Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Frauen an der Spitze von Unternehmen sind nach wie vor selten. Foto: picture alliance / dpa
© picture alliance / dpa

Widerstand von Unternehmen und Union Frauen in Führung? Nur wenn es sein muss

Etliche Dax-Konzerne planen weiterhin mit einer frauenfreien Führungsetage. Bundesministerin Franziska Giffey möchte das gesetzlich ändern - seit Monaten.

In den Dax aufsteigen kann das Unternehmen, aber die Führungsetage mit Frauen besetzen nicht. Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen verzichtet weiterhin auf Frauen im Vorstand. Zielgröße: Null. Genauso sieht es bei den bekannten M-Dax-Unternehmen Delivery Hero, Hello Fresh und Rocket Internet aus. Das hat die Organisation "Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR)" analysiert.

Seit Anfang 2016 müssen die 105 größten börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland zumindest frei werdende Aufsichtsratsposten mit Frauen neubesetzen, bis mindestens ein Anteil von 30 Prozent erreicht ist. Inzwischen liegt die Quote bei 35,2 Prozent. Das ist ein Zuwachs von gut 10 Prozentpunkten seit Beginn der Zwangsmaßnahme. Die 83 nicht der Quote unterliegenden Dax-Unternehmen haben sich seit 2015 auf 22,8 Prozent gesteigert. Diese Differenz zeigt, dass es durchaus taugliche Frauen gibt - wenn es denn sein muss.

In den Vorständen sieht es noch extremer aus: Dort sind neun von zehn Mitgliedern männlich. 75 von 165 Unternehmen, die eine frauenfreie Vorstandsetage haben, planen auch weiterhin mit der Zielgröße „Null“. "Ich kann das, insbesondere in Anbetracht der Corona Krise, nicht verstehen", sagt Frauenministerin Franziska Giffey (SPD). "Wir sehen, dass viele Frauen in Führungspositionen, beispielsweise als Regierungschefinnen, die Corona-Krise erfolgreich managen: unaufgeregt, pragmatisch, zielorientiert".

[Alle wichtigen Updates des Tages zum Coronavirus finden Sie im kostenlosen Tagesspiegel-Newsletter "Fragen des Tages". Dazu die wichtigsten Nachrichten, Leseempfehlungen und Debatten. Zur Anmeldung geht es hier.]

Andere Länder sind schon deutlich weiter

Weil sich nur so langsam etwas verändert, kündigt Giffey seit einem Jahr ein Gesetz an. Unternehmen, deren Vorstände aus vier oder mehr Personen bestehen, sollen mindestens eine Frau in ihren Vorstand bestellen. Wer weiterhin die Zielgröße „Null“ melde und dies nicht plausibel begründe, müsse mit spürbaren Sanktionen rechnen. "Ich werde in der Bundesregierung alles dafür tun, hier weiter zu kommen", sagt Giffey. Der Gesetzentwurf von ihr und Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) wird seit Monaten innerhalb der Regierung abgestimmt. In der Union gibt es Widerstände.

Die FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow findet, dass die Zeit der Appelle vorbei ist. "90 Prozent Männerquote sind ein Armutszeugnis für die deutsche Wirtschaft. Deutschland steht damit bei der Teilhabe weltweit auf den hintersten Plätzen", kritisiert sie. Die Bundesregierung sollte die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union nutzen, um mehr Gleichberechtigung zu schaffen. Europaweit einheitliche Vorgaben für den Frauenanteil in Führungspositionen wären aus ihrer Sicht ein Meilenstein „Weigern sich die Unternehmen weiterhin, strategisch mit Frauen in der Führung zu planen, wäre eine Quote für die Vorstandebene die logische Konsequenz", sagt Monika Schulz-Strelow.

Zur Startseite