Checkpoint Charlie ist heute ein Magnet für Touristen aus aller Welt. Foto: Imago/Ipon
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Denkmalschützer Jörg Haspel „Eine Zukunft für die Vergangenheit schaffen“
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„Am Checkpoint Charlie muss etwas geschehen“

Eine Art Freilichtmuseum ist auch der Checkpoint Charlie. Sie haben frühzeitig vor einer Kommerzialisierung dieses Ortes gewarnt. Was ist zu tun?

Nichts zu tun und es so zu belassen, wäre ein totales Versagen. Es muss etwas an dieser Stelle geschehen. Wir haben dafür plädiert, dass man unsere Vorstellungen von der Wiederherstellung eines „Zwischenkriegszustandes“ an so einer prominenten Stelle überdenkt. Der Checkpoint Charlie ist nicht deshalb weltberühmt geworden, weil dort eine barocke Stadtentwicklung stattgefunden hat, die sich im 19. Jahrhundert fortgesetzt hat. Sondern berühmt geworden ist er als ein Ort der Auseinandersetzung im Kalten Krieg. Das hat diesen Raum mitgeprägt. Die Zäsur oder die Brüche, die Offenheiten oder Fehlstellen, die transportieren auf eine eigentlich sehr offenkundige Art und Weise: Da stimmt etwas nicht, das irritiert im Stadtgrundriss. Diese Irritation versuchen wir beizubehalten.

Dann müssten Sie auch dafür sein, das Wachhaus der Alliierten, das man mit Hilfe eines Kranes abtransportiert hat, unter Denkmalschutz zu stellen und wieder dorthin zu bugsieren. Um eine historisch richtigere Situation wiederherzustellen.

Das weiß ich nicht. Die Frage der Offenheit zwischen Zimmerstraße und Friedrichstraße ist entscheidend dafür, wie der Ort wahrgenommen wird von Passanten, die in Ost-West-Richtung, aber auch von Süden und zurück sich begeben und dass es auch mal möglich sein muss nicht den Mummenschanz fortzusetzen aber durch Zeichensetzungen auch noch mal zu markieren: Wo stand eigentlich was? Um so die Imagination der Besucher auf eine positive Weise anzusprechen.

Sie kämpfen für die St.-Hedwigs-Kathedrale in Mitte. Es müsse alles daran gesetzt werden, den 1963 fertiggestellten „deutschlandweit einzigartigen Sakralraum einer Bischofskirche zu bewahren“. An anderen Stellen der Stadt sind Denkmalschützer weitaus flexibler, etwa bei der Frage, was zwischen die historischen Giebel des früheren Zentralviel- und Schlachthofes in Prenzlauer Berg eingebaut werden durfte. Messen Sie mit zweierlei Maß?

Nein. Die Ausgangsvoraussetzungen sind total unvergleichlich. Sie haben auf diesem Vieh- und Schlachthofgelände seit der Schließung und seit der Wende im Grunde genommen ein leerstehendes Areal, das sukzessive im Rahmen eines Entwicklungsgebietes wieder unter Dach und Fach gebracht wurde. Von diesem ruinenhaften Zustand ist die St. Hedwigs-Kathedrale nun meilenweit entfernt. Sie ist total intakt, total stimmig und als Denkmal des Katholizismus in Deutschland hat sie eine ganz besondere Bedeutung, die ich nicht mit Resten eines Vieh- und Schlachthofes vergleichen würde.

Wenn wir schon in der Nähe des Humboldt-Forums sind: Gibt es Neuigkeiten, ob das alte Mosaik des alten Unterbaues des künftigen Einheits- und Freiheitsdenkmals wieder in den Sockel integriert wird?

Wir haben diese Signale nicht. Aber wir senden diesen Wunsch permanent aus und hoffen, dass es für die Verantwortlichen keinen Grund gibt, dass das, was da jetzt überdauert hat, jetzt nach Fall der Mauer dem Freiheits- und Einheitsdenkmal zu opfern oder zu zerstören.

2019 wird auch in Berlin das 100-jährige Jubiläum des Bauhauses gefeiert. Ist die Substanz in der Hauptstadt gut auf das Jubiläum vorbereitet und präpariert?

Wir sind gut präpariert. Seit 2013 haben wir angefangen mit Weimar und Dessau die „Trienale der Moderne“ aufzubauen, die in der Kooperation der Bauhausstädte, Weimar, Dessau und Berlin mündet und auch der Bauhauseinrichtungen. Ich denke, dass wir sowohl von den Beständen als auch von den Institutionen einiges zu bieten haben. Und wir werden dem Bauhaus in Berlin eine Woche dem Bauhaus im Rahmen der Trienale widmen.

Zum Abschluss: Haben Sie einen guten Ratschlag für Ihren Nachfolger?

Dr. Christoph Rauhut hat mit dem Team und der Expertise im Landesdenkmalamt die besten Ratgeber um sich herum. Er hat meinen Ratschlag gar nicht nötig. Ich glaube, dass er im Moment auf ein Klima trifft und auch auf eine finanzielle Situation im Land Berlin, die es ermöglichen wird, die notwendige Stärkung der Denkmalpflege rasch mit der politischen Unterstützung voranzutreiben. Wir haben eine Koalitionsvereinbarung, die war noch nie so gut für die Anliegen der Denkmalpflege wie in dieser Legislatur.

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