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Das digitale Archiv des Programms bleibt bestehen

Interview zu bedrohten Sprachen „Viele Junge verlassen die Insel“

Wie soll das weitergehen? Die Computer können nicht benutzt werden oder gehen kaputt, die Bücher zerfallen. Sie können kaum sicherstellen, dass Ihre Rettungsversuche nachhaltig sind.

Das Sprachenrettungsprojekt der Volkswagenstiftung ist ja erst im Jahr 2000 angelaufen. Es gibt also noch keine langfristigen Erfahrungen damit, welche Maßnahmen erfolgreich sind und welche nicht. Das kann man erst in 50, 100 oder 200 Jahren evaluieren.

Doch jetzt läuft die Förderung durch die Stiftung aus. Bedeutet das auch das Aus für Ihr Projekt und die rund 100 weiteren Vorhaben in 71 Regionen weltweit?

Die Auswertung der vorhandenen Daten wird von der Stiftung noch weiter gefördert. Aber künftig wird es kaum noch möglich sein, eine Reihe von bedrohten Sprachen systematisch zu dokumentieren. Das ist sehr schade. In Zukunft werden wir etwa bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft viel präzisere Anträge zu einzelnen sprachwissenschaftlichen Fragestellungen einreichen müssen.

Welche Rolle spielt das aus den 100 Projekten entstandene Archiv, das vom Max- Planck-Institut für Psycholinguistik im niederländischen Nimwegen betrieben wird?

Es spielt eine gigantische Rolle. Dort werden unsere Daten aufbereitet und zugänglich gemacht, für künftige Forschung und für Generationen von Sprechern. Und das Wichtigste: Die Max-Planck-Gesellschaft hat sich verpflichtet, die Finanzierung für mindestens 100 Jahre sicherzustellen.

Sie selber stammen, was Ihr Name Kilu von Prince nicht vermuten lässt, aus einem kleinen Ort in Oberfranken. Wie wurden Sie zur Sprachenretterin?

Es ist wohl mein Familienhintergrund, der mir immer schon klargemacht hat, dass es da draußen die große weite Welt gibt. Mein Urgroßvater hatte britische Wurzeln, war als Mitarbeiter der Kolonialverwaltung in Deutsch-Ostafrika tätig. Bis zum Zweiten Weltkrieg lebte meine Familie im heutigen Tansania. Als Kind stellte ich mir vor, dass Forscher im Urwald Dinge herausfinden, die noch niemand beschrieben hat. Als ich Sinologie und Linguistik studierte, sah ich mich eher als Schreibtischtäterin an der Uni. Und dann hat mich doch mein Kindheitstraum eingeholt.

Das Gespräch führte Amory Burchard.

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