Ergebnis der Europa- und Kommunalwahlen vom Sonntag reagiert. Die Uni biete Menschen aus der ganzen Welt ein Zuhause, schrieb das Gremium in einer am Dienstag beschlossenen Stellungnahme, die die TU am Mittwoch in Chemnitz veröffentlichte.

Hoffnung auf ein Willkommen "in der ganzen Stadt"

Die Universität heiße alle Forscher und Studenten willkommen, „unabhängig davon, woher sie kommen, welcher Religion sie angehören, welche sexuelle Orientierung sie haben oder welche Form des Zusammenlebens sie wählen“, hieß es darin weiter. „Aus dieser Überzeugung heraus wünschen wir uns nicht nur auf dem Campus der Universität, sondern in der ganzen Stadt ein weltoffenes und von Akzeptanz geprägtes Klima“, erklärte der Senat.

„Äußerungen, die diesem Anliegen widersprechen und im Rahmen des jüngsten Wahlkampfes getätigt wurden, erfüllen uns mit großer Sorge“, so das Gremium weiter. Dies gelte insbesondere „für rassistische, rechtsextreme oder gar offen rechtsradikale Positionen, denen wir entschieden entgegentreten“. Der Senat fordere alle Mitglieder des Chemnitzer Stadtrates „mit Nachdruck auf, weiterhin für eine offene und diskriminierungsfreie Stadtgesellschaft zu streiten und für die Grundwerte einer freien, demokratischen und offenen Gesellschaft einzutreten“.

Die AfD war bei der Europawahl am Sonntag in Chemnitz mit knapp 28 Prozent stärkste Partei geworden. Dahinter landete die CDU mit 23,9 Prozent. Auch sachsenweit hatte die AfD die meisten Stimmen bekommen. Bei der Wahl zum Chemnitzer Stadtrat lag die CDU laut vorläufigem Endergebnis dagegen mit 19,9 Prozent rund zwei Prozentpunkte vor der AfD.

Zweifel an Sicherheit internationaler Gäste

Wie sicher sind internationale Studierende und Lehrende jenseits des TU-Campus, wenn in der Stadt von gut einem Viertel der Wähler rechtsextreme Positionen vertreten oder zumindest für wählbar gehalten werden? Aus dem Aufruf des TU-Senats spricht die Sorge, nicht nur Gäste aus dem Ausland könnten gefährdet sein - oder angesichts der Wahlergebnisse wegbleiben. Dem Sicherheitsversprechen des Rektors hatte im vergangenen Jahr der Student_innen-Rat (Stura) widersprochen: Es habe in Chemnitz sehr wohl verbale und körperliche Übergriffe auf internationale Studierende gegeben. Angestarrt, angepöbelt und angespuckt zu werden, gehöre zum Alltag vieler nicht deutsch oder „alternativ aussehender“ Einwohner, hatte der Stura-Vorsitzende dem Tagesspiegel gesagt.

Der Senat der Universität wird wissen, dass es inzwischen geboten ist, demonstrativ alle Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung und ihrer Form des Zusammenlebens willkommen zu heißen. Bleibt zu hoffen, dass der Appell für "ein weltoffenes und von Akzeptanz geprägtes Klima" tatsächlich "die ganze Stadt" erreicht. (mit epd)

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