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In Städten sind E-Tretroller bereits an jeder Straßenecke präsent. Foto: Jens Kalaene/dpa
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Mobility-Podcast „Fast Lane“ „Tretroller-Sharing ist kein Konzept fürs Land“

In den Städten wird der Sharing-Markt weiter wachsen. Das prognostiziert der Gründer des Dienstleisters Wunder. Doch die Entwicklung ist kein Selbstläufer.

Obwohl sich in Berlin, Hamburg und München schon heute an manchen Stellen die E-Roller auf den Bürgersteigen stapeln, rechnet der Hamburger Sharing-Spezialist Wunder bis Ende des Jahrzehnts mit einem weiteren Boom für geteilte Mobilitätsangebote. „Der Sharing-Markt ist noch unglaublich klein“ und stehe erst ganz am Anfang, sagt Gunnar Froh, Gründer und Chef des Start-ups im Podcast „Fast Lane“ von Tagesspiegel Background.

Selbst in Großstädten in Europa, wo Sharing schon „an jeder dritten Ecke“ angeboten werde, würden derzeit nur ein Prozent der Fahrten in der Stadt mit geteilten Fahrzeugen durchgeführt. Da sei noch viel Luft nach oben. Bis 2030 könnte der Anteil um das Zehnfache steigen, prognostiziert Froh.

Corona hat der Sharing-Branche allerdings stark zugesetzt. Und auch der Krieg in der Ukraine dürfte Spuren hinterlassen. Zwar hat es Wunder nicht ganz so stark getroffen wie die Anbieter von Fahrzeugen selbst. Doch auch Froh musste sich als Krisenmanager beweisen. Der 39-Jährige ist Gründer und Geschäftsführer. Zuvor hatte er eine Plattform für Wohnungsvermittlungen gegründet und später an Airbnb verkauft.

Konkurrenzkampf bleibt groß

Der Konkurrenzkampf unter den Anbietern bleibt trotz der Wachstumsprognosen groß, gibt Froh zu. Nicht alle überleben. Einige werden von Wettbewerbern geschluckt, fusionieren oder geben auf. Gleichzeitig drängten jedoch nach wie vor neue Unternehmen in den Markt, beobachtet der Gründer. Dass sich irgendwann ein alleiniger Anbieter durchsetzt, ähnlich wie Google im Bereich der Suchmaschinen, hält Froh mit Blick auf den Markt für Mobilitätsdienstleistungen für unwahrscheinlich. Allein in Deutschland werden sich einige hundert Anbieter behaupten können, glaubt er.

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Für das Fortbestehen eines fragmentierten Marktes spricht, dass Mobilität für die letzte Meile stark durch die Kommunen reguliert wird, sodass sich Auflagen und Regeln von Region zu Region unterscheiden. Lokale Expertise ist gefragt. Das stellt auch die großen Technikkonzerne vor Herausforderungen.

„Es gibt für jede Situation ein bestes Verkehrsmittel“, glaubt Wunder-CEO und Gründer Gunnar Froh. Foto: promo Vergrößern
„Es gibt für jede Situation ein bestes Verkehrsmittel“, glaubt Wunder-CEO und Gründer Gunnar Froh. © promo

Bis heute werde die Sharing-Branche ihrem eigenen Anspruch, eine Alternative zum privaten Pkw zu bieten, nach wie vor allerdings nicht gerecht, sagt Froh. „Die bisher verfügbaren Fahrzeuge erfüllen die Ansprüche bei Bequemlichkeit und Preis nicht.“ Niemand wolle bei Regen ein E-Bike fahren, in solchen Fällen fällt die Entscheidung vielfach zugunsten das Privatautos aus. Neue Konzepte müssten her, wie die bereits in Amsterdam fahrenden Mini-Autos, die an einen Golf-Caddy erinnern, fordert Froh. Der 39-Jährige geht davon aus, dass in den kommenden Jahren noch etliche neue Fahrzeugtypen entwickelt werden. Es brauche einen Mix an Fahrzeugen.

Um Sharing zum Erfolg zu führen, sind auch die Städte gefragt

Froh: „Es gibt für jede Situation ein bestes Verkehrsmittel“, das hänge auch von den zurückzulegenden Distanzen ab. E-Tretroller-Sharing sei kein Konzept für das Land. Diese Fahrzeuge seien für Strecken von zwei oder drei Kilometern geeignet, in ländlichen Regionen reiche das nicht. Damit Sharing-Fahrzeuge einen Beitrag zur Verkehrswende leisten, müsse gleichzeitig der Besitz des privaten Pkw unattraktiver werden, beispielsweise durch steigende Parkgebühren.

2014 war Wunder – damals noch unter dem Namen „Wunder Car“ – als Uber-Konkurrent gestartet. Weil die Vermittlung von Fahrten zwischen Privatpersonen aus Sicht der Hamburger Behörden jedoch gegen das geltende Gesetz verstieß, wich das Start-up nach Asien und Südamerika aus. Inzwischen ist Wunder nach Deutschland zurückgekehrt und hat sich auf das Geschäft mit Mobilitätssoftware fokussiert.

Die Technik des Start-ups mit weiteren Büros in Deutschland und den USA steckt in E-Roller-, Carsharing- und E-Moped-Anwendungen. Zu den Kunden gehört unter anderem der Berliner E-Moped-Verleiher Emmy, der im vergangenen Jahr von dem israelischen Konkurrenten Goto Global übernommen wurde.

Seit einiger Zeit verkauft Wunder neben Software auch E-Roller und E-Bikes und arbeitet dafür mit einem chinesischen Anbieter zusammen. Bisher verfügbare Fahrzeuge seien häufig sehr fehleranfällig, deshalb habe man solche konzipiert, die die Anforderung an die geteilte Nutzung erfüllen, begründet Froh diesen Schritt. Selbst wieder als Sharing-Anbieter aktiv zu werden, schließt Froh für Wunder aus.

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