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Felix Möller/Tagesspiegel
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Serie „Mein Geld“ – Teil 7 Wie Sie die Aktien finden, die sich verzehnfachen

Tenbagger heißen Aktien, die ihren Wert verzehnfachen. Im Nachhinein wirkt diese Entwicklung oft logisch. Doch welche werden die nächsten sein?

In einzelne Aktien zu investieren gilt als großes Risiko. Unerfahrenen Anlegern wird davon üblicherweise dringend abgeraten – häufig von erfahrenen Anlegern, die auf diese Weise bereits viel Geld verloren haben. Genau die Aktien zu erwischen, die höhere Kursgewinne abwerfen als der Gesamtmarkt, ist unwahrscheinlich und in Person des Fondsmanagers ein hochbezahlter Job. Wobei auch diese nicht immer ein glückliches Händchen haben.

Einen Reiz hat es dennoch. Und so gibt es – auch dank einfacher und kostengünstiger Anlagemöglichkeiten per App – immer mehr Anleger, die zumindest einen kleinen Teil ihrer Investitionen in Einzelaktien stecken. Man sollte es allerdings eher als teures Hobby sehen denn als Investition. Zudem sollte man sich einen klaren finanziellen Rahmen setzen. Das, was Anleger da suchen, hat einen Namen: Tenbagger. Damit sind Aktien gemeint, die ihren Wert verzehnfachen („to bag“ bedeutet im Englischen „sich aufbauschen“). Wie kann man nun diese Aktien finden?

Das Ärgerliche an der Börse ist, dass der Blick zurück nur bedingt hilft. Hat sich eine Aktie bereits verzehnfacht, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie es nochmal tut, nicht allzu groß. Dennoch hilft der Rückblick am Anfang vielleicht, um sich vor Augen zu führen, dass diese Kursentwicklung gar nicht so unmöglich ist, wie sie auf den ersten Blick scheint.

Beispiel 1: Amazon

Wer Anfang 2015 eine Aktie des Jeff-Bezos-Imperiums kaufte, bezahlte damals rund 300 Euro. Inzwischen ist das Papier gut 3000 Euro wert. Man musste also schon damals kein Insider dafür sein; Amazon war bereits ein weltweit bekannter Konzern. Wer visionär war, hätte die Aktie schon 2006 kaufen können, als Amazon bekanntgab mit AWS eine Cloud-Sparte aufzubauen, die heute die Haupteinnahmequelle des Konzerns ist. Damals pendelte die Aktie zwischen 20 und 30 Euro. Man hätte also seinen Einsatz sogar verhundertfachen können.

Beispiel 2: Starbucks

Auch diese Marke kannte im Jahr 2010 wohl schon jeder und jede. Zu diesem Zeitpunkt hätte man die dazugehörige Aktie nämlich kaufen müssen, um sein Investment von circa zehn auf aktuell 100 Euro verzehnfachen zu können.

Beispiel 3: Adidas

Das ganze kann auch mit deutschen Firmen funktionieren. Lag die Aktie des Sportartikelherstellers noch 2009 bei rund 30 Euro sind es aktuell etwa 300.

Beispiel 4: Visa

Das elektronische Bezahlsystem gehört schon lange zum Alltag vieler Verbraucher. Das spiegelt sich auch im Aktienkurs. Noch 2012 lag der Wert bei rund 18 Euro, inzwischen ist er zehnmal höher. Wie bei fast allen Entwicklungen an der Börse wirkt das im Nachhinein eigentlich nur logisch und man könnte denken: Da hätte ich damals auch drauf kommen können.

Die Beispiele zeigen exemplarisch zwei Ansätze, mit denen man Tenbagger aufspüren kann. Amazon und Visa sind neue Technologien beziehungsweise Unternehmensideen gewesen, die sich weltweit durchgesetzt haben. Tritt eine solche Entwicklung ein, ist eine Verzehnfachung des Kurses nicht unwahrscheinlich. Das gilt vor allem für Tech-Unternehmen, deren Geschäftsmodell schnell skalierbar ist.

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Adidas und Starbucks wiederum sind Firmen, denen man eigentlich kein allzu großes Wachstum zutrauen würde. Schließlich ist ihr Geschäft personal- und ressourcenintensiv und kann deshalb nicht so schnell wachsen. Doch hier kommt der Zeitpunkt des Kaufs ins Spiel. Beide Kurse begannen nach der Finanzkrise zu steigen. Am Ende einer Krise kann man also auch bei traditionellen, aber gesunden Firmen Tenbagger suchen.

Wer werden die nächste Tenbagger?

Wer sind nun die Tenbagger der nächsten Jahre? Investor Frank Thelen, bekannt aus der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ hat jüngst einen Fonds aufgesetzt, der schon im Namen verspricht, sich zu verzehnfachen. „10xDNA“ heißt er und will gezielt die Tenbagger dieser Welt aufspüren. Der „Welt“ hat er jüngst verraten, welche Aktien er dafür auserkoren hat. Darunter sind Firmen, die wahrscheinlich die wenigsten Anleger kennen, aber auch bekannte Namen, denen der Investor noch eine gehörige Weiterentwicklung zutraut.

TuSimple etwa ist bislang eher unbekannt, kann laut Thelen aber ein 100-Milliarden-Dollar-Unternehmen werden. Die US-Firma arbeitet daran, autonom fahrende Lkw herzustellen und will 2024 in die Serienfertigung gehen. Auch Ginkgo Bioworks dürfte nicht vielen Börsianern ein Begriff sein. Das US-Biotechnologieunternehmen entwickelt Nahrungsmittel aus dem Labor.

Tesla hingegen ist bereits weltweit bekannt, hat schon eine Verzehnfachung des Aktienkurses hinter sich und findet sich dennoch in Thelen Fonds. Hier sieht er das Potential noch lange nicht ausgeschöpft. Vor allem aus den Daten, die Tesla durch die technologische Ausstattung der E-Autos schöpfen kann, könnten weitere Geschäftsmodelle erwachsen, meint Thelen und sieht deshalb trotz der bereits hohen Bewertung noch Potential für einen Tenbagger. Der Haken an Tesla: Mit 1000 Euro ist die Aktie bereits so teuer, dass sie das Hobby-Budget der meisten Anleger wohl um einiges überschreitet.

(Die weiteren Teile der Serie werden in den kommenden Wochen auf tagesspiegel.de/mein-geld und sonntags in der Zeitung erscheinen.)

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