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Ampullen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer. Foto: Imago Images/Jochen Eckel
© Imago Images/Jochen Eckel

Update Doch nicht 20 Prozent mehr? Verwirrung um Spahns Impfplan mit Biontech-Präparat

Durch die bessere Ausnutzung der Biontech-Ampullen könnte es mehr Impfstoff geben. Einem Medienbericht zufolge gibt es daran jetzt aber Zweifel.

Die effektivere Nutzung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer könnte auf absehbare Zeit doch nicht dazu führen, dass Deutschland mehr Impfdosen erhält. Damit könnte die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dadurch mehr Impfstoff zur Verfügung zu haben, hinfällig werden. Dies berichtet der „Spiegel“.

Der CDU-Politiker stützte sich dabei auf die Entscheidung der EU-Arzneimittelbehörde EMA von Anfang Januar, dass die EU-Staaten aus einer Ampulle des Biontech/Pfizer-Impfstoffs sechs statt bisher fünf Impfdosen gewinnen dürften. Das Bundesgesundheitsministerium wies den Bericht als falsch zurück.

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Einer Tabelle zufolge, die Biontech am Montag an die Bundesländer verschickt hat, sollen diese Woche zwar 20 Prozent mehr Impfdosen geliefert werden. In den Wochen darauf sinkt die Liefermenge allerdings. Wie es ab März weitergeht, ließ das Unternehmen offen, wie das Blatt schreibt.

Vertrag bezieht sich auf Impfdosen, nicht Gesamtmenge

Zudem haben sich Biontech und Pfizer in ihrem Vertrag mit der EU nicht zur Lieferung einer bestimmten Impfstoffmenge verpflichtet, sondern nur dazu, eine bestimmte Zahl von Impfdosen bereitzustellen.

Dies sei von Spahns Ministerium und der EU-Kommission bestätigt worden, schreibt das Blatt. Die bessere Ausnutzung der Ampullen könnte den aktuellen Impf-Engpass demnach nur beseitigen, wenn die Hersteller das 20-Prozent-Plus freiwillig und kostenlos an die EU weitergäben.

Doch Biontech habe dem Magazin mitgeteilt, die sechste Dosis seit der Genehmigung durch die EMA zu berechnen. Ende Dezember hatte das Unternehmen noch erklärt: „Wir berechnen die sechste Dosis nicht“, so der „Spiegel“.

Bundesminister für Gesundheit: Jens Spahn (CDU). Foto: Michael Kappeler/dpa Pool/dpa Vergrößern
Bundesminister für Gesundheit: Jens Spahn (CDU). © Michael Kappeler/dpa Pool/dpa

Was künftige Lieferungen angeht, sagt eine Biontech-Sprecherin dem Bericht zufolge lediglich, dass die ursprünglich zugesagte Zahl an Impfdosen im ersten Quartal geliefert werde. So könnte die Steigerung auf sechs Dosen pro Ampulle letztlich die Hersteller finanziell profitieren lassen, da sie ihre Lieferpflichten schneller erfüllt hätten und den restlichen Impfstoff weiterverkaufen könnten.

Spahns Ministerium dementiert Bericht

Das Bundesgesundheitsministerium teilte mit Blick auf den Bericht des „Spiegel“ mit: „Daran ist so ziemlich alles falsch.“ Minister Spahn rechne nicht mit 20 Prozent mehr Impfstoff. Die Firma rechne vielmehr in ihre Lieferpläne die Tatsache ein, dass sie von der EMA eine Zulassung für sechs Dosen pro Ampulle bekommen hat.

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Michael Theurer, kritisierte den Minister. „Die Fehlerliste von Herrn Spahn wird immer länger“, sagte er dem „Spiegel“. „Von einer generalstabsmäßigen Planung und Durchführung kann nach dem offensichtlichen Impfdesaster schon lange keine Rede mehr sein.“

Kritik an Spahn auch aus der SPD

Der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken sieht Spahn „vom guten Willen Biontech/Pfizers abhängig. Ich hoffe sehr, dass der zusätzliche Gewinn schnellstmöglich in den Ausbau der Produktionskapazitäten investiert wird.“

Zum Stand der Impfungen sagte Spahn am Freitagmorgen in Berlin, in Deutschland seien mehr als 1,5 Millionen Impfungen verabreicht worden, davon hätten über 100.000 Menschen auch die zweite Impfung erhalten. „60 Prozent der Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner sind bereits geimpft erstmalig, die ersten haben die Zweitimpfung erhalten. Ein großer Teil des Personals ist geimpft“, sagte er. Man habe allen Grund zur Annahme, dass die Impfteams, wie von Bund und Ländern vereinbart, bis Mitte Februar in allen Pflegeheimen ein Impfangebot machen könnten.

Spahn zeigte sich insgesamt optimistisch: „Dieser Winter ist nicht leicht, das wussten wir immer, aber ich bin sicher, wir haben Aussicht auf einen besseren Sommer.“ Ziel sei es, bei weiteren Zulassungen von Impfstoffen, im Sommer jedem der möchte, ein Impfangebot zu machen und die Pandemie zu überwinden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Donnerstag gesagt, wenn alles wie zugesagt erfolge, könne man es schaffen, „bis Ende des Sommers jedem Bürger ein Impfangebot zu machen“. Sie verwies allerdings darauf, dass der Sommer kalendarisch bis 21. September geht.

In einer früheren Version des Textes hieß es, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn habe eine Liste an die Bundesländer geschickt. Der „Spiegel“ hat diesen Fehler korrigiert, wir haben den Text daher aktualisiert. (Tsp)

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