Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Auf den Intensivstationen ist die Belastung hoch. Foto: Felipe Dana/AP/dpa
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Intensivmediziner warnen Entspannung auf Intensivstationen frühestens im April

Die Infektionszahlen in Deutschland gehen leicht zurück. Weihnachten hat laut Intensivmediziner Marx zu keinem Anstieg geführt. Die Belastung aber bleibe hoch.

Erste positive Wirkungen des Lockdowns sind auf den Intensivstationen des Landes zu erkennen. Aktuell werden dort laut Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), rund 4700 Personen (davon 2700 mit invasiver Beatmung) behandelt.

Marx informierte am Freitagvormittag zusammen mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), RKI-Chef Lothar Wieler und Virologe Christian Drosten in einer Pressekonferenz über die aktuelle Corona-Lage in Deutschland.

Der traurige Höhepunkt auf den Intensivstationen sei am 3. Januar mit 5.800 Intensivpatienten erreicht worden, sagte Gernot Marx. "Das war die kritischste Situation seit es intensivmedizinische Behandlung gibt." Im Schnitt würden Patienten 25 Tage auf Intensivstationen verbringen.

Jetzt gebe es zwar einen Trend nach unten, doch man sei "weit weg von Entspannung". Frühestens im April erwarte er bei Fortsetzung der derzeit positiven Entwicklung ein Absinken auf unter 1000 Intensivpatienten.

Für Ärzte und Pfleger sei die Situation "körperlich, seelisch und emotional belastend". Es müsse nun verhindert werden, dass die dritte Welle komme, bevor die zweite richtig abgeklungen sei. Die Infektionszahlen müssten dafür noch "weiter drastisch reduziert" werden. Sollte sich die mutierte Virusform weiter ausbreiten, würde dies zu einer "extremen Belastung der Intensivmedizin" führen.

Weihnachten und Silvester hätten in Deutschland aber zu keiner Verschärfung bei den schweren Fällen der Infektion mit dem Coronavirus geführt. Es sei kein "Weihnachts- und Silvesterpeak" zu erkennen. Dies sei dem Verhalten der Bevölkerung zu verdanken.

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Auch eine sogenannte Triage - also eine Auswahl von Intensivpatienten etwa zur Nutzung eines Beatmungsgeräts - werde es in Deutschland nicht geben. Es sei so, "dass wir faktisch in Deutschland diese Situation nicht erleben werden", sagte Marx, in Berlin.

Dies liege zum einen daran, dass es noch immer eine Reserve von 10.000 Intensivbetten gebe. Zum anderen lobt Marx aber auch, dass "wir sehr aufmerksamen politisch Verantwortliche haben, die immer frühzeitig Entscheidungen getroffen haben, um dies zu verhindern".

Gesundheitsminister Jens Spahn betonte, die aktuellen Infektionszahlen würden sich in die richtige Richtung bewegen. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI zuletzt 17.862 Neuinfektionen binnen eines Tages. Die 7-Tage-Inzidenz, also die Zahl der neuen Fälle pro 100.000 Einwohner und Woche, gab das RKI am Freitag mit 115,3 an. Das ist der niedrigste Stand seit 1. November. "Die Zahlen sind ermutigend", sagte Spahn. "Wir sehen eine erste Entlastung".

Gleichzeitig warnte auch er: Auf den Intensivstationen gebe es noch immer eine zu hohe Belastung. Die Verbreitung der neuen Virus-Varianten müsse minimiert werden.

Nach Aussage des Virologen Christian Drosten gebe es zu den Mutationen aber nach wie vor keine gesicherte Datenlage. "Ob es jetzt zunimmt, das ist schwer zu sagen", sagt Drosten in Berlin. Klar sei, dass die Mutante über die Weihnachtstage nach Deutschland eingeschleppt worden sei, im übrigen nicht nur aus Großbritannien.

Mit den zur Verfügung stehenden Impfstoffen gebe es laut Minister Spahn aber Hoffnung für Deutschland. „Wir befinden uns zwar auf dem Höhepunkt der Pandemie, und gleichzeitig haben wir den Weg raus aus der Pandemie begonnen“.

Jeder zweite Pflegeheimbewohner geimpft

Mehr als jeder zweite Pflegeheimbewohner in Deutschland hat nach Angaben des Gesundheitsministers inzwischen eine erste Impfung erhalten. „60 Prozent der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner sind bereits geimpft erstmalig, die ersten haben die Zweitimpfung erhalten. Ein großer Teil des Personals ist geimpft“, sagte der CDU-Politiker

Dieser Winter werde nicht leicht, sagt Spahn. „Aber wir haben die Aussicht auf einen besseren Sommer.“ Schon nächste Woche können es für den Astrazeneca-Impfstoff eine Zulassung geben. „Es werden noch harte Wochen, aber gemeinsam werden wir gestärkt aus dieser Phase herausgehen.“

Auch RKI-Chef Lothar Wieler sprach von einem "leicht positiven Trend". Nach wie vor seien die Fallzahlen jedoch zu hoch. Weiterhin gebe es zu viele Ausbrüche in Altenheimen, derzeit rund 900. Mittlerweile sind laut RKI mehr als 50.000 Menschen in Deutschland an oder mit Corona gestorben. „Das ist eine bedrückende, für mich schier unfassbare Zahl“, sagte Wieler. (mit Agenturen)

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