Seit 2005 ist die Villa Borsig in Tegel Aus- und Fortbildungsstätte des Auswärtigen Amtes. Foto: Thomas Trutschel/photothek.net
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Von Tegel in die weite Welt Diese Karrierechancen bietet der gehobene Dienst

Fürs Auswärtige Amt arbeiten? Dazu muss man kein Diplomat werden. Ein duales Studium bereitet auf Verwaltungsjobs in den weltweit 230 Vertretungen vor.

Nach dem Ende seines Studiums wird Luis Westphal wahrscheinlich alle vier Jahre den Dienstort wechseln, auf zwei Stellen im Ausland folgt dann eine in den Ministerien in Bonn oder Berlin. So ist es die Regel. Am Ende wird er ungefähr zwei Drittel seines Arbeitslebens außerhalb Deutschlands verbracht haben. „So viel von der Welt zu sehen, neue Kulturen, Länder und Menschen kennenzulernen, ist einfach eine unglaubliche Bereicherung“, sagt der 21-Jährige.

Westphal ist einer von knapp 200 Studierenden, die sich derzeit an der Hochschule des Bundes (HdB) für eine Karriere im gehobenen Dienst des Auswärtigen Amtes qualifizieren, mit einem dreijährigen dualen Studium, das zum Abschluss „Diplom-Verwaltungswirt“ führt. Die HdB bildet alle Bundesbeamten des gehobenen öffentlichen Diensts aus. Im Fall des Auswärtigen Dienstes findet das aber nicht am Hauptsitz der Fachhochschule in Brühl oder einer der bundesweiten Dependancen statt, sondern an der Akademie des Auswärtigen Amtes in Tegel und der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin-Friedrichsfelde.

Wer Deutschland in der Welt vertreten will, braucht Neugier, Selbstverantwortung und Weltoffenheit. So sehen es Westphal und seine Kommilitonen, die sich für den „gehobenen Dienst“ entschieden haben. Daneben gibt es noch die Vorbereitung auf den „mittleren Dienst“ (Voraussetzung für die zweijährige Ausbildung ist der Realschulabschluss) und den „höheren Dienst“ (für die einjährige Ausbildung braucht man einen Master).

Absolventinnen und Absolventen des dualen Studiums erwartet ein vielfältiger Job: „Schon kurz nach dem Abschluss übernehmen sie erstmals Personalverantwortung“, erklärt Mario Krebs, Ausbildungsleiter für den gehobenen Dienst und damit auch Dekan des zuständigen Fachbereichs „Auswärtige Angelegenheiten“ an der HdB in Berlin. In den 230 Auslandsvertretungen und der Zentrale des Auswärtigen Amtes am Werderschen Markt organisieren sie die Verwaltungsabläufe.

Die Anforderungen sind streng

Dazu kommen Aufgaben im Rechts- und Konsularbereich wie Beurkundungen oder das Bearbeiten von Visumsanträgen. „Und schließlich übernehmen sie noch Aufgaben als Generalisten, zum Beispiel im Protokoll oder in der kulturellen Zusammenarbeit“, erklärt Krebs.

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Der Beruf erfordert Kenntnisse in vielen Bereichen, entsprechend streng sind die Anforderungen an die Studienbewerberinnen und -bewerber. Sie müssen das Abitur oder Fachhochschulreife, die deutsche Staatsbürgerschaft und eine gute körperliche Verfassung vorweisen – und bereit sein, die häufigen Ortswechsel des Auswärtigen Amtes mitzumachen. Englisch müssen sie mindestens auf B2-Niveau beherrschen und eine weitere Fremdsprache vorweisen. Französisch ist ebenfalls Pflicht, kann aber auch noch während des Studiums gelernt werden.

Nur 60 von 1000 überstehen den Auswahlprozess

Von dem dualen Studium hat Westphal etwa ein Jahr vor seinem Abi von einer Bekannten aus dem Jahrgang über ihm gehört, die sich dafür beworben hatte. Er wollte nach der Schule ins Ausland, da habe sich das auch für ihn angeboten.

Dass er einen Studienplatz bekam, ist aber alles andere als selbstverständlich. Von den jährlich ungefähr 1000 Bewerbern können laut Ausbildungsleiter Mario Krebs am Ende des mehrstufigen Auswahlprozesses nur circa 60 das Studium antreten. Geprüft wird schriftlich und mündlich, logisches Denkvermögen und Sprachkompetenz, Vorträge halten und in Gruppen Probleme lösen.

Studenten erhalten Beamtenstatus auf Widerruf

Wer das Prozedere erfolgreich hinter sich gebracht hat, wird in der dreijährigen Studienzeit auf die späteren Aufgaben vorbereitet: Neben Sprachunterricht und Fächern wie Interkultureller Kompetenz, Krisenmanagement und Personalführung bedeutet das vor allem eine umfangreiche juristische und verwaltungstechnische Ausbildung. Dazu kommen längere Praxisphasen an der Berliner Zentrale des Auswärtigen Amtes und ein gut neunmonatiger Aufenthalt in einer deutschen Auslandsvertretung.

Um Deutschland beruflich im Ausland zu vertreten, muss man kein Diplomat sein. Foto: Markus Heine/dpa Vergrößern
Um Deutschland beruflich im Ausland zu vertreten, muss man kein Diplomat sein. © Markus Heine/dpa

Ein weiterer Punkt unterscheidet Westphals Studium von dem an einer „gewöhnlichen“ Hochschule. Die Studierenden erhalten den Beamtenstatus auf Widerruf und damit ein festes Gehalt: Knapp 1100 Euro gibt es für Alleinstehende, gut 400 Euro mehr für Verheiratete mit Kind.

Die erste Stelle ist schon in Sicht

Für Luis Westphal und seinen Jahrgang endet das Studium in wenigen Tagen – und damit die anstrengendste Phase der letzten drei Jahre. In schriftlichen und mündlichen Prüfungen müssen die Studierenden zeigen, dass sie den gesamten bisherigen Stoff sicher beherrschen. Wegen Corona fallen die Prüfungen in diesem Jahr nicht ganz so umfangreich aus. „Ab März hatten wir keine Präsenzlehre mehr“, berichtet Westphal. Der Unterricht sei dann auf E-Mails und Videokonferenzen umgestellt worden.

Dennoch: Schon seit April bereitet er sich auf die Abschlussprüfungen vor. Teilweise an vier bis fünf Stunden am Tag – zusätzlich zum normalen Unterricht und der Organisation des anstehenden Umzugs. Denn falls Westphal alle Prüfungen besteht, geht es für ihn bald nach Rabat, in die Hauptstadt Marokkos. An der Botschaft dort wird er seine erste Stelle antreten.

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