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Ihre erste Impfdosis hat die 81-jährige Gisela Rathgeber in der Metropolishalle des Filmparks Babelsberg am 5. Januar bekommen. Ob die erforderliche zweite innerhalb von drei Wochen folgen oder erst andere geimpft werden sollen, "prüft" das Gesundheitsministerium zurzeit. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/POOL/dpa
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Die zweite Impfstoffdosis aufzuschieben wäre fahrlässig Halber Schutz ist kein Schutz

Das Gesundheitsministerium „prüft“, ob wegen der Engpässe die zweite Impfstoffdosis aufgeschoben werden sollte. Aber das Risiko wäre zu hoch. Ein Kommentar.

Es ist richtig: Es müssen möglichst schnell möglichst viele Menschen geimpft werden. In Großbritannien umso dringlicher, als sich dort eine etwa 50 Prozent ansteckendere Virusvariante ausbreitet.

Doch es gibt zu wenig Impfstoff. Vielleicht auch, weil die EU zu wenig bestellt hat, vor allem aber, weil Impfstoffe aufwändig produziert, verpackt, verschickt, verteilt werden müssen. Bei jedem der Schritte hätte man sicher besser vorausplanen und organisieren können. Hat man aber nicht.

Was also kann man jetzt tun?

Wissenschaftlich gesichertes Terrain verlassen

 Das Dilemma damit auflösen zu wollen, dass man den Menschen nur eine Impfstoffdosis verabreicht, und die dazugehörige zweite, eigentlich innerhalb von drei Wochen fällige, jemand anderem gibt, wäre fahrlässig und verantwortungslos. Die Idee wird in Großbritannien trotz heftiger Proteste bereits praktiziert und von Gesundheitsminister Spahn für Deutschland „geprüft“.

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Gut klingt daran, dass erst einmal möglichst viele Menschen zumindest einen gewissen, wenn auch nicht vollwertigen Schutz vor Covid-19-Erkrankung oder -Tod bekommen.
Doch der Schein trügt. Denn mit diesem politischen Manöver, das Versäumnisse kaschieren soll, wird wissenschaftlich gesichertes Terrain verlassen.
Der Wirksamkeitsnachweis für den Biontech-Impfstoff ist in den Studien nur für zwei Impfstoffdosen geführt worden. Die Spekulationen über eine bereits 50- bis 80-prozentige Schutzwirkung nach der ersten Dosis sind genau das: Spekulationen!

Großbritannien setzt die Welt einem unkalkulierbaren Risiko aus

Nicht ohne Grund ist die Zulassung des Impfstoffs nur für eine zweifache Impfung erteilt worden. Wer die erste Impfung bekommen hat, hat in der Einverständniserklärung zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen zugestimmt. Wer die Bedingungen ändert, unter denen die EU-Behörde EMA einen Impfstoff zugelassen hat, setzt Geimpfte unerforschten Risiken aus, was auch Haftungsfragen aufwirft.

Das alles ließe sich vielleicht noch verschmerzen. Aber mit einer Verzögerung der zweiten Impfdosis geht man noch ein beträchtliches zusätzliches Risiko ein: das neuer Virusmutationen. Wenn die halb Geimpften nur halb immun sind, könnten sie anders als vollständig Geimpfte womöglich noch infiziert werden. In ihren Zellen könnten sich dann vor allem solche Virusmutanten vermehren, vor denen der Biontech-Impfstoff (womöglich auch andere) nicht mehr schützt.

Das ist ein Risiko, das die ganze Welt betrifft. Großbritannien hätte es nie eingehen dürfen. Und Deutschland sollte das nicht nachmachen.

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