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Mitarbeiter des Deutschen Archäologischen Instituts können Stätten nicht schützen

In Trümmern. In der stark beschädigten Umayyaden-Moschee von Aleppo steht ein syrischer Aufständischer. Eine Aufnahme von 2012. Foto: AFP
Bürgerkrieg in Syrien Die Weltkultur brennt

Cunliffes Resümee war niederschmetternd: Antike Städte würden durch Artilleriefeuer und Panzer zerstört, historische Burgen von beiden Seiten als Stützpunkte genutzt, Räuber und Plünderer bedienten sich an archäologischen Stätten und in Museen. Die Lage hat sich inzwischen verschlimmert. „Wir haben seither nur noch mehr Berichte über Zerstörungen bekommen“, sagt Cunliffe. „Raubgrabungen und Plünderungen haben enorm zugenommen.“ Die Altstädte von Damaskus und Aleppo sind durch die Ausweitung der Kampfhandlungen massiv bedroht. Die sogenannten Toten Städte, antike, dörfliche Siedlungen im Norden Syriens, stehen teils unter Feuer, werden teils ausgeplündert. In Palmyra haben Tanks und gepanzerte Fahrzeuge auf antiken Straßen, zwischen Säulen Stellung bezogen und gerieten unter Beschuss. Soldaten hoben teilweise mit Baggern Schützengräben aus.

An gut einem halben Dutzend dieser Welterbe-Stätten arbeiteten die Wissenschaftler des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), bis sie Anfang Mai 2011 Syrien verließen. Aufgegeben ist die Außenstelle Damaskus der Orient-Abteilung des DAI deshalb nicht, wie deren Leiterin Karin Bartl in Berlin betont: „Unsere syrischen Kollegen arbeiten weiter.“ Deshalb bestünde auch noch ein mehr oder weniger regelmäßiger Kontakt zu dem Haus nahe dem Präsidentenpalast in Damaskus. Wie es um die deutschen Ausgrabungen steht, ist allerdings schwer zu erfahren, denn niemand kann die Stätten besuchen. „Schon Überlandfahrten sind extrem gefährlich.“

Was die Kampfhandlungen übersteht, gerät ins Visier von Plünderern. Manche der Räuber sind sattsam bekannt, meint Museumsdirektor Weber, der selbst lange Zeit in Syrien gelebt und gearbeitet hat: „Es gibt Kanäle in der Armee, die Antikenschmuggel betreiben.“ Andere Coups werden derart professionell geplant und durchgeführt, dass es sich dabei nur um das Werk bestens organisierter Banden handeln kann. So setzte ein Team von Plünderern Bagger und Spezialwerkzeuge ein, um in der antiken Stadt Apamea mehrere Mosaike auszugraben und wegzuschaffen.

Die syrische Antikenverwaltung versucht derweil mit ihren wenigen verbliebenen Mitteln und mäßig erfolgreich, weitere Raubzüge zu verhindern. In Maarat an-Numan, einer Stadt in Westsyrien, halten Rebellen der Freien Syrischen Armee das örtliche Mosaikenmuseum besetzt, um Räuber abzuwehren. Und im Norden beschützen bewaffnete Bauern aus dem Umland einige der Toten Städte aus dem Altertum. „Die Syrer schätzen ihr kulturelles Erbe sehr und wollen es bewahren“, sagt Emma Cunliffe. Die wichtigste Voraussetzung dafür scheint jedoch ferner denn je: Frieden im Land.

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