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Die Mitarbeiter von Zalando werden in den nächsten Wochen die neue Zentrale beziehen. Foto: Jörg Carstensen/dpa
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Onlineplattform Zalando dreht auf

Oliver Voss

Der Online-Modehändler bezieht seine neue Zentrale in Berlin-Friedrichshain. Dort sollen die Mitarbeiter der Strategie von Amazon nacheifern.

Auf allen Schreibtischen liegen noch Kabel, und an den schwarzen Bürostühlen baumeln die Etiketten der Hersteller, sonst fehlt nicht mehr viel im neuen Hauptquartier von Zalando. Bis auf die Mitarbeiter. Doch die sollen nun in den kommenden Wochen die Zentrale direkt neben der Mercedes-Benz-Arena beziehen und mit Leben füllen.

Damit wird auch das neue Stadtviertel nördlich der East-Side-Gallery, zwischen den S-Bahnhöfen Warschauer Straße und Ostbahnhof Schritt für Schritt fertig. Rund um die Konzertarena und Spielstätte von Alba Berlin und den Eisbären haben zuletzt schon eine neue Mall, Kinos und Restaurants eröffnet. Doch neben den Amüsierwilligen und Touristen wird ein Großteil der Menschen hier täglich kommen und gehen, um daran zu arbeiten, Zalandos Position als größter Online-Modehändler Europas auszubauen. 6000 Menschen arbeiten insgesamt schon hier auf dem Zalando-Campus, der aus insgesamt neun Gebäuden auf dem Gelände besteht. Allein 2500 von ihnen sollen künftig in dem aus zwei Teilen bestehenden Hauptgebäude arbeiten. Damit entsteht wieder Platz für die ständig nachströmenden neuen Mitarbeiter: Aktuell hat Zalando mehr als 500 Stellen in der Stadt ausgeschrieben.

Zukünftig wird auf die Strategie von Amazon gesetzt

„Die Götter“, wie das Triumvirat der drei Co-Chefs Rubin Ritter, Robert Gentz und David Schneider, intern auch genannt wird, hielten gestern schon einmal in der neuen Zentrale Hof. Sie präsentierten die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr und erläuterten dann im Atrium vor Investoren die Strategie für die nächsten Jahre. „Wir wollen mehr als drei Mal so stark wachsen wie der gesamte Online-Modemarkt“, sagte Ritter. Dabei setzt das Unternehmen verstärkt auf eine Plattformstrategie wie bei Amazon: die Partner verkaufen Kleidung auf eigenen Markenseiten, Zalando kümmert sich um die Abwicklung. Der Umsatzanteil des Partnerprogramms werde bis 2023/24 von jetzt zehn auf etwa 40 Prozent steigen, kündigte Ritter an.

Doch die Strategie hat einen Nachteil: Zalando bekommt nur eine Umsatzbeteiligung zwischen zehn und 25 Prozent. Zusätzliche Einnahmen soll daher Werbung bringen: Die Marken sollen verstärkt dafür bezahlen, um auf der Zalando-Plattform sichtbar zu sein. Amazon macht es genauso und zeigt das Potenzial: Der Konzern hat allein mit seinem Werbegeschäft im Vorjahr schätzungsweise zehn Milliarden Dollar eingenommen - doppelt so viel wie Zalando insgesamt.

Auch an Amazon und dessen Prime-Dienst orientiert sich das Mitgliederprogramm Zalando Plus. Gegen eine Jahresgebühr von 15 Euro werden Kunden zum Beispiel schneller beliefert oder können sich in Stilfragen beraten lassen. Das Programm soll ausgeweitet werden und wird künftig auch in der Schweiz und Italien angeboten. Zudem stellt Zalando neue Angebote für die Mitglieder in Aussicht, beispielsweise früheren oder exklusiven Zugang zu besonderen Artikeln.

„Wir verfolgen eine Clean-Desk-Policy“

Auch der Vorstand wird erweitert: Jeweils ein Finanz- und Technik-Chef unterstützen die drei Geschäftsführer ab April. Dann soll sich auch die neue Zentrale in der Valeska-Gert-Straße mit Leben füllen. Das Gebäude ist um ein großes nach oben offenes Atrium gebaut, überall dominiert grauer Sichtbeton.

In den eigentlichen Großraumbüros stehen an den Wänden hüfthohe Regalreihen aus hellen Holzkisten. Hier sollen die Mitarbeiter nach getaner Arbeit ihre Unterlagen und Utensilien verstauen. „Wir verfolgen eine Clean-Desk-Policy“, sagt Robert Höhne, der für die Gebäudeplanung verantwortlich ist. Auf Deutsch: Jeder Mitarbeiter räumt am Abend seinen Schreibtisch frei, es gibt keine festen Arbeitsplätze. Die verschiedenen Teams haben zwar eigene Bereiche, die bei Zalando „home zone“ heißen, doch dort muss sich jeder jeden Morgen einen freien Platz suchen.

„Die meisten bei uns wollen flexibel und nicht immer am gleichen Platz arbeiten“, sagt Höhne. Daher gibt es auch zahlreiche Bänke, offene Küchen und andere Bereiche, in denen sich Gruppen treffen können, um an Projekten zu arbeiten. Besonders gefragt dürfte die große Dachterrasse sein: Sie bietet auf der einen Seite einen eigenen Basketballplatz und eine tolle Aussicht über die Stadt, von der Spree und East Side Gallery, über Alexanderplatz, Berghain und Frankfurter Allee.

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