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Symbol der Hoffnung: der Corona-Regenbogen. Foto: Jens Kalaene/dpa
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Corona-Impfungen bald für alle ab 6 Monaten Schützt jetzt endlich die Kinder

Bald können Kinder wohl geimpft werden. Daher muss jetzt alles getan werden, um so viele wie nur möglich ohne Infektion zur Impfung zu bringen. Ein Appell.

Es ist eine Nachricht, die für Eltern einfach alles ändern kann: Schon bald werden nach Einschätzung von Biontech-Gründer Uğur Şahin Corona-Impfstoffe für Kinder verfügbar sein. Wie der Spiegel berichtet, rechnet Şahin damit, dass Kinder ab 12 Jahren schon ab Juni geimpft werden können, alle Kinder ab sechs Monaten schon ab September.

Die Nachricht steht im krassen Gegensatz zu den Worten von Bundeskanzlerin Merkel, die erst vor wenigen Tagen davon gesprochen hatte, ein Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren werde nicht vor Frühjahr 2022 verfügbar sein. Şahins Einschätzung bedeutet für Eltern: Das rettende Ufer ist in Sicht. Nur noch wenige Monate, und sie können - hoffentlich - ihre Kinder effektiv vor einer Corona-Infektion und den möglicherweise lebenslangen gesundheitlichen Folgen schützen.

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Das bedeutet auch, dass die Abwägungsentscheidungen nun ganz andere sind. Es geht nicht mehr darum, dass für Kinder unter zwölf Jahren vermutlich noch das gesamte nächste Schuljahr im Corona-Notbetrieb stattfinden muss. Angesichts dieser Neuigkeit ist jetzt die Aufgabe, die Corona-Politik pragmatisch neu auszurichten.

Ein Tag der Freude: Schon bald könnten auch Kinder geimpft werden. Foto: Ottmar Winter PNN Vergrößern
Ein Tag der Freude: Schon bald könnten auch Kinder geimpft werden. © Ottmar Winter PNN

Die ganze Gesellschaft muss nun zusammenhalten, damit so viele Kinder wie nur möglich ohne Infektion bis zur Impfung gebracht werden. Wer sein Kind in den kommenden Monaten (doch wieder) zu Hause behalten möchte, dem sollten Chef:innen so weit wie nur möglich entgegenkommen. Die Politik muss den Anspruch auf Corona-Kinderbetreuungstage so ausgestalten, dass Familien diese letzte Wegstrecke überbrücken können.

Ein Vater dreier Kinder muss vor der alleinstehenden Kollegin im Homeoffice geimpft werden

Nötig ist nun auch, die Impfreihenfolge weiter zu differenzieren, wenn die bisher bestehenden Gruppen 1, 2 und 3 vollständig ein Impfangebot erhalten haben - zumindest für den Fall, dass nicht ohnehin sehr bald sehr viel Impfstoff verfügbar ist.

Kinder dürfen in der Impfschlange nicht ganz hinten stehen, wenn die Gesellschaft ihr Recht auf Bildung und Entwicklung ernst nehmen will. Und auch ein Vater dreier schulpflichtiger Kinder muss sich impfen lassen können, bevor seine alleinstehende Kollegin an der Reihe ist, die ausschließlich im Homeoffice arbeitet.

Mit der Aussicht auf einen Impfstoff für Kinder sollte nun bundesweit die Präsenzpflicht in Schulen aufgehoben werden, bis tatsächlich für jedes Kind die Impfung verfügbar ist. Auch Eltern von Kita-Kindern brauchen die Gewissheit, dass sie ihren Betreuungsplatz nicht verlieren, wenn sie entscheiden, ihn für die folgenden Monate nicht mehr in Anspruch zu nehmen, sondern in einem letzten Kraftakt ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Und warum nicht die Sommerferien verlängern und dafür die Herbstferien streichen? Es muss nun darum gehen, so viel Zeit zu schinden wie möglich.

Bisher galt: Die Gesellschaft nimmt hin, dass Covid-19 in Kitas und Schulen soweit durchläuft, wie die Halbherzigkeit der Abwehrmaßnahmen es dem Virus eben ermöglicht. Die anfängliche Annahme, die Infektion sei für Kinder fast immer harmlos, hat sich aber als falsch herausgestellt, nicht nur wegen der Gefahr, die eigenen Eltern mit möglicherweise fatalen Folgen anzustecken.

[Lesen Sie auch: Der Weg zum Impftermin in Berlin: Ich möchte mich impfen lassen – was kann ich tun? (T+)]

Auch Kinder sind von Long Covid betroffen. Und niemand weiß, mit welchen Spätfolgen sie in ein paar Jahrzehnten zu rechnen haben. Bei den Kultusminister:innen, die seit Pandemiebeginn die Mär vom sicheren Unterrichtsbetrieb beförderten, werden sie sich dann nicht mehr beschweren können. Entsprechend ging es der Politik bisher nicht darum, die Kinder selbst so gut wie nur möglich vor einer Infektion zu schützen.

Warme Worte aus dem Floskelschrank brauchen Familien jetzt nicht mehr

Das muss sich nun ändern, gerade weil es hoffentlich nur noch um wenige Wochen und Monate geht. Was Familien jetzt nicht mehr brauchen: Warme Worte aus dem Floskelschrank, Schublade “Rückgrat der Gesellschaft”. Ganz anderes ist jetzt vonnöten, nämlich pragmatische, zupackende Lösungen.

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Es war in den vergangenen Monaten zum Verzweifeln, die politische Debatte zum Thema Corona und Kinder zu verfolgen.  Kinder spielten vor allem insoweit eine Rolle, als dass sie ihre Eltern vom Arbeiten abhielten - oder eben nicht. Es wurden Debatten darüber geführt, ob Luftfilter für Klassenräume teurer Schnickschnack seien. Vorzugsweise von luftgefilterten Sitzungssälen aus. Sportunterricht ohne Maske in Hallen fand weiter statt, denn der steht schließlich im Lehrplan.

Zu Ideen, unter freiem Himmel oder in leeren Veranstaltungshallen zu unterrichten, war hingegen immer nur zu hören, warum das angeblich nicht machbar sei. Das alles muss sich ändern, und zwar jetzt und wo immer möglich auf dem kurzen Dienstweg.

Seit Beginn der Pandemie war es an den Eltern, sich zu zerreißen, um ihre Kinder irgendwie durch diese historische Ausnahmesituation hindurch zu manövrieren. Nun ist ein Ende dieser schwierigen Gewissensentscheidungen und der enormen Belastungen im Alltag absehbar.

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Für Millionen Eltern ist der heutige Tag ein Tag großer Freude und Hoffnung. Es ist nun an der Politik, die Bedingungen dafür zu schaffen, dass diese Freude vorhält und sich so wenige Kinder wie nur möglich infizieren, bevor sie endlich die rettende Spritze gesetzt bekommen.

Die Politik hat bisher an Familien vor allem dann gedacht, wenn sie budgetschonend Lob und Zuspruch zu verteilen hatte. Nun ist noch einmal der Anlass da, umzusteuern und auf den letzten Metern großes Leid und großen Kummer zu verhindern. Es wäre schändlich, diese Chance verstreichen zu lassen.

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