Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Der Umsatz mit Wickelkommoden ist aber nicht in allen Bundesländern gestiegen. Foto: imago/BE&W
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Wickelkommoden dringend gesucht Führt die Pandemie zu einem Babyboom?

Der Umsatz mit Produkten für Babys und Kleinkinder steigt derzeit laut einer Analyse stark. Führt die Pandemie wirklich zu mehr Geburten?

Der Stromausfall von 1965 in den USA sollte für viele unvergesslich bleiben: Neun Monate später verzeichneten die Kreißsäle dreimal so viele Geburten wie gewöhnlich. Deswegen gab es nach dem allerersten Corona-Lockdown Spekulationen über einen ähnlichen Babyboom. Der Zahlungsdienstleister Klarna will nun ein Indiz dafür gefunden haben, dass die Überlegung stimmt.

Der Umsatz von Baby- und Kleinkindprodukten sei laut einer Verkaufsdaten-Analyse im Januar und Februar dieses Jahres um 69 Prozent gestiegen – verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Besonders beliebt seien Produkte für Neugeborene. Laut dem Klarna-Partner baby-walz wurden etwa Wickelkommoden (plus 121 Prozent), Babybücher (plus 70 Prozent) und Babybetten (plus 61 Prozent) stark nachgefragt. „Der schnelle Anstieg lässt vermuten, dass die Geburtenrate 2021 höher sein könnte, als in den vorherigen Jahren“, sagt Deutschlandchef Thomas Vagner.

Was über die Konsument:innen bekannt ist? Mit 52 Prozent seien 26 bis 35-Jährige die kaufstärkste Gruppe. Darauf würden mit 30 Prozent 36 bis 45-Jährige folgen.

Diese Ergebnisse sind naheliegend, denn laut Statistischem Bundesamt liegt das Durchschnittsalter, in dem Frauen hierzulande ihr erstes Kind bekommen, bei knapp 30 Jahren. Außerdem werden mehr als sieben von zehn Einkäufe (73 Prozent) von ihnen getätigt statt von Männern.

Geldsorgen können auch zum Gegenteil führen

Betrachtet man die einzelnen Bundesländer, lässt sich Folgendes feststellen: Am intensivsten könnten sich laut der Klarna-Analyse die Saarländer mit dem Thema Familienplanung befassen. Bei ihnen wurde der größte Umsatzanstieg beobachtet. Auch in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein würden im Vergleich zum Bundesdurchschnitt verstärkt Artikel für Kleinkinder gekauft. Mit einer Babyflaute könnte möglicherweise in Berlin, Sachsen und Thüringen gerechnet werden. Hier wurde 2020 am wenigsten für Produkte ausgegeben, die nach einer Geburt wichtig sind.

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Ökonom:innen und Bevölkerungsforscher:innen kamen in den letzten Monaten allerdings zu einer ganz anderen Erkenntnis als Klarna. Sie vermuten vielmehr, dass die Geburtenraten in eher reichen Ländern während der Krise sinken werden. Vorherige Krisen hätten gezeigt, dass Geldsorgen und drohende Jobverluste dazu führen, dass der Kinderwunsch zurückgeht.

Und: Während der Pandemie können Eltern und Freunde mitunter weniger vorbei kommen, helfen. Das negative Bild erschöpfter Familien ist allgegenwärtig. Hinzu kommt der Gesundheitsaspekt: Was, wenn ich mich schwanger mit Corona infiziere oder wegen der Schwangerschaft noch nicht geimpft werden kann? Auch diese Gedanken können zum Aufschub einer Schwangerschaft führen.

In anderen Ländern werden weniger Geburten verzeichnet

So gab es in Frankreich im Januar 2021 knapp 54000 weniger Neugeborene als im Jahr zuvor. Das entspricht einem Geburtenrückgang von 13 Prozent. Ein ähnlicher Trend wurde auch in Italien, Spanien, Großbritannien, USA, Japan und China sichtbar. Für Deutschland liegen noch keine wirklich verlässlichen Zahlen vor.

Ein wesentliches Indiz ist jedoch die unter Medizinern als seriöse Quelle geachtete Geburtenliste des Babynahrungsherstellers Milupa, der seine Daten schneller veröffentlicht als die Statistischen Ämter. Demnach wurden 2020 in Deutschlands Krankenhäusern 745739 Geburten gemeldet. Das wären 5000 weniger als im Jahr vor der Pandemie.

Generell sinkt die Geburtenrate in Deutschland seit Jahren. Der Abwärtstrend begann nach der Babyboomer-Generation, die im Jahr 1964 mit über 1,4 Millionen Geburten im Jahr ihren Höhepunkt erreicht hatte. Allein wirtschaftlich gesehen ist das ein Debakel. Denn langfristig kann der demographische Wandel für Deutschland zu Wohlstandsverlusten führen, weil immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter einer zunehmenden Zahl von Rentner:innen gegenüberstehen.

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