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Ein Kunde steht am in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor einem Supermarktregal. Foto: picture alliance/dpa/Oliver Berg
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Update Inflationsrate im August bei 3,9 Prozent Teuerungsrate frisst die Erhöhungen der Tariflöhne weiter auf

Die Inflation verharrt im August auf hohem Niveau. Selbst Lohnsteigerungen führen so zu weniger Kaufkraft. Ökonomen sehen noch immer keinen Grund zur Sorge.

Die Inflationsrate in Deutschland bleibt auf hohem Niveau. Im August lag die Teuerungsrate nach vorläufigen Zahlen bei 3,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Die Zahl bemisst sich am Preislevel des Vorjahreszeitraumes. Im Vergleich zum Vormonat blieben die Preise hingegen stabil, da schon im Juli dieses Jahres eine Teuerung von 3,8 Prozent gemessen wurde.

„Der Anstieg der Inflationsrate seit Juli 2021 hat eine Reihe von Gründen, darunter Basiseffekte durch niedrige Preise im Jahr 2020“, schreiben die Statistiker in einer Mitteilung zu den Zahlen. „Hier wirken sich insbesondere die temporäre Senkung der Mehrwertsteuersätze und der Preisverfall der Mineralölprodukte noch bis zum Jahresende 2021 erhöhend auf die Gesamtteuerung aus.“ Hinzu kämen auch die Einführung der CO2-Bepreisung seit Januar 2021 sowie krisenbedingte Effekte.

Der größte Kostentreiber war auch im vergangenen Monat die Energie. Hier stiegen die Preise im August um 12,6 Prozent mit Blick auf den Vorjahresmonat. Nahrungsmittel verteuerten sich um 4,6 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich mit 2,5 Prozent unterdurchschnittlich, ebenso wie Wohnungsmieten mit 1,3 Prozent. Auch wenn diese Preissteigerungen inzwischen durchaus ein Maß erreicht haben, das Verbraucher direkt im Portemonnaie und auf dem Konto spüren, sehen Ökonomen die Effekte nicht als Problem an.

Verdienstzuwachs unterhalb der Inflationsrate

„Es ist damit zu rechnen, dass zwar bis zum Jahresende die Inflation noch hoch bleibt und auch vorübergehend über 4 Prozent steigen könnte, schon im Januar 2022 aber wieder deutlich nachgeben wird“, sagt etwa Sebastian Dullien, wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. Auch wenn in der ersten Jahreshälfte 2022 die Inflation noch etwas über 2 Prozent liegen könnte, werde sich der Wert mittelfristig wieder um 2 Prozent oder darunter einpendeln, also bei dem Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Eine Lohn- und Preisspirale, die zu dauerhaft höherer Inflation führt, sei nicht zu erwarten.

Tatsächlich halten die Verdienstzuwächse etwa der Millionen Tarifbeschäftigten in Deutschland nicht Schritt mit der steigenden Inflation. Die Tariflöhne erhöhten sich von April bis Juni um durchschnittlich 1,9 Prozent zum Vorjahresquartal, wie das Statistische Bundesamt ebenfalls am Montag mitteilte. Werden Sonderzahlungen wie Corona-Boni ausgeklammert, lag das Plus demnach sogar nur bei 1,4 Prozent. Schon in diesem Zeitraum war das Plus bei den Verbraucherpreisen mit 2,4 Prozent deutlich höher. Und die hohen Inflationsraten der Sommermonate waren da noch nicht mal eingerechnet.

Grüne fordern höheren Mindestlohn

In den einzelnen Wirtschaftsbereichen war das Gefälle allerdings groß. Im Verarbeitenden Gewerbe sowie bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern lag das Tarifplus mit 2,8 Prozent über der Inflationsrate. Auch im Baugewerbe (+2,5 Prozent), im Gastgewerbe sowie im Gesundheits- und Sozialwesen (jeweils +2,4 Prozent) stiegen die Tarifverdienste schneller als die Preise. Anders sieht es in der Land- und Forstwirtschaft aus. Hier gab es lediglich ein Plus von 1,0 Prozent. Bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern fiel der Zuwachs mit 1,1 Prozent einen Tick höher aus, ebenso im Bereich Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung mit 1,2 Prozent.

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Für Dullien könnte das negative Auswirkungen auf die Konjunktur haben. Für sich genommen bedeute ein Rückgang der kaufkraftbereinigten Löhne einen Dämpfer für die private Konsumnachfrage. Dies werde allerdings kurzfristig durch den sich abzeichnenden Beschäftigungszuwachs und den Rückgang der Kurzarbeit kompensiert. „Mittelfristig wäre es aber für die Konsumnachfrage gut, wenn die Löhne wieder etwas stärker steigen würden“, sagte der Ökonom.

Auch in der Politik sieht man keinen Grund zur Sorge in den neuen Zahlen, Munition für den Wahlkampf hingegen schon. „Das Problem ist nicht, dass vorrübergehend die Preise steigen, sondern dass Millionen Deutsche mit Löhnen abgespeist werden, die auch ohne Inflation zum Leben nicht reichen“, sagte der grüne Europapolitiker Rasmus Andresen dem Tagesspiegel und forderte als Schlussfolgerung eine Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro pro Stunde.

"Für Europa und Menschen mit wenig Einkommen ist das niedrige deutsche Lohnniveau ein viel größeres Problem", so Andresen weiter. Verlierer der hohen Exportüberschüsse seien somit die Arbeitslosen in Südeuropa und Millionen Deutsche in Armutslöhnen.

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