Masken sind zum Symbol der Corona-Krise geworden. Foto: REUTERS/Ciro de Luca
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Coronavirus-Vorbeugung Sinnvoll oder nicht? Atemschutzmasken im Check

FFP-2, FFP-3, OP-Masken, DIY-Mundschutz: Was spricht dafür, jetzt als Privatperson einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, was dagegen, und welche Optionen gibt es?

Was für ein Wandel! Bis vor sehr kurzer Zeit galt ein von Privatpersonen in der Öffentlichkeit getragener Mundschutz hierzulande als sinnlos. Über die hier und da in der U-Bahn zu beobachtende junge Frau mit asiatischem Aussehen, die ihn benutzt, wurde der Kopf geschüttelt. Der Tagesspiegel hat sehr früh versucht, das Potenzial der Masken objektiv darzustellen und sich hierbei auf wissenschaftliche Studien und plausibel Argumentation aufgrund dieser Untersuchungen bezogen.

Wir kamen dabei zu dem Ergebnis, dass die Masken als Teil einer individuellen Infektionsschutz-Strategie während einer Epidemie durchaus sinnvoll sind. Doch selbst als die Coronakrise auch Mitten in Europa schon voll im Gange war, riet selbst das Robert-Koch-Institut nach wie vor von ihnen ab.

Jetzt scheint sich, was die Bewertung und Wertschätzung der Masken angeht, alles in das komplette Gegenteil zu verdrehen, in Österreich sind sie etwa im Supermarkt bereits Pflicht, auch Jena hat als erste deutsche Stadt seine Bürger angewiesen, in solchen Kontexten im öffentlichen Raum Mund und Nase per Textil zu bedecken. Für uns ist das Anlass für einen erneuten, hoffentlich ebenfalls objektiven und ausgewogenen Faktencheck:

Was spricht gegen das Tragen von professioneller Atemschutzausrüstung?

Gegen das Tragen von professionellen, wirksamen Atemschutzmasken im Alltag spricht derzeit vor allem eines: Genau diese Maske könnte eine Ärztin, eine Krankenschwester, ein Altenpfleger oder auch ein Kassierer im Supermarkt derzeit besser gebrauchen. So lange Masken also nicht ausreichend vorhanden sind, ist es ein Akt der Solidarität, wenn Privatpersonen die Nachfrage nicht noch weiter anheizen und damit die Verfügbarkeit für die, die sie dringender brauchen, senken.


Welches sind effektive Atemschutzmasken?

Den Träger bei korrekter Anwendung sehr effektiv vor Viren schützen spezielle Masken mit Filter und Ventil. Zu erkennen sind sie an den Spezifikationen FFP-2 und FFP-3. Diese sind derzeit besondere Mangelware, würden aufgrund der Epidemiesituation aber eigentlich viel mehr benötigt als unter normalen Umständen.

Ebenso unterversorgt ist das Gesundheitssystem derzeit mit normalen Chirurgenmasken, auch Mund-Nase-Masken genannt. Laut Studien ist ihr Schutzeffekt sogar fast vergleichbar mit FFP-2 und FFP-3-Masken. Nachgewiesen ist das allerdings nur bei korrekter Anwendung durch medizinisches Personal. Eine Untersuchung dazu hier.

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Wofür sind die Chirurgenmasken eigentlich konzipiert?

Bei diesen Masken handelt es sich um den typischen, meist OP-grün oder hellblau eingefärbten, manchmal auch weißen „Mundschutz“. Diese Masken sind konzipiert für eine Schutzfunktion nicht für Trägerin oder Träger, sondern für Personen in der Nähe. Sie halten sehr effektiv Keime zurück, die beim Sprechen oder leichten Husten und Niesen Mund und Nase des Trägers gelöst in winzigen Tröpfchen verlassen.

OP-Masken heißen sie, wie sie vor allem am Operationstisch getragen werden, um zu vermeiden, dass Mikroorganismen in offene Wunden gelangen. Sie schützen aber in Krankenhäusern und Praxen auch die vielen Patienten mit geschwächtem Immunsystem vor vom Personal übertragbaren Keimen. Stehen sie nicht zur Verfügung, steigt deren Risiko für lebensgefährliche Infektionen, auch ganz ohne Coronavirus.

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In Asien waren die Masken schon vor der Coronakrise weit verbreitet, warum?

Die weite Verbreitung von OP-Masken in Asien schon Jahre vor der derzeitigen Krise ist vor allem dadurch begründet, dass dort eines vielerorts schlicht als selbstverständlich gilt: Wenn man auch nur ansatzweise an einem Infekt leidet, schützt man andere beim Aufenthalt in der Öffentlichkeit so gut es geht vor den eigenen Erregern.

In Asien ganz normal: Das Japanische Kaiserpaar mit Maske. Foto: dpa/kyodo Vergrößern
In Asien ganz normal: Das Japanische Kaiserpaar mit Maske. © dpa/kyodo

Man spricht und räuspert sich also nur hinter diesem Stück Textil. Wenn Infizierte konsequent und korrekt diese Masken tragen, reduziert sich dadurch das Infektionsrisiko für Mitmenschen deutlich. Seit dem Sars-Ausbruch 2003 sind sie aus dem öffentlichen Raum der Großstädte in Ländern wie China, Taiwan, Japan und Singapur nie wieder verschwunden.

Schützen OP-Masken auch den Träger?

Obwohl sie dafür nicht konzipiert sind, trifft aber auch folgendes zu: Diese Masken reduzieren, wenn sie eng anliegen, beim Einatmen von mit keimbelasteten Minitröpfchen angereichter Atemluft auch deren Belastung mit Bakterien und auch Viren. Das liegt daran, dass die Tröpfchen auf das Textil treffen und eben nicht direkt auf die Mund- oder Nasen-Schleimhaut des Trägers - und dort abtrocknen. Dieser Schutz ist alles andere als vollständig, aber offenbar besser als man bislang annahm.

Armin Laschet macht vor, wie es nicht geht: Die Maske sollte Mund und Nase bedecken. Foto: Henning Kaiser/dpa Vergrößern
Armin Laschet macht vor, wie es nicht geht: Die Maske sollte Mund und Nase bedecken. © Henning Kaiser/dpa

Sich darauf zu verlassen und dann vielleicht sogar die anderen Regeln etwa bezüglich des Abstandhaltens oder der Hygiene zu vernachlässigen, kann sogar zu einer erhöhten Infektionswahrscheinlichkeit beitragen. Keinen Schutz bieten sie zudem in einer solchen Situation für die Augen, die ebenfalls eine wichtige Eintrittspforte für Viren in den Körper sind.

Hintergrund-Informationen zum Coronavirus:

Wie sind Do-it-yourself-Masken zu bewerten?

Selbst gebastelte, genähte Masken wurden von Experten lange rundheraus abgelehnt. Auch das hat sich aber geändert. Dass sie jetzt teilweise sogar empfohlen werden hat aber nichts mit plötzlich per aktueller Studie festgestellter besserer Funktion als bislang geahnt zu tun, sondern eher mit Pragmatismus: Wer selbst näht, kauft nicht die Bestände professioneller Masken leer. Diese Do-it-yourself-Masken bieten, je nach Material, Verarbeitung und dem Gelingen des Anpassens an das Gesicht Schutz in unterschiedlichem Maße - aber soweit bekannt nie auch nur annähernd vollständig.

Basteln, nähen, häkeln: Was bringen Do-it-yourself-Masken? Foto: Julian Stratenschulte/dpa Vergrößern
Basteln, nähen, häkeln: Was bringen Do-it-yourself-Masken? © Julian Stratenschulte/dpa

Auch bei ihnen überwiegt der Fremdschutz aufgrund des Zurückhaltens potenziell infektiöser Tröpfchen. Dass dies in nicht geringerem Maße funktionieren kann, ist schon allein deshalb plausibel, weil auch Niesen und Husten in die textilbedeckte Ellenbeuge als sehr effektiv gilt. Seine Tröpfchen direkt in einer solchen, Feuchtigkeit aufnehmenden, auswechselbaren Maske zu deponieren dürfte jedenfalls noch deutlich effektiver sein als ein baumwollener Hemdsärmel.

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Die selbstgemachten Masken haben unter anderem aber den Nachteil, dass ihnen meist der metallene Nasenbügel fehlt. Alle professionellen FFP-und Mund-Nase-Masken sind damit ausgestattet, um sie anatomisch möglichst genau dem Gesicht anpassen zu können.

Was sind die direkten und indirekten Nachteile von Masken?

Das Tragen von Masken, egal welchen Typs, hat neben dem möglichen Vernachlässigen anderer Schutzregeln noch weitere potenzielle Nachteile. Bei Brillenträgern beschlägt häufig das Glas, und eine schlecht angepasste Maske verleitet dazu, ihren Sitz immer wieder zu korrigieren. Das bedeutet dann schlicht, dass man sich regelmäßig im Mund-Nase-Augenbereich ins Gesicht fasst und damit eine der zentralen Schutzregeln in ihr Gegenteil verkehrt.

Umgekehrt verhindern bequem sitzende Masken aber nach Ansicht von Experten den spontanen, unbewussten Griff an Mund und Nase. Wenn ihre Präsenz auch davon abhält, sich ins Auge zu fassen, ist zumindest die Gefahr einer Schmierinfektion deutlich reduziert.

Ob Queen Elizabeth auch Maske trägt? Auf diesen Geldscheinen schon. Foto: REUTERS/Dado Ruvic/Illustration Vergrößern
Ob Queen Elizabeth auch Maske trägt? Auf diesen Geldscheinen schon. © REUTERS/Dado Ruvic/Illustration

Textilmasken können auch bei der Kommunikation stören, weil man die Träger beim Sprechen meist schlechter als ohne diese Barriere versteht. Wenn das zur Folge hat, dass man deshalb die Abstandsregel deutlich unterschreitet, kann auch das das Gegenteil des Erhofften bewirken. Zudem sind die Masken selbst beidseitig potenzielle Keimüberträger. Ob sie netto eher nutzen oder schaden hängt also auch davon ab, ob sie korrekt entsorgt oder gereinigt werden.

Selbstgemachte Textilmasken sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Sie nach dem Tragen in der Wohnung auszuschütteln oder auf der Kommode zu deponieren ist mehr als kontraproduktiv. Sie müssen vielmehr zwischen Gebrauch und Waschvorgang sicher verstaut werden. Nach dem Umgang mit ihnen sollte man sich gründlich die Hände waschen. Einmalmasken gehören in den Hausmüll, möglichst eingewickelt in ein Stück Küchenpapier oder ähnliches.

Man kann Einmalmasken aber auch zumindest ein oder wenige Male mild waschen. Waschaktive Substanzen inaktivieren möglicherweise anhaftende Coronaviren vollständig.

Die Masken müssen dann aber auch vollständig getrocknet werden. Sie danach möglichst ein paar Tage trocken liegenzulassen ist ebenfalls ratsam, auch um mögliche andere Keime, die das Waschen überstanden haben könnten, so gut wie möglich zu inaktivieren. Ihre Filterfunktion nimmt dann höchstwahrscheinlich ab, aber nicht auf Null. Wirklich aussagekräftige Studien hierzu fehlen allerdings.

Wie lautet das Fazit?

Insgesamt gilt: Wenn Masken ausreichend verfügbar sind und wenn sie, ohne die anderen Vorkehrungen zu vernachlässigen, korrekt benutzt werden, sind sie ein sinnvoller Teil der Infektionsvorbeugung.

Das gilt, obwohl sie meist weder für Träger noch die Person in der Nähe die Virenlast auf Null senken können. Denn ob dem Kontakt mit dem Erreger auch ein Ausbruch der Krankheit folgt, hat auch sehr viel mit der Erregerdosis zu tun. Schon diese deutlich zu senken ist also sehr sinnvoll.
Hinweis: Dieser Artikel erschien am 1. April

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