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Boris Johnson (2.v.l), Premierminister von Großbritannien, beobachtet eine Booster-Impfung Foto: Jeremy Selwyn/Evening Standard/AP/dpa
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Booster schützt zu 90 Prozent So gering ist das Omikron-Krankenhausrisiko für Geimpfte

Britische Experten veröffentlichen ermutigende Daten – zumindest für Dreifachgeimpfte. Dennoch gibt es wegen der extrem hohen Fallzahlen Grund zur Sorge.

Impfungen schützen gegen die Omikron-Variante besser als bislang angenommen vor einer schweren Erkrankung. Auf der Grundlage zweier neuer Studien kann die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency nun erstmals die Effektivität des Boosters gegen eine Hospitalisierung beziffern: Sie liegt demnach bei fast 90 Prozent.

Die Studien basieren auf einem Datensatz von etwa einer halben Million Omikron-Fälle. Die Ergebnisse müssen jetzt noch unabhängig begutachtet werden. Relevant sind die Erkenntnisse auch vor dem Hintergrund, dass laut Bildungsminister Nadhim Zahawi in Großbritannien bereits 90 Prozent der über 50-jährigen Briten einen Booster-Shot erhalten haben.

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Schon nach der zweiten Impfung liegt laut den neuen Studien der Schutz bei 72 Prozent. Und selbst nach dem ersten Piks liegt der Wert immerhin bei 52 Prozent. Damit werden zugleich frühere Studien bestätigt, die ganz grundsätzlich – unabhängig von Impfungen – ein geringeres Gesamtrisiko für Krankenhauseinweisungen bei Omikron im Vergleich zu Delta festgestellt hatten.

Von den gut 57 Millionen Briten, die über zwölf Jahre alt sind, haben bisher...

  • ... 51,7 Millionen Menschen die erste Impfung erhalten,
  • 47,4 Millionen die zweite Impfung
  • und 34 Millionen die dritte Impfung.

In Prozentzahlen ausgedrückt heißt das, dass 90 Prozent aller Briten über zwölf Jahren eine Erstimpfung erhalten haben, 82,4 Prozent die zweite und 59 Prozent den Booster. In Deutschland liegen diese Zahlen - wieder bezogen auf die Gruppe der 73,4 Millionen Bundesbürger:innen, die über zwölf Jahre alt sind - bei 84 Prozent, 80,1 Prozent und 44 Prozent. Allerdings geht das Robert-Koch-Institut auch von einer leichten Untererfassung aus und dass die tatsächliche Impfquote bis zu fünf Prozentpunkte höher liegt, als auf dem Impfdashboard angegeben.

Mit Blick auf die Daten aus Großbritannien äußert sich das Autorenteam auch über die Dauer des Schutzes zuversichtlich. „Es werden weitere Daten benötigt, um die Dauer des Schutzes vor Krankenhausaufenthalten abzuschätzen. Die Erfahrung mit früheren Varianten lässt vermuten, dass dieser Schutz länger anhält als der Schutz vor symptomatischen Erkrankungen“, schreiben die Forschenden.

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Trotzdem rechnen die Experten damit, dass die Zahl der Krankenhauseinweisungen hoch bleiben dürfte. Schließlich ist die neue Variante um ein Vielfaches ansteckender als Delta – was die aktuell extrem hohen Fallzahlen zeigen. „Es ist wichtig zu betonen, dass diese geringeren Risiken nicht unbedingt eine geringere Krankenhausbelastung während der aktuellen Epidemiewelle bedeuten, da bei Omikron eine höhere Wachstumsrate beobachtet wurde“, schreibt das Team um Meera Chand.

Tatsächlich ist die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten neu in ein Krankenhaus eingewiesenen Patienten in Großbritannien in die Höhe geschossen: Ende Dezember stieg sie innerhalb einer Woche um fast 50 Prozent auf knapp 10.000 Personen. Auch die Zahle der neuen Toten stieg in den vergangenen Tagen um etwa 50 Prozent auf 981 innerhalb von sieben Tagen.

Hintergrund ist das starke Wachstum der Fallzahlen insgesamt. Zwischen dem 27. Dezember 2021 und dem 2. Januar 2022 hatten laut offiziellen Daten der britischen Regierung gut 1,1 Millionen Menschen ein bestätigtes positives Testergebnis. Dies entspricht einem Anstieg von 43,1 Prozent im Vergleich zu den vorangegangenen sieben Tagen.

Hinzu kommt, dass gleichzeitig weniger getestet wurde. Am 30. Dezember waren es beispielsweise nur gut 1,5 Millionen Tests. Dies bedeutet einen Rückgang um acht Prozent im Vergleich zum Schnitt der vorangegangenen sieben Tage.

Dazu teilte Chief Medical Officer Chris Whitty erst am Wochenende mit: „Die Daten zeigen, dass eine von 25 Personen in England letzte Woche an Covid erkrankt war, mit noch höheren Raten in einigen Gebieten. Die Welle steigt und die Krankenhauseinweisungen nehmen zu.“ So haben sich beispielsweise im Nordosten des Landes oder in Yorkshire die Einweisungen innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt.

Die britische Regierung ist bereits im Notfall-Modus:

  • Die Ministerien sollen prüfen, wie der öffentliche Dienst aufrechterhalten werden kann, selbst wenn sich bis zu 25 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wegen Corona krankmeldet.
  • Beim Gesundheitsdienst NHS fehlten vor Weihnachten mehr als 18.000 Beschäftigte.
  • Zuglinien haben ihre Fahrpläne gekürzt.
  • Fluggesellschaften haben die Zahl ihrer Flüge reduziert.
  • Mehrere Schulen mussten vor Weihnachten auf Distanz- oder Wechselunterricht umstellen – weil zu viele Lehrer krank waren.

Landesweit ist Großbritannien trotzdem von einem Omikron-Sturm auf die Krankenhäuser noch entfernt - bisher zumindest. In der Zeitung „The Telegraph“ werden gleich mehrere Ärzte zitiert, die wegen der milderen Verläufe zwar viel zu tun haben – von einer „Krise“ aber nicht sprechen wollen. So befindet sich etwa ein Drittel der Covid-Patienten „mit“ dem Virus im Krankenhaus und nicht wegen des Virus.

Doch diese „zufälligen Infektionen“ können gleichwohl die Probleme der Krankenhäuser erheblich verschlimmern. Denn die Mediziner müssen Infizierte sowohl räumlich als auch personell von den Stationen trennen, die nicht mit Covid infiziert sind. „Man betreibt praktisch zwei Krankenhäuser in einem“, sagte ein Intensivmediziner der Zeitung.

Sorge bereiten den Medizinern zudem die Krankmeldungen des Personals in den Krankenhäusern selbst, wenngleich es auch dabei meist um mildere Verläufe geht. „Es geht um Arbeitskräfte, Arbeitskräfte, Arbeitskräfte“, sagte Andrew Goddard, Präsident des Royal College of Physicians, der Zeitung.

Trotzdem geht er unter dem Strich davon aus, dass – sofern die Zahl der Krankenhauseinweisungen bei den Über-65-Jährigen nicht zu stark steige – die Belastung für das Gesundheitssystem nicht so hoch wie vor einem Jahr werde. Er erklärt: „Ich denke, dass Omikron hoffentlich nur ein relativ kurzer, heftiger Schock sein wird.“

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels waren beim Vergleich der Impfquoten von Großbritannien und Deutschland andere Zahlen angegeben. Doch für Deutschland ändert sich die Bemessungsgrundlage, wenn - wie in Großbritannien - nur die Gruppe der Über-Zwölf-Jähigen in den Fokus genommen wird. Um eine wirkliche Vergleichbarkeit herzustellen, haben wir die Zahlen entsprechend angepasst.

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