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Sonnen-Observatorium. Die 4500 Jahre alte Kultstätte diente diversen Zwecken.  Foto: dpa
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Herkunft der Sarsen-Steine ist geklärt Neue Befunde zu Stonehenge

Ein Geheimnis der Kultstätte in Stonehenge ist geklärt: Wo die tonnenschweren Sarsen-Steine herkamen.

Rund 20 Tonnen wiegt jeder einzelne dieser sechs bis sieben Meter langen und zwei Meter breiten Steinblöcke, die Menschen vor etwa 4500 Jahren auf der Salisbury-Ebene im Süden Englands zu der heute als „Stonehenge“ bezeichneten Kultstätte aufrichteten. Die etwa 80 Steine bilden das heute wohl bekannteste Monument aus der Steinzeit.

Bereits im 16. Jahrhundert vermutete man, dass Heerscharen von Steinzeitmenschen diese gewaltigen Felsblöcke aus dem 30 Kilometer nördlich gelegenen Hügelland der Marlborough Downs geholt haben mussten. 

52 tonnenschwere Blöcke in Stonehenge

Mit exakten naturwissenschaftlichen Methoden aber wurde diese gemeinhin anerkannte Überlegung erst jetzt von dem Geografen David Nash von der Brightoner Universität und der Witwatersrand-Universität in Johannesburg – in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kollegen – überprüft.

In der Zeitschrift „Science Advances“ erklären die Forscher nun, dass von den 52 heute noch vorhandenen Stonehenge- Blöcken 50 aus einem „West Woods“ genannten Hügelland stammen, das nur 25 Kilometer nördlich der Kultstätte liegt. Die Herkunft dieser „Sarsen“ genannten Steine war lange Zeit ein Rätsel.

Um herauszufinden, aus welcher Region der Sarsen-Steinkreis mit einem Durchmesser von 33 Metern antransportiert wurde, untersuchten David Nash und seine Kollegen die noch vorhandenen Steine zunächst einmal mit tragbaren Röntgenfluoreszenz-Geräten. 

Mit Röntgenlicht vermessen

Diese regen mit kurzwelligem Röntgenlicht die Atome im Gestein zu einer für jedes Element typischen Strahlung an, aus deren Stärke die Forscher ausrechnen können, wie häufig das jeweilige Element im Gestein vorhanden ist. 

An jedem der 52 Steine machten die Forscher fünf solcher Analysen, bei denen sie jeweils 34 Elemente bestimmten, ohne dabei die Steine selbst zu beschädigen. Laut den Untersuchungen kommen 50 der Steine, darunter auch Stein 58, aus dem gleichen Gebiet, während die restlichen beiden jeweils aus einer anderen Region stammen müssen. 

Um die genaue Herkunft zu bestimmen, müssen die Forscher allerdings zusätzlich Steinproben mit den modernen Methoden der Massenspektroskopie analysieren, bei denen das Material verbraucht wird, was die Untersuchung sehr heikel macht.

Schließlich jedoch konnten David Nash und seine Kollegen den „chemischen Fingerabdruck“ von 20 Sarsen-Stein-Fundorten im Süden Englands analysieren. Demnach lagen die Stonehenge-Sarsen-Steine 58 und 49 der weiteren verbliebenen Steine einst in dem 220 Meter über dem Meeresspiegel liegenden West-Woods-Hügelland – 25 Kilometer nördlich der Kultstätte.

Zwei Kilometer transportiert

Stonehenge dagegen liegt weit mehr als hundert Höhenmeter unter diesen Hügeln. „Möglicherweise könnten die viele Tonnen schweren Steine von dort im Winter auf gefrorenem Boden rund zwei Kilometer hangabwärts transportiert worden sein“, erklärt David Nash. 

Vielleicht verrichteten tausend Menschen bei diesem Transport eine ungeheure Schwerstarbeit. Unten, im Tal des Avon-Flusses, reichten dann wohl schon 250 Arbeiter, um einen Stein weiter südwärts und schlussendlich hinüber zur Kultstätte zu ziehen. „Eventuell könnten sie auch Baumstämme als Rollen unter die Steine bugsiert haben“, überlegt David Nash weiter.

Möglicherweise wurden Mondfinsternisse vorhergesagt

Mit den wohl unter größten Mühen nach Stonehenge transportierten Sarsen-Steinen bauten die Ingenieure vor 4500 Jahren ein Sonnen-Observatorium, bei dem die Strahlen der aufgehenden Sonne zur Wintersonnenwende kurz vor Weihnachten genau in das Herz der Anlage scheinen sollten. Vermutlich gab es einen Kult um dieses wichtige Datum im Jahresverlauf. 

Möglicherweise könnten mit dieser Anlage zusätzlich auch Mondfinsternisse vorhergesagt worden sein. Nicht unwahrscheinlich ist, dass die Steinzeitmenschen so eine Reihe von Gründen hatten, um aus der gesamten später als Großbritannien bezeichneten Region dort zum Feiern anzureisen.

Roland Knauer

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