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Am Ende einer mit Mörtel verputzen Tunnelröhre ist eine in Stein gehauener Treppe zu sehen, die in ein Ritualbad führte. Foto: Yaniv Berman/Israel Antiquities Authority
© Yaniv Berman/Israel Antiquities Authority

Archäologie in Jerusalem 2000 Jahre alte Mikwe und byzantinische Kirche im Garten Gethsemane entdeckt

"Erste archäologische Spuren aus der Zeit Jesu": Funde bei Bauarbeiten am Garten Gethsemane begeistern Archäologen in Jerusalem.

Israelische Archäologen und Forscher des „Studium Biblicum Franciscanum“ haben ein 2000 Jahre altes jüdisches Ritualbad (Mikwe) sowie Reste einer byzantinischen Kirche im Garten Gethsemane am Fuß des Ölbergs in Jerusalem gefunden.

Es handele sich um einen der ersten archäologischen Funde aus der Zeit des zweiten Tempels - der Zeit Jesu - in Gethsemane, heißt es in einer Mitteilung der israelischen Antikenbehörde (IAA) von Montag.

Der Fund antiker Ruinen bei Infrastrukturarbeiten für ein Besucherzentrum und einen Tunnel zwischen dem Kidrontal und der modernen Kirche der Nationen habe die IAA zusammen mit der Kustodie und dem Studium Biblicum Franciscanum zu den Grabungen veranlasst.

Christliches Gedächtnis und Tradition

Gethsemane ist eines der wichtigsten Heiligtümer im Heiligen Land. Die jüngsten Ausgrabungen bestätigten das hohe Alter des christlichen Gedächtnisses und der Tradition, die mit dem Ort verbunden sei, sagte der oberste Hüter der katholischen heiligen Stätten im Heiligen Land, Franziskanerkustos Francesco Patton.

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Der Fund eines Ritualbads ist den Forschern zufolge vermutlich eine Bestätigung des antiken Namens Gethsemane, Hebräisch „Gat Schemanim“ (Ölpresse). Während die meisten Mikwen in Privathäusern oder öffentlichen Gebäuden gefunden wurden, habe es auch Freiluft-Ritualbäder in der Nähe von landwirtschaftlichen Einrichtungen und Gräbern gegeben.

Über einer Ausgrabungsstätte am Fuße des Garten Gethsemane hängt ein schattenspendendes Sonnensegel. Foto: Yoli Schwartz/ Israel Antiquities Authority Vergrößern
Ausgrabungsstätte der byzantinischen Kirche aus dem 6. Jahrhundert in Gethsemane (Jerusalem). © Yoli Schwartz/ Israel Antiquities Authority

Die nun gefundene Mikwe deute auf landwirtschaftliche Aktivitäten vor 2000 Jahren, mutmaßlich die Produktion von Öl oder Wein, die nach jüdischem Religionsrecht besonderen Reinheitsvorschriften unterliegt.

„Erstmalig gibt es einen archäologischen Nachweis, dass hier in der Zeit des Zweiten Tempels, in der Zeit Jesu, etwas existierte“ , zitiert die „Times of Israel“ Amit Re'em, den Regionalchef der israelischen Antikenbehörde für Jerusalem. Zahllose Grabungskampagnen seit 1919 hätten Funde aus der Zeit des Byzantinischen Reichs oder der Ära der Kreuzzüge zu Tage gefördert - aber niemals aus der Zeit Jesu.

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Nähere Erkenntnisse sollten jetzt Untersuchungen von Baumaterialien aus der Mikwe bringen, die unter anderem auf Spuren von Olivenpollen untersucht werden sollten, erklärte Re'em.

Christliche Pilgerreisen unter muslimischer Herrschaft

Das Forschungsteam fand im Garten Gethsemane auch Überreste einer bisher unbekannten Kirche aus dem 6. Jahrhundert. Aufwändige Steinverzierungen verweisen den Angaben zufolge auf die Bedeutung des Baus. Unter anderem wurde eine griechische Inschrift im Kirchenboden gefunden.

Ein Steinrelief mit byzantinischen Ornamenten liegt in einer Ausgrabungsstätte. Im Hintergrund ist ein Ausgrabungsteam zu sehen. Foto: Yoli Schwartz/Israel Antiquities Authority Vergrößern
Steilrelief aus der in Gethsemane entdeckten Kirche aus dem 6. Jahrhundert. © Yoli Schwartz/Israel Antiquities Authority

Experten entzifferten den Text „Für die Erinnerung und Ruhe der Liebenden Christi (Kreuz). Gott, der du das Opfer Abrahams empfangen hast, nimm das Opfer deiner Diener an und gib ihnen Vergebung der Sünden. (Kreuz) Amen“.

Die Nutzung der Kirche bis in die Omajjadenzeit (8. Jahrhundert), deute darauf hin, dass christliche Pilgerreisen nach Jerusalem auch unter muslimischer Herrschaft anhielten.

Ferner fanden die Forscher Überreste eines großen, mehrräumigen Gebäudes aus dem Mittelalter, das sie als Hospiz oder Kloster identifizierten. Zu der vermutlich unter ayyubidischer Herrschaft zerstörten Anlage gehörten ein ausgefeiltes Wassersystem sowie zwei große Zisternen. (KNA/Tsp)

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