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Das Mainzer Biotechnologie-Unternehmens Biontech hat zusammen mit Pfizer den ersten Covid-19-Impfstoff auf den europäischen Markt gebracht. Foto: Biontech/dpa
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Impfstoffe auf der Zielgeraden Zwei neuartige Covid-19-Impfstoffe könnten als erste zugelassen werden

Rund 200 Impfstoffe gegen Sars-CoV-2 werden derzeit entwickelt. Es gibt Rückschläge, aber auch Erfolg versprechende Zwischenergebnisse.

Noch haben die US-amerikanische und die europäische Arzneimittelbehörde keinen Impfstoff gegen Covid-19 zugelassen. Die Weltgesundheitsorganisation führt eine Liste von 202 Kandidaten, die derzeit entwickelt werden. 47 davon werden bereits in klinischen Studien an Menschen getestet.

Darunter sind zehn, die in der abschließenden Phase an einer großen Probandengruppe im Vergleich zu einem wirkungslosen Placebo erprobt werden. Dabei geht es neben dem Auftreten möglicher Nebenwirkungen auch um Erkrankungen von Probanden, die abgewartet werden. Die Wirksamkeit des Impfstoffs wird an den Anzahlen Erkrankter in der geimpften und der Placebo-Gruppe bemessen. Für das Tempo klinischer Studien sind hohe Infektionsraten daher durchaus zuträglich.

Die Möglichkeit, Geimpfte gezielt dem Virus auszusetzen, um Ergebnisse zu erhalten, ist ethisch umstritten. Zuletzt plante das Imperial College London eine solche „Human-Challenge“-Studie mit Unterstützung der britischen Regierung. Ziel ist herauszufinden, welche Menge von Sars-CoV-2 ausreicht, einen Menschen zu infizieren.

Erbgut zur Immunisierung

Der gemeinsam von Biontech und Pfizer entwickelte RNA-Impfstoff, erreicht nach gestern vermeldeten Zwischenergebnissen 90 Prozent Effektivität. Das ist eine gute Nachricht auch bezüglich weiterer Impfstoffe, die derzeit klinisch erprobt werden und die dem Immunsystem den gleichen Teil des Virus, das Spike-Protein, präsentieren.

Die Viren docken damit an menschliche Zellen an und setzen ihre Vermehrung in Gang. Die meisten der neuen Impfstoffe sollen die Produktion von Antikörpern gegen dieses Protein anregen. Biontech und Pfizer zeigen: Das kann funktionieren.

Im Juli hatte das Biotech-Unternehmen Moderna zeitgleich Phase-3-Untersuchungen seines RNA-Impfstoffs gestartet, der auch auf das Spike-Protein abzielt. Vorab-Ergebnisse von Moderna stehen aus.

Bislang gibt es keine zugelassenen RNA-Impfstoffe, auch nicht gegen andere Erreger. Im Unterschied zu herkömmlichen Impfstoffen, und auch den meisten Kandidaten gegen Covid-19, beruhen sie nicht auf Teilen des Virus, die dem Immunsystem präsentiert werden, sondern liefern nur die Bauanleitung, anhand der die Proteine in den Zellen produziert werden. Den Arzneimittelbehörden könnten bald gleich zwei dieser neuartigen Impfstoffe zur Zulassung vorgelegt werden.

Der dritte RNA-Impfstoff im Rennen wurde vom Tübinger Unternehmen Curevac entwickelt. Derzeit wird er in Peru und Panama in der Phase 2 auch an Probanden aus Risikogruppen getestet. Das Unternehmen plant, noch in diesem Jahr in die abschließende Phase der klinischen Erprobung zu gehen.

Studienstopps

In drei klinischen Studien der Phase 3 werden in China entwickelte Impfstoffe getestet, die auf unschädlich gemachten Coronaviren beruhen. Die Studie des Mittels vom Hersteller Sinovac in Brasilien wurde gestern wegen ernster Nebenwirkungen bei einem Teilnehmenden von der Gesundheitsbehörde ausgesetzt. Weitere Informationen liegen bislang nicht vor.

Fünf weitere Entwickler nutzen Adenoviren als selbst harmlose Träger, um dem Immunsystem Geimpfter Merkmale von Sars-CoV-2 zu präsentieren. AstraZeneca und die britische University Oxford hatten ihre klinische Studie für etwa anderthalb Monate unterbrochen, um zu überprüfen, ob Zusammenhänge zu einem Todesfall bestehen. Seit Ende Oktober ist die Überprüfung abgeschlossen und die Erprobung wird fortgeführt. Der Impfstoff besteht aus einem Adenovirus, das einen Teil des Virenerbguts in Zellen der Geimpften einschleust. Auch hier wird das Erbgut in Form von RNA und nicht Proteine des Virus zur Immunisierung genutzt.

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