Wer 1970 Goldbarren gekauft und bis heute aufbewahrt hat, der konnte sich über eine jährliche Rendite von 7,5 Prozent freuen. Foto: Sven Hoppe/dpa
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Gold in der Krise Spekulanten wetten gegen das Gold

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Trotz vieler Krisen sinkt der Goldpreis, die Nachfrage fällt auf das niedrigste Niveau seit 2009. Ein Grund: Die Spekulation von Fonds.

Ein wenig hat sich der Goldpreis in den vergangenen Tagen erholt. Aber immer noch sind es weniger als 1200 Dollar für eine Feinunze (31,1 Gramm). Im Januar waren es knapp 1360 und im April noch 1340 Dollar. Seitdem kennt der Preis des Edelmetalls fast nur eine Richtung - nach unten, bis auf 1174 Dollar Mitte August. Damit war Gold so wenig wert wie zuletzt Anfang 2017.

Experten sind darüber genauso irritiert wie Privatanleger. Schließlich gilt Gold als Krisenwährung. Und Krisen gibt es derzeit reichlich. Die Handelskonflikte zwischen den USA und Europa und den USA und China, der Streit zwischen den USA und dem Iran, US-Sanktionen gegen Russland, die Krise in der Türkei, die auf andere Schwellenländern ausstrahlen könnte, die schwierige Lage in Italien, Wachstumssorgen in China. In solchen Phasen steigt die Nachfrage nach Gold - eigentlich. Derzeit ist davon nichts zu sehen. Gold scheint seinen Nimbus als Krisenwährung einzubüßen.

Nimbus als Krisenwährung eingebüßt

„Gold profitiert aktuell überraschenderweise nicht von der höheren Risikoaversion“, sagt Barbara Lambrecht, Volkswirtin der Commerzbank. Man habe nicht geglaubt, dass der Preis in einem solch unsicheren Umfeld so stark unter Druck geraten könnte, wundern sich auch andere Experten des Instituts. Ähnliches ist aus anderen Häusern zu hören. Kopfschütteln auch bei Privatanlegern, die gleichwohl weiter auf Gold setzen und kaufen, etwa beim Münchner Goldhändler Pro Aurum. „In der zweiten Julihälfte übertraf der Umsatz das Umsatzvolumen im Zeitraum April bis Juni um rund 25 Prozent. Neun von zehn Kunden stehen wieder auf der Käuferseite“, sagt Robert Hartmann, Chef von Pro Aurum. Goldmünzen würden vor allem gekauft, aber auch Goldbarren zwischen 100 und 200 Gramm seien gefragt.

Gekauft haben auch Notenbanken, insbesondere die russische. Letztere hat nach Angaben des World Gold Councils, dem globalen Branchenverband, von Januar bis Juni 105 Tonnen geordert. Im Juli sollen es noch einmal fast 25 Tonnen und damit rund 800 000 Feinunzen gewesen. Gekauft hat auch die Türkei – 38 Tonnen im ersten Halbjahr. Aber diese Käufe konnten den Preis nicht treiben.

Nachfrage nach dem Edelmetall stark gesunken

Denn insgesamt ist die Gold-Nachfrage nach Angaben des Verbandes im ersten Halbjahr mit rund 1960 Tonnen auf das niedrigste Niveau seit 2009 gesunken, wobei allein die Schmuckindustrie mit weltweit rund 1000 Tonnen gekauft hat, genauso viel wie im ersten Halbjahr 2017. Immerhin: Seit Anfang Juli habe die Nachfrage nach Gold wieder deutlich angezogen, sagt Martin Siegel, Geschäftsführer von Stabilitas, einem auf die Goldanlage spezialisierten Investmenthaus.

Gold hat den Nachteil, dass es keine Zinsen, keine Dividenden und damit keine laufenden Erträge abwirft. Allein der Preisanstieg kann dem Anleger einen Ertrag verschaffen. Wichtiger aber als Anleger und Schmuckkäufer – und darin sind sich viele Experten einig – sind derzeit Hedgefonds und Spekulanten, die Wetten auf einen fallenden Goldpreis abgeschlossenen haben. Sie verkaufen Gold an den Terminmärkten und setzen darauf, dass sie es zu einem späteren Zeitpunkt günstiger zurückkaufen können. Daneben ist die Nachfrage nach börsengehandelten Goldfonds (ETFs), die auf physisches Gold setzen, zurückgegangen. Der Kurs von Xetra Gold der Deutschen Börse ist seit Mai um rund acht Prozent gesunken, der Bestand stagniert derzeit bei rund 170 Tonnen, nachdem es 2016 und 2017 noch Zuwächse gegeben hatte.

„Finaler Ausverkauf“

Angesichts der - vor dem Hintergrund der vielen Krisenherde - einerseits ungewöhnlichen Entwicklung des Goldpreises und der offensichtlich intensiven Aktivitäten von Spekulanten halten sich Experten mit Prognosen deutlich zurück. Mit Blick auf die Spekulation spricht Pro Aurum-Chef Hartmann zwar von einem „finalen Ausverkauf“. Wie lange der dauern und wie heftig er ausfallen werde, sei allerdings schwer zu sagen.

Martin Hüfner, Chef-Volkswirt vom Vermögensverwalter Assenagon verweist auf die Vorteile von Gold auf lange Sicht. „Gold ist beständiger und nachhaltiger als andere Anlageklassen.“ Sein Preis sei langfristig stabil und unterliege nicht den großen Schwankungen anderer Anlageklassen. Und Goldinvestments seien rentabel. Wer den Barren von 1970 bis heute gehalten habe, habe eine Rendite von 7,5 Prozent pro Jahr erzielt. Gold ist deshalb nach Ansicht von Hüfner nichts für die kurzfristige Anlage, aber über 20 bis 30 Jahre könne man mit Preissteigerungen rechnen. Lars Reiner, Chef des digitalen Vermögensverwalters Ginmon rät dagegen zur Vorsicht. „Der wirklich sichere Hafen für Anleger ist nicht Gold, sondern ein diversifiziertes Portfolio über alle Anlageklassen hinweg. Deshalb braucht man als Anleger keine Krisenwährung.“ Gold und Gold-ETFs hätten zwar ihre Berechtigung, aber nur als Beimischung. „Sie sind in einem solchen Mix aber nicht der Teig, sondern eher die Kirsche auf der Torte.“

Bis zum Jahresende soll es wieder aufwärts gehen. Die Deutsche Bank erwartet 1290 Dollar pro Feinunze, die Commerzbank 1300, die britische HSBC 1550 Dollar. Auf rund 1200 Dollar tippen die Ökonomen der Dekabank. Andere warnen, dass der Preis kurzfristig auch unter 1100 Dollar fallen könne. Natürlich sind auch in solchen Phasen wieder Gold-Gurus unterwegs. Der Preis könne auf bis 25 000 Dollar steigen. Am wahrscheinlichsten seien 12 000 Dollar für die Feinunze. Das könne innerhalb von vier bis sieben Jahren Realität werden.

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