Mythos: "An Krebs sind Schadstoffe schuld"

Gesundheitsmythen Auch Haie bekommen Krebs

„AN KREBS SIND SCHADSTOFFE SCHULD“

Der Einfluss von Umweltschadstoffen auf das Tumorrisiko existiert durchaus, wird aber oft überschätzt.

Krebs hat im Prinzip drei Ursachen: Anlage, Umwelt – und Pech. Während Letzteres in wissenschaftlichen Abschätzungen nicht auftaucht, ist die Umwelt mit 90 Prozent der Hauptübeltäter. Allerdings verstehen Forscher und Laienpublikum darunter etwas anderes. Für die Wissenschaft ist der Begriff „Umwelt“ weit gefasst, dazu zählen etwa Ernährung, Rauchen, Sexualität, Viren, Sonnenlicht, kosmische Strahlung, kurzum alles, was nicht vererbt wird, aber das Krebsrisiko beeinflusst. Der Laie verbindet mit „Umwelt“ dagegen Feinstaub, Pestizide oder andere Gefahrenquellen der modernen Zivilisation.

Der Beitrag der Umweltschadstoffe zum Krebsrisiko fällt jedoch geringer aus als gedacht. Nach einer Studie der Oxford-Epidemiologen Richard Doll und Richard Peto aus dem Jahr 1981 (25 Jahre später weitgehend bestätigt) sind die drei größten Risikofaktoren Rauchen (33 Prozent), Ernährung (30 Prozent, inbegriffen Fettsucht und Inaktivität) und Infektionen (18 Prozent). Umweltverschmutzung, Industrieprodukte und Zusatzstoffe in der Nahrung rangieren mit jeweils um die ein Prozent weit unten. Etwas größer ist die Gefahr, wenn Menschen beruflich mit krebserregenden Stoffen zu tun haben, das bekannteste Beispiel dafür ist das Risiko von Lungenkrebs und Brustfelltumoren (Mesotheliomen) für Asbestarbeiter. Auch hier gilt das Grundgesetz aller Gifte: Entscheidend ist die Dosis. Es zählt nicht das „ob“, sondern das „wie viel“.

Allerdings müssen Risiken auch neu bewertet werden. So teilte die Weltgesundheitsorganisation im Oktober mit, dass Luftverschmutzung Ursache von Lungenkrebs ist und jährlich bei rund 220 000 Menschen zum Krebstod führt, überwiegend in China und anderen ostasiatischen Ländern, in denen Smog herrscht. Kaum Anlass zur Sorge sehen Experten dagegen bei Mikrowellenöfen, Fotokopierern, Teflonpfannen und Mobiltelefonen. Letztere sind nicht wegen ihrer Strahlung gefährlich, sondern weil sie Autofahrer ablenken. Auch das Risiko durch Hochspannungsleitungen ist laut der Organisation „Cancer Research UK“ extrem gering.

Zwar machen Häufungen von Krebsfällen in bestimmten Regionen immer wieder von sich reden, aber meist handelt es sich bei diesen „Clustern“ (Haufen) um statistische Trugbilder, Produkte des Zufalls. Das gilt nach Expertenmeinung auch für den bekanntesten Cluster, Krebshäufungen in einer kalifornischen Kleinstadt, die auf eine Chromverbindung im Trinkwasser zurückgeführt wurden. Der Film „Erin Brockovich“ aus dem Jahr 2000, in dem Julia Roberts die Umweltaktivistin Brockovich verkörperte, machte den vermeintlichen Skandal weltweit bekannt.

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