Mein Freund, der Wald: Die Bundesbürger lieben ihre Wälder. Foto: ZB
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Waldsterben 2.0 Das erste Klimaopfer

Bäume können nicht weglaufen, das ist ihr Problem. Wie können sie Dürre, Stürme und Schädlinge überleben? Ein Kommentar.

Der Wald ist nicht irgendein Ort. Er bietet Tieren ein Zuhause und Menschen Raum für Erholung. Er liefert Holz und sichert damit den Waldbesitzern ihre Existenz. Er bindet Kohlendioxid und tut damit dem Klima gut. Zudem sorgt er für sauberes Wasser. Die Gesellschaft hat dem Wald einiges zu verdanken. Der Wald ist ein Alleskönner.

Viele Bäume sind in Not: Fichten und Buchen verdursten. Foto: imago images / Jan Eifert Vergrößern
Viele Bäume sind in Not: Fichten und Buchen verdursten. © imago images / Jan Eifert

Doch eines kann er leider nicht – weglaufen. Und so sind die Bäume die ersten, die spüren, was Klimawandel bedeutet: Dürre, Hitze, Stress. Viele Bäume verdursten oder sind so schwach, dass sie sich nicht mehr gegen Schädlinge wehren können. Stürme knicken sie um, Brände haben allein im vergangenen Jahr eine Waldfläche von 3300 Fußballfeldern vernichtet. Fichten und Buchen bekommen mit ihren flachen Wurzeln nicht genug Wasser. Der Wald leidet, in manchen Regionen stirbt er.

Bundeswaldministerin Julia Klöckner stellt finanzielle Hilfen des Bundes in Aussicht. Foto: dpa Vergrößern
Bundeswaldministerin Julia Klöckner stellt finanzielle Hilfen des Bundes in Aussicht. © dpa


Insofern ist es richtig, dass Bund und Länder jetzt 800 Millionen Euro in die Hand nehmen, um die schlimmsten Schäden zu beseitigen. Totes Holz in Borkenkäfergebieten muss geräumt werden. In den Wäldern Brandenburgs, die oft auf ehemaligen Truppenübungsplätzen liegen, müssen Schneisen geschlagen und möglichst viel Munition aus dem Boden geholt werden, damit die Feuerwehren schneller löschen können.

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Wahrscheinlich wird es in nächster Zeit auch vielen Rehen, Rot- und Damwild ans Leben gehen. Bundesagrarministerin Julia Klöckner und Bundesumweltministerin Svenja Schulze sind sich mit den Waldeigentümern einig, dass mehr Tiere geschossen werden müssen. „Wald geht vor Wild“, lautet die Devise. Setzlinge sollen vor hungrigem Schalenwild bewahrt werden. Die Jäger protestieren gegen die staatliche Einmischung, stehen damit aber allein auf weiter Flur.

Keiner will Plantagenwälder

Eine Kernfrage bleibt ungelöst. Wie soll der Wald der Zukunft aussehen? Und wer soll das entscheiden? Wenn es um die Aufforstung der Wälder geht, ist man sich nur in einem einig: Plantagenwälder, endlose, monotone Fichten- oder Kiefernforste will man nicht.
Aber was dann?

Sind Urwälder besser? Umweltschützer möchten gern größere Teile des Waldes sich selbst überlassen sehen. Foto: dpa Vergrößern
Sind Urwälder besser? Umweltschützer möchten gern größere Teile des Waldes sich selbst überlassen sehen. © dpa


Die Umweltverbände fordern naturnahe Laubmischwälder mit heimischen Baumarten. Nur solche Waldbesitzer, die das tun, sollen mit Steuergeldern unterstützt werden. Die Forstbesitzer hingegen wollen Sorten pflanzen, die schnell wachsen, Ertrag bringen oder Dürre besser aushalten als es die heimischen Eichen oder Buchen tun. Die Bauindustrie will Fichten und Kiefern, weil sich ihr Holz gut verarbeiten lässt. Eine Holzbauoffensive, wie sie Klöckner und der SPD vorschwebt, wäre ohne Nadelholz wahrscheinlich nicht zu machen. Das Umweltministerium will dagegen mehr Urwälder.

Der Wald der Zukunft muss Dürren aushalten

Doch die Wiederaufforstung der Wälder ist kein Wunschkonzert. Der Wald der Zukunft muss mit Dürre, Stürmen und Starkregen klar kommen. Welche Bäume das können, ist keine Frage des Glaubens, sondern des Wissens. Wissenschaftliche Expertise sollte daher bei der Auszahlung der Fördergelder eine Rolle spielen, damit das Geld der Steuerzahler nachhaltig gut angelegt ist.

Dschungel in den staatlichen Wäldern?

In ihren eigenen Forsten können Bund, Länder und Kommunen größere Teile des Waldes sich selbst überlassen als sie es heute tun. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich der Urwald entwickelt und wie sich der Wald selbst für den Klimawandel rüstet. Damit er nicht nur uns, sondern auch unseren Kindern und Enkel ein Ort der Zuflucht bleibt.

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