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2020 stieg der Lieferdienst Delivery Hero in den Deutschen Aktienindex (Dax) auf. Profitabel ist das Berliner Unternehmen nicht. Foto: dpa
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Noch in diesem Jahr Delivery Hero soll endlich Gewinn machen

Corona ließ den Umsatz mit Essenslieferungen explodieren doch die Zahlen blieben tiefrot. Das will der Berliner Dax-Konzern bald ändern.

Das „hässliche Entlein im Dax“ soll endlich profitabel werden. Noch in diesem Jahr will der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero die Gewinnschwelle erreichen. Im vierten Quartal 2022 werde mit einem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen null und 100 Millionen Euro gerechnet, teilte der Konzern mit. 2023 wolle man dann „in einer Position sein, um die Gewinnschwelle auf Konzernebene knacken zu können“, sagte Delivery-Hero-Chef Niklas Östberg am Dienstag.

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An der Börse wurde die Ankündigung positiv aufgenommen, die Aktie des Unternehmens legte am Dienstagvormittag 6,5 Prozent zu. Seit dem Aufstieg in den Deutschen Aktienindex Mitte 2020 – nach dem Rauswurf von Wirecard – gilt Delivery Hero dort als Fremdkörper. Das Unternehmen muss sich nicht nur Schmähungen wie die eingangs aus der FAZ zitierte gefallen lassen, sondern auch immer wieder die Frage: Was hat eine Firma, die keinen Gewinn macht, in der obersten deutschen Börsenliga zu suchen? Was in der Start-up-Welt, aus der die Berliner kommen, als normal gilt, ist an der Börse für viele nach wie vor ein Sakrileg.

Rote Zahlen trotz Liefer-Boom

Denn auch wenn das Geschäft mit Essenslieferungen in der Pandemie boomte, die Zahlen von Delivery Hero blieben tiefrot. Im ersten Halbjahr 2021 steigerte der Konzern zwar seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 100 Prozent, doch der Verlust verdoppelte sich ebenfalls. Auch für das abgelaufene Gesamtjahr ist mit einem großen Fehlbetrag zu rechnen. Der Lieferdienst muss sich sein Wachstum offenbar weiter teuer erkaufen.

Erst nach dem laufenden Quartal sollen die Ausgaben nach Angaben des Konzerns langsam sinken. Delivery Hero investiert derzeit vor allem in den sogenannten Quick Commerce – Lebensmittellieferungen auf dem Fahrrad in zehn Minuten oder weniger, wie sie hierzulande die Start-ups Gorillas und Flink anbieten. Ab April sollen die Ausgaben auf diesem Gebiet schrittweise zurückgefahren werden.

Weniger Geld für blitzschnelle Lieferdienste

An Gorillas beteiligte sich Delivery Hero im Oktober mit 200 Millionen Euro. Der Marktführer Flink wird unter anderem von Rewe finanziert. Seinen eigenen Schnell-Lieferdienst Foodpanda stellte Delivery Hero hingegen jüngst nach kurzer Probephase in Deutschland wieder ein. Erst im Sommer war das Unternehmen mit dem Projekt auf seinen Heimatmarkt zurückgekehrt. Wir haben nicht unendlich Geld“, sagte CEO Niklas Östberg zur Begründung.

Und das gibt er offenbar lieber andernorts aus. Zum Jahreswechsel übernahm Delivery Hero die Mehrheit am spanischen Lieferdienst Glovo. Dessen Geschäft in 25 Ländern und 1300 Städten, das im Heimatland Spanien schon bald profitabel sei, solle in die Gewinnziele für das vierte Quartal bereits einfließen, hieß es von Delivery Hero.
Was weitere Übernahmen angeht, gibt sich Östberg aber zurückhaltend. „Wir benötigen keine Akquisitionen“, so der Delivery-Hero-Chef. „Wenn der Preis richtig ist, werden wir Zukäufe prüfen. Da jede größere Übernahme für uns allerdings verwässernd wäre, ist es sehr unwahrscheinlich.“ (mit Reuters)

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