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Intensivstation mit Covid-Patienten in Greifswald (Archivbild) Foto: dpa/Jens Büttner
© dpa/Jens Büttner

Forscher vergleichen Klinik-Daten in der Schweiz Sterberisiko bei Covid-19 dreimal höher als bei Grippe

Wissenschaftler haben in der Schweiz Daten von Covid-19- und Grippe-Patienten untersucht. Das Ergebnis: Eine Corona-Infektion hat deutlich schlimmere Folgen.

Es ist eine der beliebtesten Aussagen von Corona-Leugnern: Die Pandemie sei nicht schlimmer als eine Grippewelle. Eine Schweizer Studie, die noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurde, widerlegt dies nun mit umfangreichen Krankenhausdaten.

Demnach ist das Risiko an oder in Verbindung mit Covid-19 zu sterben dreimal so hoch wie bei einer Grippe, berichten die Forscher. Sie sammelten von 2018 bis 2020 zunächst die Daten von rund 1400 Patienten aus 14 Krankenhäusern, die wegen einer Grippe eingeliefert wurden. Als dann die Corona-Pandemie ausbrach, sammelten sie 2020 zudem die Daten von rund 2800 Patienten, die aufgrund oder in Folge einer Covid-19-Erkrankung stationär behandelt werden mussten.

Das Ergebnis insgesamt: Während 4,4 Prozent der untersuchten Grippe-Patienten starb, waren es 12,8 Prozent der untersuchten Covid-19-Patienten. Ein ähnliches Ergebnis hatten auch Forscher aus Frankreich bereits präsentiert.

„Covid-19 ist mehr als eine kleine Grippe“, folgert Rami Sommerstein, ein Autor der Studie, daraus. „Sogar in einem Spitalsystem mit guten Ressourcen ist die Mortalität dreimal höher als bei der Grippe“, sagte er dem „Schweizer Radio und Fernsehen“ (SRF). Sommerstein ist Infektiologe an der Hirslanden-Klinik St. Anna in Luzern.

Die Grippe-Patienten waren bei der Einlieferung mit 74 Jahren durchschnittlich sogar älter als die Covid-19-Patienten mit 67 Jahren. Zudem hätten sie häufiger schon Vorerkrankungen – beispielsweise Tumorerkrankungen – gehabt, berichtet Sommerstein.

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Es sei auch nicht so, dass die Covid-19-Patienten überdurchschnittlich oft aus dem Altersheim kamen und anfälliger für einen schweren Verlauf und Tod waren, sagt Sommerstein: „Wir haben eine kleine Sub-Analyse gemacht, indem wir jene Patienten ausgeschlossen haben, die aus dem Altersheim gekommen sind. Auch das hat nichts am Resultat verändert.“

Aus den Ergebnissen der Studie geht ebenfalls hervor, dass doppelt so viele Covid-19-Patienten (20 Prozent) als Grippe-Patienten (10 Prozent) auf Intensivstationen behandelt werden mussten. Es mussten sogar dreimal so viele Patienten, die wegen oder in Verbindung mit Corona eingeliefert wurden, invasiv beatmet werden – und zwar 13,9 Prozent, unter Grippe-Patienten waren es nur 4,8 Prozent.

Auch Begleiterscheinungen der jeweiligen Krankheiten waren unterschiedlich stark ausgeprägt: So litten 27 Prozent der Covid-19-Erkrankten an einem Nierenversagen, unter Grippe-Patienten waren es 16,8 Prozent.

Bei jeweils einem Großteil der Covid-19-Patienten (93,6 Prozent) und Grippe-Patienten (83,9 Prozent) traten Komplikationen mit den Atemwegen auf – allerdings wieder deutlich häufiger bei solchen, die an Covid-19 erkrankt waren.

„Ohne Maßnahmen wäre die Situation viel schwerer“

Die 14 Krankenhäuser, aus denen die Daten in der Studie stammen, sind dem SRF zufolge über die ganze Schweiz verteilt. Es handele sich um große und kleine Kliniken. Die Untersuchung gebe damit zumindest für die Schweiz ein repräsentatives Bild ab.

„Influenza und Covid haben verschiedene Aspekte gemeinsam, aber es sind zwei verschiedene Krankheiten. Und das zeigt diese Studie“, sagte Thierry Fumeaux dem SRF. Er ist Arzt und war bis vor kurzem Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin. An der Studie war er allerdings nicht beteiligt. Man könne zwar finden, die Maßnahmen seien nicht nötig gewesen, so Fumeaux: „Aber wenn wir keine hätten, wäre die Situation viel schwerer.“

Sowohl Fumeaux als auch Sommerstein sind der Meinung, dass die Ärzte in der zweiten Corona-Welle zwar etwas mehr über die Covid-19-Erkrankung wissen als in der ersten Welle. Aber Grundlegendes habe sich dadurch nicht geändert. Das Coronavirus töte in Krankenhäusern auch heute noch viel mehr Patienten als eine Grippe.

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