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Theresa Keilhacker, Präsidentin der Architektenkammer Berlin, möchte, dass in Berlin weniger abgerissen wird.  Till Budde
©  Till Budde

Stadtentwicklung „Lieber in die Höhe gehen, als in die Freiräume reingrätschen“

Theresa Keilhacker ist neue Präsidentin der Architektenkammer Berlin

Der diesjährige „Tag der Architektur“, der an diesem Wochenende . am 26. und 27. Juni - bundesweit und damit auch in Berlin stattfindet, wird ihr erster öffentlicher Termin in neuer Funktion sein: Die freischaffende Architektin Theresa Keilhacker wurde am 20. Mai von der 11. Vertreterversammlung der Architektenkammer Berlin zur Präsidentin gewählt. Bis 2025 wird sie in diesem Amt sein, dessen Facetten sie kennt. Theresa Keilhacker hat bereits von 2013 bis 2017 die berufspolitischen Interessen der Kammermitglieder als Vizepräsidentin vertreten. Sie war in dieser Funktion auch für den Aufbau und die Pflege internationaler Kontakte zuständig. 2014 wurde sie in die Kommission für nachhaltiges Bauen (KNBau) am Umweltbundesamt berufen.

Die bisherige Präsidentin, Christine Edmaier, die dieses Amt seit 2013 in den letzten beiden Legislaturperioden innehatte, hatte nicht mehr kandidiert.

Die Architektenkammer Berlin hat 9500 Mitglieder. Die Fachrichtungen Architektur, Landschaftsarchitektur, Innenarchitektur und Stadtplanung haben Sitz und Stimme in ihren Gremien.

Als Architektin aus Leidenschaft sehe sie mit wachsender Sorge, dass der Berufsstand von allen Seiten unter Druck stehe, sagte sie nach der Wahl. Deshalb seien ihr eine qualitätsvolle Aus- und Fortbildung, Gleichstellung im Beruf, faire Verträge, angemessene Bezahlung, aktive Nachwuchsförderung und Wettbewerbsverfahren wichtig.

Keilhacker ist seit vielen Jahren in der Kammer und in der Stadtgesellschaft aktiv. Besonders vehement setzte sich für den Checkpoint Charlie ein, wo es ihr gelang, gemeinwohlorientierte Planungen zu verankern und Freiräume ins Zentrum der Überlegungen zu stellen. Mit Blick auf die Kammergeschäfte will die neue Präsidentin die Wahrnehmung der Standesvertretung in Politik, Gesellschaft und Medien verbessern. Dabei würde als Leitbild das nachhaltige Planen und Bauen eine zentrale Rolle spielen, um der gesellschaftlichen Verantwortung des Dreiklangs von Ökologie, Ökonomie und sozialen Belangen in ausgewogenem Maße gerecht zu werden, gab sie zu Protokoll. Bereits seit 2007 ist sie Mitglied im Rat für Stadtentwicklung; bereits von 2005 bis 2013 war sie Vorsitzende des Ausschusses Nachhaltiges Planen und Bauen der Architektenkammer Berlin.

Die neue Präsidentin der Architektenkammer Berlin möchte die "Prozessqualitäten" verbessern

Keilhacker ist ein Mensch der leiseren Töne, gleichwohl bestimmt und entschieden. Sie möchte ein Klima schaffen, wo alle gehört werden und alle zuhören. Dass ihr das gelingen dürfte, ist im Auftaktgespräch zum diesjährigen „Tag der Architektur“ zu verfolgen, das als Podcast online im Netz steht. Hier formulierte Keilhacker so etwas wie ihr "Regierungsprogramm" für die kommenden vier Jahre. „Wichtig für die weitere Entwicklung ist es, die „Prozessqualitäten“ zu verbessern, die auch viel mit der Verwaltungsstruktur Berlins zu tun haben“, sagte Keilhacker mit Blick auf die mitunter zähen Bebauungsplan– und Baugenehmigungsverfahren in der Hauptstadt, in der Bezirke und Senatsverwaltungen mal „Hü“, mal „Hott“ sagen – je nach politischer Couleur, permanente Strategiewechsel eingeschlossen. „Wir haben viele Zielkonflikte aufgrund des rasanten Wachstums der letzten Jahre“, appelliert Keilhacker an den Gemeinsinn. „Dass wir mehr Stringenz in die Qualitäten bringen“ – das dürfte sich jeder wünschen, der offenen Auges durch die Stadt geht. Wichtig sind der Kammerpräsidentin das Zusammenwirken von Außenraum und Gebäuden. Nicht nur die Pandemie hat Wünsche nach grünen Freiräumen offengelegt.

Weitenbauen und Umbaukultur im Vordergrund

„Lieber in die Höhe gehen, als in die Freiräume reinzugrätschen“, schlägt Keilhacker vor. Damit ist eine neue Diskussion in der Stadt aufgemacht, die über den Hochhausentwicklungsplan der scheidenden Senatsbaudirektorin Regula Lüscher allein noch nicht zu lösen ist. Zuguterletzt möchte Keilhacker das Weiterbauen des Gebäudebestandes und eine neue Umbaukultur in den Vordergrund stellen. Hier gibt es mit den ehemaligen Regierungs- bzw. Stasikrankenhäusern in Buch Beispiele für Gebäudemassen, die die Stadt derzeit noch im Abriss zu be- und überwältigen gedenkt. Ob es ihr gelingt, das Thema erhaltenswerte Bausubstanz besonders im Fokus zu stellen, wird am verfallenden BVG-Straßenbahndepot in Niederschönhausen zu überprüfen sein. Frau Keilhacker hat sich viel vorgenommen.
Das Auftaktgespräch zum diesjährigen „Tag der Architektur“ in Berlin ist zu hören unter: www.ak-berlin.de/podcast. Die Programmpunkte finden sich unter: www.ak-berlin.de/baukultur/tag-der-architektur/tag-der-architektur-2021.html

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