Die neuen Chefs bei Galeria Karstadt Kaufhof: Arndt Geiwitz (l.) , Gerallbevollmächtigter Frank Kebekus, Sachwalter. Oliver Berg/dpa
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Update Zerschlagung vorerst vom Tisch Karstadts zähes Ringen zwischen Pest und Cholera

Die Gläubiger der Kaufhaus-Kette stimmen dem Sanierungsplan zu. Von Anfang an stand fest: Verlieren werden sie in jedem Fall.

Für Verdi war es eine Gratwanderung: Auf der einen Seite stand ein Sanierungsplan, der drastische Einschnitte für die Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) und tausende Entlassungen bedeutet. Auf der anderen Seite drohte die komplette Zerschlagung des Kaufhaus-Konzerns – sollte dem Plan der Insolvenzverwalter nicht zugestimmt werden. Es war wie die Wahl zwischen Pest und Cholera.

Seit dem Vormittag saßen rund 100 Gläubiger in Essen in einer Messehalle zusammen, um darüber zu entscheiden, wie und ob es mit GKK weitergeht. Dazu gehören etwa Vermieter, Lieferanten und Beschäftigte. Am späten Nachmittag kam es schließlich zur Abstimmung über den Sanierungsplan. Und wie es sich im Laufe des Tages bereits abgezeichnet hatte, stimmte die Versammlung den Plan zu.

Damit ist eine Zerschlagung vorerst vom Tisch. Bei den Beratungen habe sich nur „eine Handvoll“ von Gläubigern gegen den Plan ausgesprochen, hatte Verdi-Vertreter Orhan Akman schon am frühen Nachmittag gesagt.

Verdi fordert weiter Offenhaltung von Filialen

Beide Alternativen klangen für die Gewerkschaft allerdings wenig verlockend. Und hatte man sich den Tag über um Zwischentöne bemüht. „Wir erwarten, dass dem Insolvenzplan zugestimmt wird, um damit eine Zerschlagung des Unternehmens zu verhindern sowie einen Großteil der Filialen zu erhalten und Arbeitsplätze zu retten“, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Mittag. „Wir erwarten aber auch, dass weitere Filialen von der Schließungsliste runter genommen und damit den Beschäftigten und den Innenstädten Perspektiven gegeben werden.“

Im April ging die Warenhauskette in die Insolvenz. Der Lockdown, so die Erklärung, habe über eine Milliarde Euro an Umsatz gekostet. Doch schon vor der coronabedingten Schließung ging es GKK nicht gut und so summieren sich die Forderungen der Gläubiger auf insgesamt rund 2,2 Milliarden Euro.

Bei einer Zerschlagung wären sie praktisch leer ausgegangen. Doch auch der Sanierungsplan dürfte ihnen lediglich Gelder in Höhe von insgesamt rund 200 Millionen Euro verschaffen. Denn Rene Benko, Chef von Signa, dem Eigentümerkonzern von GKK, hatte im Falle einer Zustimmung in Aussicht gestellt, weitere 366 Millionen Euro bereit zu stellen. Davon wären aber nur 200 Millionen Euro direkte Zahlungen.

5600 Jobs gehen wohl verloren

Schrumpfen wird der Warenhauskonzern in jedem Fall. 46 Filialen sollen Ende Oktober bundesweit geschlossen werden. 5900 Angestellte wären damit ihre Jobs los. Die meisten Betroffenen wechseln dann in eine Transfergesellschaft. Ob sich im Rahmen der Gläubigerversammlung an diesen Konditionen des Sanierungsplans etwas geändert hat, war am Abend noch nicht bekannt.

In Berlin schließen nach aktuellem Stand zwei der elf Standorte. Dabei handelt es sich um die Filialen im Linden-Center in Hohenschönhausen und in den Neuköllner Gropiuspassagen. Bei welchen Filialen Verdi noch das Potential sieht, den Insolvenzverwalter von einer Offenhaltung zu überzeugen, sagte Nutzenberger am Mittag nicht. Es gelte aber, "dranzubleiben, weiter für die Arbeitsplätze zu kämpfen", mahnte Nutzenberger und forderte Investitionen in das Unternehmen.

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