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Schulessen in Malawi. In der Pandemie gerät die Ernährungsversorgung von Müttern und Kindern in Not. Foto: imago/epd
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Drei Milliarden Menschen könnten betroffen sein Mehr Kinder durch die Pandemie unterernährt

Im Zuge der globalen Coronakrise hat die Nahrungsmittelversorgung gelitten, vor allem in ärmeren Ländern. Eine Studie überschlägt jetzt, welche Folgen das hat.

Drei Milliarden Menschen könnten infolge der Coronapandemie in die Situation geraten, sich keine ausreichende und gesunde Ernährung leisten zu können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Modellierungsstudie – zumindest wenn das darin skizzierte pessimistischste Szenario eintreten sollte.

Eine Forschungsgruppe um die Ernährungswissenschaftlerin Saskia Osendarp von der niederländischen Universität Wageningen beschreibt in der jetzt im Fachblatt „Nature Food“ veröffentlichten Analyse, welche weitreichenden und kurz- und langfristigen Folgen die Pandemie vor allem für die Ernährung von Müttern und Kindern in Ländern mit geringem und mittlerem Pro-Kopf-Einkommen hat.

Um den Einfluss der pandemiebedingten Wirtschafts- und Versorgungskrise abschätzen und vorhersagen zu können, verwendeten Osendarp und Kolleg:innen Daten und Modellierungsverfahren, mit denen sich die Auswirkungen auf bestimmte Ernährungsindikatoren im Zeitraum 2020 bis 2022 abschätzen lassen – jeweils in einem optimistischen, moderaten oder pessimistischen Szenario.

Investitionen in Ernährungsprogramme müssen Priorität haben

So wird es der moderaten Schätzung zufolge 2022 etwa 9,3 Millionen Kinder mehr als vor Pandemiebeginn geben, die für ihre Größe ein zu geringes Gewicht haben (optimistisch: 1,5 Millionen, pessimistisch 3.6 Millionen) und 2,6 Millionen Kinder, die zu leicht für ihr Alter sind (optimistisch: 6,4 Millionen, pessimistisch: 13.6 Millionen).

Außerdem verursache die Pandemie 165 000 zusätzliche Todesfälle im Kindesalter (optimistisch: 47 000, pessimistisch: 283 000), 2,1 Millionen zusätzliche Fälle von Blutarmut bei Müttern (optimistisch: 1 Million, pessimistisch: 4,8 Millionen) und 2,1 Millionen Kinder zusätzlich werden von unterernährten Müttern geboren werden (optimistisch: 1,4 Millionen, pessimistisch: 3 Millionen).

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Um diesen Effekten entgegenzuwirken, etwa indem mehr in Ernährungsprogramme investiert wird, seien bis zu 1,7 Milliarden US-Dollar an zusätzlichen jährlichen Investitionen nötig, schreiben die Forscher. Denn sie befürchten, dass unter den derzeitigen, von aggressiveren und ansteckenderen Virusvarianten wie Delta dominierten Pandemiebedingungen das pessimistische Szenario ihrer Analyse womöglich das realistischste sein könnte.

Es sei eine Vielzahl von Interventionen nötig und sie müssten von den Regierungen prioritär umgesetzt werden, um die Verschärfung der globalen Ernährungslage noch verhindern zu können.

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