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Ein Bagger hebt den Buchstaben H aus einer Betoninstallation heraus. Foto: Beuth-Hochschule
© Beuth-Hochschule

Update Abschied von antisemitischem Namensgeber Beuth-Hochschule wird Berliner Hochschule für Technik

Weil der Namensgeber Antisemit war, hat sich die Berliner Beuth-Hochschule umbenannt. Künftig soll sie schlicht Berliner Hochschule für Technik heißen.

Die Beuth-Hochschule für Technik Berlin hat einen neuen Namen - ab dem ersten Oktober heißt sie Berliner Hochschule für Technik (BHT). Das beschloss am Donnerstagnachmittag die Akademische Versammlung der Hochschule mit 25 von 43 Stimmen; 18 Mitglieder stimmten für den Alternativvorschlag Technische Hochschule für angewandte Wissenschaften Berlin.

Damit legt die im Bezirk Mitte/Wedding gelegene Fachhochschule nach jahrelangen Diskussionen den Namen Christian Peter Wilhelm Beuths (1781-1853) endgültig ab. Der preußische Ministerialbeamte und Reformer der handwerklich-technischen Ausbildung, nach dem sich die Technische Fachhochschule (TFH) Berlin 2009 benannt hatte, war Gutachten zufolge ein aktiver Antisemit.

Dass sich Beuth als Beamter dafür einsetzte, die Judenemanzipation in Preußen rückgängig zu machen und bei der diesem Ziel verpflichteten „Deutschen Tischgesellschaft“ zumindest eine radikal judenfeindliche Rede hielt, wurde hochschulintern 2017 durch ein Gutachten des Soziologen Achim Bühl, Professor an der Beuth-Hochschule, bekannt. 2018 erfuhr die Öffentlichkeit davon und nach einem weiteren Gutachten sowie vielen Kommissionssitzungen und Konferenzen votierte die Akademische Versammlung vor einem Jahr für die Umbenennung.

Ein historisches Gemälde, das Christian Beuth darstellt. Foto: Alamy Stock Photo Vergrößern
Christian Peter Wilhelm Beuth ist seit 2009 Namensgeber der einstigen Technischen Fachhochschule Berlin. © Alamy Stock Photo

Hochschulpräsident Werner Ullmann, seit Oktober 2019 im Amt, erklärte damals, aufgrund der antisemitischen Einstellungen Beuths hätte es bei Beibehaltung des Namens – wofür es an der Hochschule und unter Ehemaligen durchaus Fürsprecher gab – „immer eine Kluft zwischen Namen und Anspruch der Hochschule gegeben“.

„Wir sind eine weltoffene Hochschule mit Studierenden aus 132 Ländern“, wurde Ullmann zitiert. „Gelebte Toleranz und Vielfalt in Studium, Lehre und Forschung und unter den Studierenden gehören zum Alltag unserer Hochschule, die sich uneingeschränkt den pluralistischen Prinzipien einer Zivilgesellschaft verschrieben sieht. Rassismus und Antisemitismus haben hier nichts zu suchen.“

Offizieller Namenswechsel erst im Oktober

Die Hochschule betonte in einer Mitteilung am Donnerstag indes auch: „Die Verdienste Beuths um die gewerbliche Entwicklung in Preußen und um die Ausbildung von Technikern bleiben aber unbestritten.“ Das kann als Zugeständnis an die Traditionalisten an der Hochschule verstanden werden.

Nun also Berliner Hochschule für Technik (BHT). Der Namenswechsel kann offiziell erst zum kommenden Wintersemester, am 1. Oktober 2021, erfolgen, teilte die Hochschule mit. Zuvor müsse man sich ein neues Corporate Design mit dem neuen Namen geben.

Der Name Beuth ist in einer Betoninstallation mit dem Hochschulnamen in schwarze Plastikfolie eingewickelt. Foto: Beuth-Hochschule Vergrößern
Studierende hatten den Namen Beuths mit schwarzer Plastikfolie überdeckt. © Beuth-Hochschule

Warum kehrt die Hochschule jetzt zu ihrer nüchternen Funktionsbeschreibung zurück – gewissermaßen in der Tradition der alten Weddinger TFH? Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach hatte vor einem Jahr, nach dem Grundsatzbeschluss zur Umbenennung, eine weibliche Namenspatronin angeregt. „Wenn Ideen gebraucht werden für einen neuen Namen: Mir fielen viele hervorragende Frauen ein“, sagte Krach damals dem Tagesspiegel.

385 Namensvorschläge - und eine Auflage

An Ideen hat es offenbar nicht gemangelt, es seien 385 Vorschläge von allen Statusgruppen eingereicht worden, heißt es. Doch bereits im Sommer 2020 folgte der Akademische Senat einer Empfehlung der AG Neuer Hochschulname, „von einem Personennamen (Namenspatron/-in)“ Abstand zu nehmen, wie die Hochschule jetzt mitteilt. Zu hören ist, die erneute Benennung nach einer prominenten Figur aus der Geschichte der Ingenieurskunst hätte womöglich neue historische Implikationen mit sich gebracht.

Sechs Namensvorschläge standen am Donnerstag zur Abstimmung: Neben der Berliner Hochschule für Technik waren das Technische Hochschule für Innovation, Technische Hochschule für angewandte Wissenschaften, Berliner Hochschule für angewandte Wissenschaften, Berliner Hochschule für Wissenschaft und Technologie und Open University of Applied Sciences. Gewählt wurde in drei Wahlgängen - bis nur noch die beiden am Ende abgestimmten Alternativen übrig waren.

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Die Entscheidung ist jetzt „auf einen klaren, klassischen und zeitlosen Namen, mit eindeutigem Bezug zur Stadt und zur fachlichen Ausrichtung der Hochschule“ gefallen. Dabei sei bewusst auf „Modewörter“ verzichtet worden, heißt es. Der Umbenennung formal zustimmen muss jetzt noch die Senatskanzlei Wissenschaft und Forschung, dann kann der Prozess in den kommenden Monaten abgeschlossen werden.

„Ich bin extrem zufrieden mit dem sehr eindeutigen Abstimmungsergebnis“, sagte Hochschulpräsident Werner Ullmann dem Tagesspiegel. Der Hochschule für Technik das Wort „Berliner“ voranzustellen, passe gut zu Berlin - „wie in Berliner Schnauze, Berliner Luft oder ,Ich bin ein Berliner'“. Jetzt gelte es, auch das Leitbild der Hochschule zu erneuern, „um uns zu vergewissern, wofür wir eigentlich stehen“.

Fassade eines Gebäudes der Beuth-Hochschule mit einer Fassadenmalerei und türkischen Buchstaben. Foto: imago stock and people Vergrößern
Das Design und die Farbe türkis bleiben, der Name Beuth geht. © imago stock and people

Auf Kontinuität trotz des Namenswechsels setzt die Hochschule auch bei ihrem Corporate Design. Die „in der Berliner Hochschullandschaft unverwechselbare Hausfarbe türkis“ wird ebenso beibehalten wie das Motto „Studiere Zukunft!“.

Die von einem Vizepräsidenten zunächst befürchteten immensen Kosten der Umbenennung von bis zu 2,5 Millionen Euro würden in keinem Fall auf die Hochschule zukommen, sagte eine Sprecherin dem Tagesspiegel. In der Akademischen Versammlung erklärte der Präsident, die Kosten könnten "im Rahmen bis zu einer Million Euro" bleiben und aus dem Haushalt für 2021 oder auch über einen Nachtragshaushalt finanziert werden. Das neue Design werde nicht von einer Agentur kommen, sondern von einer Professorin der Hochschule.

Staatssekretär Krach gratulierte nach der Sitzung: „Ich freue mich, dass mit der neuen Namensfindung ein langer Prozess zu Ende geht, den das Präsidium gemeinsam mit vielen Mitgliedern der Hochschule sehr umsichtig und verantwortungsvoll durchgeführt hat. Wir haben die Hochschule in diesem Prozess begleitet und werden das auch in den nächsten Schritten weiterhin tun.“

An der Hochschule hofft man auf einen Zuschuss des Landes Berlin zu den Kosten der Umbenennung. Den ersten Namenswechsel von 2009 hatte die damalige TFH offenbar allein aus Bordmitteln bestritten.

Wie die Hochschule die Diskussion um den alten Namensgeber intern geführt hat, finden Sie hier, eine Dokumentation des Prozesses der Umbenennung finden Sie hier.

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