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20.12.2021, Hamburg: Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister und Präsident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, während eines Interviews im Bürgermeisteramtszimmer im Rathaus. (zu dpa "Tschentscher sieht bei Haushalt keinen Raum für neue Wünsche") Foto: Marcus Brandt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa
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„Keine Täuschung, sondern eine Panne“ Tschentscher korrigiert Aussage zu hoher Inzidenz unter Ungeimpften

Hamburg habe die Inzidenz unter ungeimpften Corona-Infizierten im November falsch ausgewiesen, sagt der Erste Bürgermeister. Der Stadtstaat ist nicht alleine.

"Grob falsch" sei eine Auswertung vom 16. November letzten Jahres gewesen, dass Ungeimpfte 90 Prozent der Corona-Neuinfektionen in Hamburg ausmachen, sagte Peter Tschentscher (SPD) am Dienstag in einer Landespressekonferenz. Demnach seien Infizierte mit unklarem Impfstatus zunächst als ungeimpft gezählt worden.

"Wenn man ganz präzise gewesen wäre, hätte man sagen müssen: 90 Prozent der Infektionen beziehen sich auf Personen, von denen wir bisher nicht eindeutig wissen, dass sie geimpft sind", erläuterte Hamburgs Erster Bürgermeister. Man habe die "Rohdaten falsch interpretiert", so Tschentscher. Tatsächlich "war da ein großer Teil von Geimpften".

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Jenen, die die Korrektur der Zahlen als Beweis dafür nehmen, dass alle bisherigen Corona-Maßnahmen falsch seien, sagt Tschentscher: "Diese Schlussfolgerung ist nicht korrekt." Die Fehlinterpretation sei eine "Datenpanne" gewesen – "keine Täuschung, kein Betrug".

Aufgrund der fehlerhaften Daten seien "keine falschen Entscheidungen getroffen" worden, versichert Tschentscher. Das Gesamtbild aller bundesweiten Daten sei eindeutig: "Die Impfung schützt vor schweren Erkrankungen."

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Für künftige Datenauswertungen gelobt Tschentscher jedoch Besserung: "Ich werde persönlich noch vorsichtiger sein", sagte der Regierungschef. Man sei sich damals nicht im Klaren gewesen, dass man die Zahlen so explizit trennen müsse.

Dabei ist die Hansestadt nicht das erste Bundesland, das mit einer fehleranfälligen Auswertung von Corona-Daten für Aufmerksamkeit sorgt. Anfang Dezember griff der bayerische FDP-Landtagsabgeordnete Martin Hagen die dortige Landesregierung an, unterstellte dieser "Manipulation".

Auch der Freistaat habe alle infizierten Personen ohne klaren Impfstatus zu den Ungeimpften gezählt, berichteten "Welt" und "Süddeutsche". Ministerpräsident Markus Söder (CSU) begründete Anfang Dezember härtere Corona-Regeln mit einer "Inzidenz bei Ungeimpften [...] in Bayern bei 1600". Fast zeitgleich führte das Bundesland 2G im Einzelhandel ein – Bundesliga-Vereine mussten wieder vor leeren Tribünen spielen.

Bayerisches Landesamt: Corona-Infizierte meist ungeimpft

Doch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hatte diese Inzidenz aufgrund falscher Annahmen festgestellt, ergab eine "Welt"-Recherche. Demnach errechnete das LGL die Sieben-Tage-Inzidenz für Ungeimpfte am 24. November auf Grundlage von 72.141 Corona-Fällen mit dem Impfstatus "nicht geimpft" beziehungsweise "unbekannt". Auf Nachfrage der "Welt" schrieb die LGL-Pressestelle: Bei 57.489 Fällen war der Impfstatus unbekannt.

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Das Landesamt rechtfertigte die Vorgehensweise: "Wir haben uns entschieden, die Fälle ohne Angaben zum Impfstatus zunächst zu den Ungeimpften zu zählen. Denn es hat sich herausgestellt, dass diese – nach später vorliegenden Daten – in der weit überwiegenden Anzahl der Fälle ungeimpft waren."

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