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Überreste von 15 Menschen. Archäologen hatten seit 2014 an der FU gegraben. Foto: Polizei
© Polizei

FU Berlin soll NS-Vergangenheit aufklären Auschwitz-Komitee fordert neue Ausgrabungen

An der Freien Universität Berlin hatten Archäologen 2014 Tausende menschliche Überreste entdeckt. Eine Verbindung zur Kolonialzeit und dem Holocaust  ist möglich.

Das Internationale Auschwitz-Komitee fordert von der FU Berlin eine konsequente Aufklärung ihrer NS-Vergangenheit. „Für Auschwitz-Überlebende ist es mehr als deutlich, dass sich auf dem Gelände der Freien Universität in Berlin ein Tatort des Holocaust befindet“, erklärte Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner am Mittwoch in Berlin.

Mögliche Verbindung zu Auschwitz-Arzt Josef Mengele

2014 waren auf FU-Gelände in Berlin-Dahlem menschliche Überreste gefunden worden, die nach Einschätzung von Historikern und Archäologen auf eine Zusammenarbeit zwischen dem Auschwitz-Arzt Josef Mengele und dem Rassenhygieniker Otmar von Verschuer am damaligen Kaiser-Wilhelm-Institut für menschliche Erblehre, Anthropologie und Eugenik (KWIA) verweisen.

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Das Institut lag damals auf dem fraglichen Gelände der FU. Mengele untersuchte in Auschwitz jüdische Männer, Frauen und Kinder, tötete sie und ließ die ihnen entnommenen menschlichen Präparate zu „Forschungszwecken“ ins KWIA verbringen. 

Es sei daher „offensichtlich, dass sich auf dem besagten Gelände weitere Körperreste von jüdischen Menschen befinden müssen, die mit aller größter Wahrscheinlichkeit in Auschwitz einem bis heute nicht verjährten Verbrechen zum Opfer gefallen sind“, so Heubner weiter.

Heubner forderte die Universitätsleitung auf, endlich weitere Grabungen zu veranlassen. Für Auschwitz-Überlebende sei „es unerträglich, dass Körperteile ihrer Angehörigen immer noch in Berlin verscharrt sind oder in unsäglicher und menschenunwürdiger Weise entsorgt werden.“

Die archäologischen Grabungen an der Harnackstraße im Sommer 2016. Foto: Bernd Wannenmacher Vergrößern
Die archäologischen Grabungen an der Harnackstraße im Sommer 2016. © Bernd Wannenmacher

Bereits 2014 waren bei Bauarbeiten an den Außenanlagen der Universitätsbibliothek in der Harnackstraße in Berlin-Zehlendorf erstmalig menschliche Knochen gefunden worden. Diese seien jedoch ohne Untersuchung eingeäschert und bestattet worden

Um sicherzugehen, dass keine weiteren Knochen an dieser Stelle im Erdreich lagen, entschied die Freie Universität gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt Berlin und der Max-Planck-Gesellschaft (Nachfolgerin der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft), die Grabungen erneut aufzunehmen. In den folgenden Jahren entdeckten die Archäologen eine weitere Stelle mit einer überraschend großen Anzahl an Knochen.

Wissenschaftssenator und Kultursenator sollen handeln

Der Historiker Götz Aly hatte am Wochenende in der „Berliner Zeitung“ den Regierenden Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) sowie Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zum Handeln aufgefordert. 

„Da die Spitze der Freien Universität seit Jahren mauert, die Ergebnisse und Empfehlungen ihrer Archäologen mit aberwitzigen Argumenten beiseite gewischt, die Aufklärung erst verhindert hat und dann hemmungslos auf Zeit und Vergessen spielt, ist nunmehr die Politik gefordert“, so der Historiker Aly. 

Götz Aly verwies auf einen Bericht der Archäologin Susan Pollock, die bei Grabungen auf dem Gelände im Jahr 2015 weitere Knochenfunde von Menschen unterschiedlichen Alters gemacht hatte. „Man wird wohl davon auszugehen haben, dass überall im Umkreis des KWIA noch Knochengruben der 2014 und 2015 festgestellten Art zu finden sein könnten“, so die Archäologin. (KNA/Kix)

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