Humanoider Roboter "Sophia" von Hanson Robotics aus Hong Kong: Die EU will bei der Technologie aufholen. Foto: Fabrice Coffrini/AFP
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Investitionsprogramm EU fordert 20 Milliarden für Künstliche Intelligenz

Im Wettlauf mit den USA und China will die EU zwei Milliarden Euro in KI investieren. Benötigt wird aber viel mehr.

Die EU-Kommission will die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Europa deutlich stärken. „KI verändert die Welt, wie in der Vergangenheit Elektrizität und die Dampfmaschine“, sagte Vizepräsident Andrus Ansip. Es sei eine der entscheidenden strategischen Technologien für das 21. Jahrhundert. „Wir müssen bis Ende 2020 mindestens 20 Milliarden Euro investieren“, fordert Ansip. Diese Summe soll aus öffentlichen und privaten Geldern zusammen kommen. Die EU selbst kündigte an, ihre Förderung für KI zwischen 2018 und 2020 auf 1,5 Milliarden Euro zu erhöhen - das ist eine Steigerung um 70 Prozent. Es soll im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon 2020 ausgegeben werden und dabei weitere 2,5 Milliarden Euro an Ko-Investitionen mobilisieren. Zudem sollen über den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) weitere 500 Millionen Euro in Start-ups fließen.

KI-Plan und Ethikrichtlinien bis Ende 2018

Die Kommission will gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten bis Jahresende einen Plan zu KI ausarbeiten, um auch die nationalen Aktivitäten zu stärken und zu koordinieren. Zeitgleich wird eine Arbeitsgruppe ethische Richtlinien zu KI ausarbeiten, die bis Ende 2018 vorgestellt werden sollen. Da KI-Software mit großen Datensätzen trainiert wird, will die EU auch die Verfügbarkeit von Daten verbessern. Sie machte dazu verschiedene Vorschläge, um Daten des öffentlichen Sektors einfacher zugänglich zu machen. Dazu gehört eine Cloud für offene Wissenschaft und Maßnahmen zum sicheren Umgang von Gesundheitsdaten.

Industrie fordert weitere Anstrengungen

„Es ist höchste Zeit, dass sich die Europäische Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten ehrgeizige Ziele setzt“, sagte Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). Sie fordert jedoch deutlich höhere Investitionen der Mitgliedsstaaten: „Die Staatengemeinschaft darf sich nicht in Erbsenzählerei verlieren“. Auch der Digitalverband Bitkom begrüßt die Pläne, fordert aber noch höhere Investitionen. „Europa und besonders Deutschland waren in den vergangenen Jahrzehnten bei KI-Entwicklung vorn, nun geben die USA und China das Tempo vor“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Die geplanten Summen könnten daher nur ein Anfang sein und müssten im nächsten Haushalt deutlich angehoben werden.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte gerade auf der Hannover Messe eine Aufholjagd im Bereich der KI angemahnt. „Wir müssen sehen, dass gerade im Bereich der Künstlichen Intelligenz andere sehr extrem investieren“, sagte die Kanzlerin.  Deutschland und Europa dürften auf diesem Gebiet nicht weiter hinter die USA und China zurückfallen.  Gerade China investiert enorm und will 2030 der führende globale Anbieter bei KI. Die Bundesregierung plant daher einen „nationalen Masterplan KI“ und gemeinsam mit Frankreich ein neues KI-Zentrum.  Details dazu werden nach ersten Treffen derzeit ausgearbeitet.

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