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Das Riesenbauwerk ließ sich nur schwer vermarkten

Seit Mitte der 1990er Jahre wurde das Rotterdamer Hafengebiet in ein Wohn- und Arbeitsgebiet umgewandelt. Foto: mauritius images/VIEW Pictures/Inigo Bujedo Aguirre
Vertikale Stadt in Rotterdam Wohnen, Arbeiten und Shoppen unter einem Dach

Doch die Vertikalität ist in Rotterdam auch eher nur Behauptung. Am Ende musste sich alles dem Kalkül des (im Laufe der Jahre mehrfach wechselnden) Bauherren-Investors fügen. Daraus macht der Vertreter von OMA im Gespräch durchaus keinen Hehl. Das Riesenbauwerk ließ sich anfangs nur schwer vermarkten. Und so musste die Stadtverwaltung als „Ankermieter“ den Anfang machen. Sie quartierte sich im durchgehenden Turmteil ein. So hatte man sich im unternehmungslustigen Rotterdam die Sache wohl nicht vorgestellt. Erst danach ging die Rechnung auf, in einem Gebäudeteil ein Hotel unterzubringen, in zwei weiteren Teilen Apartments mit Größen zwischen 80 und 150 Quadratmetern. Auf den restlichen Flächen wurden – natürlich – Büros angeboten.

Das Foyer ist als Gemeinschaftszone konzipiert. Mit einigen Abstrichen. Denn die Wohnungsmieter (70 Prozent) und -eigentümer (30 Prozent) legten Wert auf einen exklusiven und extra gesicherten Zugangsbereich. Auch das Hotel mit seiner Rezeption sollte nicht einfach in eine quasi-öffentliche Zone integriert werden. So blieb lediglich die Mitte des Sockelgeschosses zum Durchwandern von der Straße zum Ufer frei, ein bisschen aufgepeppt durch einen mobilen Kaffeeausschank. Gewiss, es gibt auch Restaurants, doch gediegene Gastronomie findet sich auf Kop van Zuid anderenorts, namentlich im markanten historischen Kopfbau der Schifffahrtsgesellschaft „Holland America Line“, der von der Eröffnung an als instant success allabendlich ein jugendliches Publikum in den weiträumigen, ehedem für Amerika-Auswanderer vorgesehenen Wartesaal lockt.

Das Hotel der Kette „nhow“, das die Etagen 6 bis 22 des Ostturms okkupiert, tut sich durch viel Design der Richtung „jung und hip“ hervor – wie auch in Berlin.

Die Fenster lassen sich nicht öffnen, Lüftungsklappen müssen genügen

Jüngere Firmenbelegschaften kommen in Rotterdam gerne zu Wochenend-Incentive-Seminaren. Abends frequentieren sie gemeinsam mit Rotterdamer Stadtbewohnern die riesige Bar im sechsten Stockwerk, deren Terrasse mit herrlichem Blick auf die Skyline der hoch aufgeschossenen Innenstadt von Rotterdam auf dem Parkhaus-Unterbau aufliegt.

Spektakulär sind die Ausblicke von jenen Zimmern, die auf den Fluss, die Neue Maas, hinausgehen. Da stören denn auch die konstruktionsbedingten, mächtigen Vierkantpfeiler nicht, die durch alle Etagen reichen und das Gebäude mit seinen Vorhangfassaden tragen. Man hat sie gelegentlich vor der Nase. Beim Fensteröffnen hindern sie nicht – denn die raumhohen Fenster lassen sich gar nicht öffnen. Lüftungsklappen müssen genügen, aus Gründen der Sicherheit, wohl aber auch aufgrund der heftigen Winde am Ufer eines breiten, wie eine Schneise vom Meer in die Stadt hineinreichenden Mündungsflusses.

„Wir suchten nach einer zeitlosen Architektur“, sagt der OMA-Vertreter noch: „Mit unterschiedlichen Fassaden hätte es doch sehr nach 90er Jahren ausgesehen.“ Das darf man wohl als Anspielung auf die Experimentierfreude von OMA zu Beginn ihrer längst weltumspannenden Tätigkeit verstehen. Bei einem Gebäudekomplex, der am Ende mit 350 Millionen Euro Baukosten zu Buche schlug, ist die Wahl einer ästhetisch dauerhaften Gestaltung indessen verständlich. Die verbal so gern beschworene „Vertikale Stadt“ jedoch ist auch in Rotterdam nicht Wirklichkeit geworden, und Kop van Zuid ist kein Manhattan en miniature, trotz mittlerweile mehrerer Wohntürme bis hinauf zu dem schlanken Viereckturm von Álvaro Siza Vieira mit seinen 153 Metern. Das tut indessen dem Stolz der Kommune, ein solches Rekordbauwerk wie „De Rotterdam“ als sichtbares Zeichen seiner urbanen Erneuerung zu besitzen, keinen Abbruch.

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